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Heinrich Schraepler verstorben

Anwalt aus Leidenschaft

BÜCKEBURG. Heinrich Schraepler ist tot. Der renommierte Bückeburger Anwalt und Notar starb am vergangenen Wochenende in Bückeburg. Er wurde 83 Jahre alt. Er hinterlässt Ehefrau, drei Kinder und vier Enkel.

veröffentlicht am 14.02.2017 um 16:00 Uhr
aktualisiert am 14.02.2017 um 18:10 Uhr

Heinrich Schraepler
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Über 50 Jahre war Heinrich Schraepler Anwalt am Landgerichtsbezirk Bückeburg und erarbeitete sich einen tadellosen Ruf. Kaum ein Bückeburger, der nicht einmal mit ihm zu tun gehabt hätte – und sei es nur auf Jahreshauptversammlungen. Wenn es um knifflige Satzungs- oder Verfahrensfragen ging, war es Heinrich Schraepler, der um Rat gefragt wurde – und diesen auch bereitwillig gab. Wie viele Prozesse er gewonnen oder verloren hat, wie viele Beratungen er durchgeführt hat, wie viele Notarverträge er geschlossen hat, darüber hat Heinrich Schraepler keine Strichliste geführt, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung im März 2014 sagte, als er den 50. Jahrestag zur Bestellung als Anwalt am Landgerichtsbezirk begang. Sicher ist aber, dass die Liste sehr umfangreich geworden wäre.

Mit seiner Abschlussnote an der Universität Hamburg hätte der in Rotenburg/Wümme und in Hamburg-Harburg aufgewachsene Schraepler Richter oder Staatsanwalt werden können. Wollte er aber nicht. „Ich wollte immer Anwalt werden. Das war meine Passion.“ Anwalt wurde er am 4. Februar 1964, als er in Bückeburg vereidigt wurde, was damals die Voraussetzung für eine Bestellung zum Anwalt war. Kurz zuvor war er in die Kanzlei Pilz, Bahnhofstraße 34, eingetreten; eine Kanzlei, die er später samt Gebäude übernahm. Heute steht dort der Neubau des Hubschraubermuseums. Dem Hubschrauberzentrum war Schraepler immer eng verbunden, war sogar Ehrenmitglied. Klar, dass er dem Museum das Haus verkaufte, als es um die Erweiterung des Museums ging. Wie sich Schraepler überhaupt in vielen Bereichen ehrenamtlich engagiert hat: Reitverein, Tierschutzverein, MCB, Schulelternratsvorsitzender am Adolfinum oder Evangelisches Altersheim. 34 Jahre war er Vorstandsmitglied in der Rechtsanwaltskammer Celle und bis zuletzt Vorsitzender des Prüfungsausschusses für angehende Rechtsanwalts- und Notargehilfen. 1998 wurde ihm für seine ehrenamtliche Arbeit das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Bis vor Kurzem praktizierte er noch jeden Tag, obwohl er sein Notariat aus Altersgründen 2003 mit 70 Jahren aufgeben musste. Nicht mehr die großen, spektakulären Strafsachen, wie zu Beginn seiner Anwaltstätigkeit: In den vergangenen Jahren hatte er sich vielmehr auf Zivilsachen konzentriert, insbesondere das Erbrecht. „Ich bin dankbar dafür, das ist nicht selbstverständlich für Menschen meines Alters“, hatte er 2014 im Gespräch mit unserer Zeitung festgestellt. Eine Anekdote: Einmal sei eine junge Frau wegen einer Scheidungssache zu ihm gekommen. Als er sie fragte, warum sie zu ihm gekommen sei, habe die Antwort gelautet: „Sie haben schon meine Oma und meine Mutter geschieden.“rc

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