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„Es ist einfach zu wenig los“

Auch „Quadrat“ hört auf

STADTHAGEN. Fast 28 Jahre war Helene Marquard mit ihrem Geschäft „Quadrat“ in Stadthagen angesiedelt. Nun wird sie ihren Laden schließen – spätestens zum Jahresende, wenn der Mietvertrag ausläuft. Das „Quadrat“ gehörte zu den älteren Geschäften in der Stadthäger Innenstadt, sagt Marquard.

veröffentlicht am 13.10.2017 um 17:24 Uhr

Autor:

Jennifer Minke-Beil
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Vor etwa einem Jahr sei die Entscheidung in ihr gereift: „Die Situation hat sich hier in Stadthagen verändert“, sagt die Geschäftsfrau. In der Stadt sei einfach zu wenig los, moniert sie. Tourismus existiere gar nicht und „die Stadt unternimmt nichts dagegen“, sagt die Stadthägerin. Seit Jahren – eigentlich Jahrzehnten – geschehe nichts. Es werde zugesehen, wie Stadthagen untergehe. „Ich wünsche dem Ort, dass er noch einmal die Kurve bekommt. Aber im Moment sehe ich schwarz“, so Marquard.

Sie habe sich immer auf ihre „tollen Kunden“ verlassen können und habe sich lange gegen eine männerdominierte Stadthäger Geschäfts- und Verwaltungswelt durchsetzen können. Aber die Veranstaltungen, die in regelmäßigen Abständen in der Innenstadt stattfinden, hätten ihre Kunden nicht angezogen, sogar eher verschreckt.

Gerne hätte sie noch ein paar Jahre das Geschäft betrieben, aber ihr sei bewusst geworden, dass dafür keine Perspektive bestehe. Das liege auch an der immer älter werdenden Klientel in der Stadt. Die jungen potenziellen Kunden meiden die Stadthäger Innenstadt. Entweder bestellen sie im Internet oder statten anderen Städten einen Besuch ab.

Marquard sei bewusst, dass es auch anderen Städten in der Größenordnung von Stadthagen ähnlich gehe. Nichtsdestotrotz sei sie verwundert, dass so wenig gegen den Trend getan werde. Deshalb sei sie auch nicht überrascht, dass noch weitere Geschäfte im Innenstadtbereich in den vergangenen Wochen aufgegeben haben (wir berichteten). Bonita, das Schuhhaus Rode, Hussel und der Geschenkartikelladen Cottage hatten unter anderem bekannt gegeben, dass sie aus unterschiedlichen Motiven ihre Läden schließen.

Geschäftsinhaber der Niedernstraße wie Jost Böger sehen auch diverse Probleme. Aber man dürfe nun auch nicht alles schlecht reden und sich entmutigen lassen. Wichtig sei, dass die Geschäftsleute untereinander zusammenhalten – und das sei in der Niedernstraße der Fall. Das bestätigt auch Michael Kausch, der vom negativen Image der Nordstadt genervt ist. „Ein ganz großer Teil von uns ist seit Jahrzehnten in der Niedernstraße mit seinen Geschäften angesiedelt.“ Dabei handelt es sich laut Kausch um einen guten Mix aus kleinen Fachgeschäften. Er habe es satt, dass immer wieder von einem Problemviertel gesprochen werde. Das führe nicht dazu, dass wieder mehr Laufkundschaft käme.

Marquard erklärt, sie werde nach der Schließung keinen Laden mehr eröffnen. Sie habe jedoch schon Pläne, wie es weiter geht.

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