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Ausbildung und Tagesverfügbarkeit von Müttern ermöglichen

Antendorfer Wehr hat deutschlandweit den höchsten Frauenanteil

Das Feuerwehrmagazin hat ermittelt, dass die Antendorfer Feuerwehr deutschlandweit den höchsten Frauenanteil hat: Satte 50 Prozent. Bernsen liegt im Ranking auf Platz 3. Die SZ/LZ-Redaktion hat sich bei den Vorzeige-Feuerwehren umgesehen und das Erfolgsrezept herausgefunden.

veröffentlicht am 13.02.2018 um 13:46 Uhr
aktualisiert am 13.02.2018 um 14:20 Uhr

Gemeindebrandmeister Michael Möller ist stolz auf seine aktiven Feuerwehrfrauen. Sie sind zu einer wichtigen Stütze der Auetaler Feuerwehren geworden. Foto: la
Kerstin Lange

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Kerstin Lange Redakteurin zur Autorenseite
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AUETAL. Der Frauenanteil der Gesamtbevölkerung in Deutschland beträgt aktuell etwa 51,25 Prozent. Bei den Feuerwehren liegt die Quote im Bundesschnitt noch unter zehn Prozent. Aber in vielen Wehren sind die Frauen im Kommen. Die Redaktion des Feuerwehr-Magazins hat ermittelt, in welchen Wehren der prozentuale Frauenanteil am höchsten ist – und siehe da, unter den Top Ten befinden sich fünf Feuerwehren aus Niedersachsen und davon wiederum zwei in der Gemeinde Auetal.

Die Ortsfeuerwehr Antendorf führt das bundesweite Ranking sogar an. Die Frauenquote liegt dort bei exakt 50 Prozent. Von den 22 Aktiven sind elf Frauen. Platz drei ging an die Ortsfeuerwehr Bernsen, die auf 46,42 Prozent kommt. Hier sind von den 28 Aktiven 13 Frauen. Und die sind, wie auch die 36 weiteren Frauen in den anderen Auetaler Ortswehren, überaus aktiv und zu wichtigen Stützen im Einsatzgeschehen geworden.

„Frauen sind eine wichtige Stütze der Gesellschaft und natürlich auch von modern aufgestellten Feuerwehren“, stellte Gemeindebrandmeister Michael Möller fest, der stolz auf „seine“ Frauen und die Auszeichnungen ist. Ihr ehrenamtliches Engagement trage wesentlich zur Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger im Auetal bei. „Die Freiwillige Feuerwehr Auetal kann sich auf starke Feuerwehrfrauen in den Ortsfeuerwehren verlassen, die hoch motiviert, gut ausgebildet, zuverlässig und belastbar sind. Diese wichtige Erfahrung konnten wir im Ausbildung- und Übungsbetrieb machen, aber auch im Einsatzgeschäft immer wieder erleben“, so Möller.

Aktuell verrichten 60 Frauen ihren Dienst in der Einsatzabteilung. 32 Mädchen sind Mitglied in der Kinderfeuerwehr und 34 in der Jugendfeuerwehr.

Der Frauenanteil beträgt aktuell in der Einsatzabteilung 22,5 Prozent. Im Jahre 2014 waren es noch 19,2 Prozent. Die Tendenz ist weiter steigend. „Damit sind wir trotzdem noch weit von den hohen Mädchenanteilen der Kinder- und Jugendfeuerwehren entfernt. Dort liegt der Anteil traditionell immer über 50 Prozent. Wir bewegen uns aber in den letzten Jahren in die richtige Richtung“, stellte der Gemeindebrandmeister fest.

In den nächsten Jahren gelte es zu überlegen, wie starke Frauen weiter in den Ortsfeuerwehren etabliert werden können. „Dabei wird es einerseits darum gehen, wie uns Frauen über die Kinder- und Jugendfeuerwehren erhalten bleiben. Andererseits werden wir auch über die Vereinbarkeit von Feuerwehr und Familie diskutieren müssen“, so Möller. In den meisten Haushalten übernähmen die Frauen nach wie vor noch die Kinderbetreuung. „Diese Betreuung verhindert natürlich die Teilnahme an zum Beispiel Ausbildungsdiensten. Das wissen wir aus vielen Gesprächen“, so Möller. Hier gelte es zu überlegen, welche Wege beschritten werden können, um diese Teilnahme doch zu ermöglichen. „Vielleicht sind Kooperationen mit anderen Jugendorganisationen, Einrichtungen der Kommunen möglich, die im Einzelfall einspringen können“, zählt der Gemeindebrandmeister Möglichkeiten auf.

Auch im Ernstfall – also wenn der Pieper geht und Frauen zum Einsatz müssen – könnte eine Zusammenarbeit, zum Beispiel mit den Kindertagesstätten, hilfreich sein. Die Mütter könnten ihr Kind zur Kita bringen und dann mit den Feuerwehrmännern ausrücken.

