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Denkmalgeschützte Stadtvillen an der Georgstraße sind verkauft

Am Schandfleck tut sich etwas

BÜCKEBURG. Die beiden denkmalgeschützten Stadtvillen am Kreisel Georgstraße sind verkauft. Der Investor, die Bückeburger Wehmeyer WohnBau GmbH, will die Villen sanieren und zwei Neubauten im hinteren Bereich errichten. Acht Gewerbe- und vier Wohneinheiten sollen entstehen. Baubeginn ist im Laufe 2018.

veröffentlicht am 03.11.2017 um 13:41 Uhr
aktualisiert am 03.11.2017 um 16:50 Uhr

Ein Ende des Schandflecks am Kreisel Georgstraße ist absehbar. In einem Bieterverfahren hat sich die Wehmeyer Wohnbau GmbH von Volker Wehmeyer durchgesetzt und die beiden Stadtvillen erhalten. 2018 wird mit Sanierung beziehungsweise Neubau begonnen.
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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Die Büsche rund um die beiden Gebäude an der Georgstraße 2 und 3 wuchern seit Jahren vor sich hin, vor einigen Tagen mussten Bauarbeiter Sicherungsmaßnahmen am Dach durchführen und Teile des Gesimses bergen, zum Glück waren zwischenzeitlich die Werbeplakate am Bauzaun abgenommen worden. Der Investor für das „Fürstliche Wohnen am Park“, der Immobilienfonds Schaumburg-Lippe, hatte nach jahrelangem Hin und Her im Februar dieses Jahres Insolvenz anmelden müssen. Alles in allem ein Schandfleck am südlichen Einfallstor der Stadt und Zufahrt zum Schlossareal, der seit Jahren die Gemüter erhitzt.

Aber jetzt ist Bewegung in die Sache gekommen, ein Ende des Schandflecks absehbar. Denn die Wehmeyer WohnBau GmbH mit Sitz im Bückeburger Ortsteil Warber hat in einem Bieterverfahren vom Insolvenzverwalter den Zuschlag für die beiden denkmalgeschützten Häuser samt der umliegenden Flächen erhalten. Wie Bau-Ingenieur Volker Wehmeyer im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte, sieht das neue Konzept eine Nutzung als Wohn- und Geschäftshaus mit acht Gewerbe- und vier Wohneinheiten vor.

Die beiden denkmalgeschützten Villen sollen saniert und wieder hergestellt werden. Im Bereich des Kreisels Georgstraße sowie im südwestlichen Bereich hinter den beiden Villen werden zwei Neubauten errichtet. Wehmeyer: „Der alte Glanz soll nunmehr wieder hergestellt werden, bei dem historisches hervorgehoben und modernes als Bindeglied dient. Wir haben bereits erste Ideen für eine zukunftsweisende Entwicklung erstellt.“

So stellt sich die Wehmeyer WohnBau GmbH die Bebauung an der Georgstraße vor. Foto: WohnBau
  • So stellt sich die Wehmeyer WohnBau GmbH die Bebauung an der Georgstraße vor. Foto: WohnBau
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Nach seinen Zeitplanungen rechnet er damit, dass im Laufe des Jahres 2018 mit Neubau und Sanierung begonnen wird. Die Fertigstellung soll im Laufe des Jahres 2019 erfolgen. Derzeit laufen Abstimmungsgespräche mit dem Bauamt der Stadt Bückeburg, die bereits weit gediehen sind. Wann der Bauantrag eingereicht wird, ist noch offen.

Wie Wehmeyer erklärte, werden die beiden denkmalgeschützten Stadthäuser aus dem frühen 19. Jahrhundert modernisiert und die Fassaden restauriert. Beide Altbauten werden durch ein zentrales Treppenhaus zwischen den beiden Gebäuden verbunden. Es hat einen Fahrstuhl, sodass auch die Altbauten barrierefrei zu erreichen sind. Die alten Treppenhäuser, die wenig Glanz ausstrahlten, können in Absprache mit dem Denkmalschutz entfernt werden.

Über das zentrale Treppenhaus wird auch ein Neubau im rückwärtigen Bereich erschlossen. Dieses Gebäude wird dreigeschossig in moderner Bauweise errichtet. Es wird längs zu den Altbauten gebaut, sodass der Blick aus den Altbauten auf den Schlosspark nicht versperrt wird. Im vorderen Bereich des Grundstücks wird vom Kreisel Georgstraße straßenbegleitend ein weiterer Neubau entstehen, der am Kreisel zunächst eingeschossig ist und dann auf drei Geschosse ansteigt. Wehmeyer: „Der Blick aus der Schulstraße und dem Kreisel auf die Stadthäuser bleibt frei.“ Mit den beiden Neubauten setze man sich bewusst und deutlich vom Stil der Altbauten ab. Wehmeyer, seit 2001 vom Landesamt für Denkmalpflege ehrenamtlich für die Denkmalpflege im Landkreis und den dazugehörigen Städten beauftragt und Entwickler und Umsetzer zahlreicher anderer Denkmalschutzprojekte im Landkreis: „Wir wollen nicht historisieren.“

Unter beiden Neubauten wird nach Angaben Wehmeyers eine Tiefgarage mit insgesamt 18 Stellplätzen für künftige Eigentümer und Mieter gebaut. Die Einfahrt erfolgt von der Georgstraße über die bereits jetzt vorhandene Zufahrt, die Ausfahrt über den Kreisel. Oberirisch werden 19 weitere Stellplätze für Besucher und Gäste entstehen.

Die obersten Geschosse der insgesamt vier Gebäude sollen dem Wohnen dienen, die Erdgeschosse und ersten Obergeschosse als Büro- oder Praxiseinheiten. Er habe bereits mit ersten Interessenten wie Rechtsanwälten oder Ärzten gesprochen und sei auf reges Interesse gestoßen, sagte Wehmeyer. Da die Planungen für die Ausführung der Gebäude noch am Anfang stehen und erst Prinzipskizzen erstellt sind, können Raumzuschnitte für die jeweilige Nutzung noch weitestgehend berücksichtigt werden. Alle Einheiten können erworben oder aber gemietet werden. Für die denkmalgeschützten Bestandsbauten besteht die Möglichkeit, erhöhte steuerliche Abschreibungen zu nutzen.

Seit September 2012 hatte der Immobilienfonds Schaumburg-Lippe um seinen Geschäftsführer Sven Morawe versucht, das auf hohe Ansprüche ausgerichtete Projekt „Leben am Schlosspark“ zu entwickeln. Über die vergebliche Suche nach Investoren und Finanzierungsschwierigkeiten ging der Immobilienfonds Schaumburg-Lippe schlussendlich im Februar 2017 in die Insolvenz. Seit der Eröffnung des Verfahrens hat ein Insolvenzverwalter, der Hannover Rechtsanwalt Manuel Sack, das Sagen. Neben dem Verkauf der beiden Gebäude an der Georgstraße ist ein Gebäude des Fonds in Obernkirchen bereits versteigert worden. Drei weitere denkmalgeschützte Gebäude in Bad Eilsen stehen im Dezember beziehungsweise Januar 2018 zur Versteigerung vor dem Amtsgericht Bückeburg an.

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