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Zeugen Jehovas veräußern Gebäude

Alte Synagoge ist verkauft

BÜCKEBURG. Die Alte Synagoge an der Bahnhofstraße ist verkauft. Käufer und Investor ist der Bückeburger Immobilien- und Projektentwickler Dennis Roloff, der in den vergangenen Jahren zahlreiche denkmalgeschützte Bauten in und um Bückeburg unter seine Fittiche genommen und saniert hat. Verkäufer des Gebäudes mit der Hausnummer 33 ist die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas, die das Gebäude Mitte der Fünfzigerjahre von der „Jewish Trust Corporation for Germany“ (JTC), einer in London ansässigen jüdischen „Rechtsnachfolgeorganisation“, erworben hatte und bis September als Versammlungsstätte (Königsreichssaal) genutzt hat.

veröffentlicht am 02.11.2017 um 15:25 Uhr
aktualisiert am 02.11.2017 um 17:30 Uhr

Die Alte Synagoge an der Bahnhofstraße ist von den Zeugen Jehovas an den Investor und Projektentwickler Dennis Roloff verkauft worden. Foto: rc
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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„Ich werde den Charakter dieses geschichtsträchtigen Hauses erhalten und nach und nach wieder herstellen“, sagte Dennis Roloff während eines Ortstermins im Gespräch mit unserer Zeitung. Angesichts des geschichtlichen und zeitgeschichtlichen Hintergrunds sei es „schon ein komisches Gefühl“, in diesem Gebäude und in den Räumen zu stehen. Den alten jüdischen Gebetssaal, der später als Königsreichssaal genutzt wurde, werde er nicht verändern und in seiner jetzigen Form belassen. Nach seinen Vorstellungen soll der Raum als Seminar- und Schulungsraum für Interessierte zur Verfügung stehen und kann gemietet werden. Nur noch die alten, bunten Fenster des Saals erinnern an die Nutzung als Synagoge.

Wie Roloff weiter sagte, werde er das Gebäude auch für die Öffentlichkeit zugänglich machen, etwa beim „Tag des offenen Denkmals“, wenn er wieder in Bückeburg begangen wird. „Ich habe in vielen Gesprächen erfahren, wie groß das Interesse der Bevölkerung an diesem Gebäude ist.“

Zum Hintergrund: Die Folgenutzung der einstigen Synagoge war nicht unumstritten. Das Gebäude war 1955 auf den Verein „Königsreichssaal“ übergegangen und in der Folge von den Zeugen Jehovas nur für ihre Versammlungen genutzt worden. Erst nach Längerem Hin und Her konnte Ende der 1990er-Jahre eine Erinnerungstafel am Haus angebracht werden. Den Anstoß hatten die Schüler der Geschichtswerkstatt der Herderschule unter Anleitung ihres Lehrers Klaus Maiwald gegeben. Seitdem weist eine schlichte Plakette mit der Inschrift „Dieses Gebäude diente von seiner Erbauung 1866 bis zum 9.11.1938 als Synagoge“ auf die wechselvolle Geschichte des Gebäudes hin.

Der Gebetsraum der Alten Synagoge beziehungsweise spätere Königreichssaal der Zeugen Jehovas will Käufer und Investor Dennis Roloff erhalten und für Seminare oder Schulungen vermieten. Foto: rc
  • Der Gebetsraum der Alten Synagoge beziehungsweise spätere Königreichssaal der Zeugen Jehovas will Käufer und Investor Dennis Roloff erhalten und für Seminare oder Schulungen vermieten. Foto: rc
Die alten farbigen Fenster in Einfachverglasung bleiben erhalten. Foto: rc
  • Die alten farbigen Fenster in Einfachverglasung bleiben erhalten. Foto: rc

Das als Einzelbaudenkmal ausgewiesene Gebäude, das 1866 im neo-islamischen Stil erbaut wurde, will Roloff nach und nach wieder in seine ursprüngliche Form zurückversetzen. Die Rundbögen der zugemauerten Fenster sollen freigelegt werden und Sprossenfenster eingebaut werden. Der repräsentative Eingang an der Vorderseite wird wieder hergestellt. Ob er die Minarette, die bis dahin aus rein stilistischen Gründen die Fassade schmückten und keinen religiösen Zweck hatten, wieder errichten wird, ließ Roloff offen: „Das dürfte sehr teuer werden.“ Die Gebäudefassade war im Zuge der Umnutzung durch die Zeugen Jehovas bis 1957 verändert worden.

Die beiden Wohnungen im Erdgeschoss unter dem Gebetssaal sollen modernisiert werden, eine dritte Wohnung im Obergeschoss ebenfalls. Einen Teil der Räumlichkeiten des ersten Obergeschosses wird Dennis Roloff selbst nutzen, um dort Büro und Verwaltung seiner Firma unterzubringen.

Die Alte Synagoge ist 1866 von der damaligen jüdischen Gemeinde für rund 9000 Taler errichtet worden. Die Hoffnung der Gemeinde, dass künftig in und um das neue Gotteshaus herum auf Dauer jüdisches Leben erblühen möge, erfüllte sich nicht. Noch während der Bauphase waren deutschlandweit erneut antisemitistische Töne zu hören. Der soziale und wirtschaftliche Aufstieg der jüdischen Oberschicht rief zunehmend Neid und Vorurteile auf den Plan. Lange vor Beginn der NS-Ära gehörte judenfeindliche Stimmungsmache zum Standardrepertoire nationalkonservativer Politiker und Kirchenvertreter.

Das Ende des jüdischen Lebens hierzulande begann mit der „Machtergreifung“ des NS-Regimes im Jahre 1933. Die Synagoge wurde 1938 in der sogenannten Reichskristallnacht in Brand gesteckt, und danach als „Judenquartier“ genutzt. Kurz darauf ging sie auf Betreiben des NS-Bürgermeisters Albert Friehe in den Besitz der Stadt Bückeburg über. Die jüdische Gemeinde war zwischenzeitlich liquidiert worden. Als Rechtsnachfolgerin galt die Reichsvereinigung der deutschen Juden. Bei der kurzerhand angeordneten Vertragsunterzeichnung wurde der offiziell auf 22 000 Reichsmark geschätzte Verkaufspreis auf 8300 heruntergedrückt. Als Grund nannten Friehe und seine Helfershelfer die anstehenden hohen Umbaukosten. Vor einer „arischen Neunutzung“ des Synagogenbaus müsse das Haus „dem Empfinden des deutschen Menschen entsprechend umgestaltet“ werden.gp/rc

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