Gerade mit Blick auf die rückläufige Tagesverfügbarkeit der Feuerwehrleute, müsse nach Lösungen gesucht werden, die die Einsatzmöglichkeiten der „Feuerwehr-Mütter“ erhöhen.

Aber können Frauen überhaupt Einsätze bei schweren Unfällen oder bei Bränden absolvieren? „Selbstverständlich! Sie sind ebenso gut ausgebildet, wie die männlichen Kameraden“, sagt Möller.

„Frauen handeln oft ruhiger und überlegter, sind nicht so hitzig wie die Männer“, meint Helen Beißner. Die Oberlöschmeisterin gehört der Ortsfeuerwehr Bernsen seit 22 Jahren an. „Klar, Spreizer und Schere sind sehr schwer, aber da können ja dann auch die uns körperlich überlegenen Männer ran“, so Beißner. Sie sei in der Feuerwehr, um anderen Menschen zu helfen und um der Gesellschaft etwas zurückzugeben. „Außerdem ist die Gemeinschaft nicht zu toppen. Die Feuerwehr ist quasi meine zweite Familie. Aber das muss auch so sein, denn im Einsatz muss man sich aufeinander verlassen können“, sagt die 36-Jährige. Auch nach 20 Jahren ist Beißner immer etwas aufgeregt, wenn der Pieper geht. „Man weiß nie, was im Einsatz passiert oder was man zu sehen bekommt. Mit klopfendem Herzen fährt man schließlich los, aber vor Ort spule ich dann immer das Gelernte ab und das läuft auch immer gut“, so Beißner. Schrecklich seien immer die Unfälle auf der Autobahn mit Schwerstverletzten oder Toten. Aber nach jedem Einsatz setze man sich zusammen und spreche über das Erlebte. Das helfe, auch die schwierigsten Einsätze zu verarbeiten.

Hauptlöschmeisterin Silke Wente aus Rannenberg hat seit einem Jahr sogar eine Führungsposition in der Ortsfeuerwehr. Sie ist stellvertretende Ortsbrandmeisterin, und zwar die Vertretung für ihren Ehemann Dirk. „Das ist schon eine eher ganz seltene Konstellation“, stellt Wente schmunzelnd fest. „Aber es läuft gut.“

Die 52-Jährige gehört zur Besatzung des Einsatzleitwagens und ist dabei bei jedem Einsatz im Auetal dabei. „Ja, auf der Autobahn ist es schon oft schlimm. Zum Beispiel den Unfall, bei dem eine Frau und ihr Kind starben, werde ich nicht vergessen“, sagte Wente. Aber mindestens ebenso heftig sei ein Gebäudebrand in Schoholtensen gewesen. „Feuer kann einem schon richtig Angst machen und außerdem war es eisig kalt in der Nacht und auf der Straße fror das Löschwasser. Das war ein harter Einsatz“, erzählt Wente, die aber trotzdem immer wieder mit großer Freude und enormem Einsatz dabei ist.

Ann-Kathrin Schreiber ist 32 Jahre jung und Hauptfeuerwehrfrau. Sie ist Atemschutzgeräteträgerin (AGT) und damit bei Einsätzen ganz vorne dabei. „Mir ist es wichtig, anderen Menschen helfen zu können“, sagt Schreiber, di in der Ortsfeuerwehr Schoholtensen-Altenhagen aktiv ist und auch sie ist begeistert von der Gemeinschaft in der Feuerwehr.

Luisa Ulbrich ist quasi in die Feuerwehr hineingeboren. Die Antendorferin ist Oberfeuerwehrfrau und ebenfalls AGT. Ihre Eltern sind ebenso in der Feuerwehr aktiv wie ihre Schwester. „Wenn der Pieper geht, dann schlägt das Herz. Aber ich weiß, dass ich durch viele Lehrgänge und ständiges Üben gut auf Einsätze vorbereitet bin und dass ich mich auf meine Kameraden verlassen kann“, so Ulbrich.

In der Ortsfeuerwehr Antendorf gibt es aber nicht „nur“ die Frauen, die bei Einsätzen in der ersten Reihe stehen, sondern auch die Logistikkomponente – auch Feldküche genannt. Männer wie Frauen der Logistikkomponente versorgen die Feuerwehrleute im Auetal und auf Kreisebene bei Einsätzen – mal nur mit Brötchen und Kaffee, aber auch mit warmen Gerichten. Ihre Einsätze dauern mal nur Stunden, mal einen Tag, manchmal eine Nacht und oft auch mehrere Tage und Nächte. „Ich gratuliere den Ortsfeuerwehren zur ihrer Frauenpower und danke allen Aktiven für ihr Engagement“, schloss Möller.

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