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Prozess gegen Auetaler Ehepaar fortgesetzt

Auetaler Drogenplantage wegen Erpressung angelegt?

AUETAL/BÜCKEBURG. Aufgrund der sprachlichen Barriere von zwei der drei Angeklagten gestaltet sich die Beweisaufnahme vor dem Landgericht als schwierig. Angeklagt ist ein Borsteler sowie seine Ex-Frau und ihr neuer Lebensgefährte, die beiden Letzteren sind ausländischer Herkunft. Gestern wurde der Prozess vor der zweiten großen Strafkammer des Landgerichts Bückeburg fortgesetzt – in einem Deal mit dem Gericht hatten die Angeklagten zuvor Geständnisse abgelegt.

veröffentlicht am 17.07.2017 um 15:23 Uhr
aktualisiert am 17.07.2017 um 18:00 Uhr

Wie sehr war der 56-jährige Angeklagte involviert? Foto: dpa
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Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Diese decken sich allerdings in Teilen nicht mit den Aussagen vor Gericht. Die vorsitzende Richterin Eike Höcker wies darauf hin, dass bei dem Deal mit dem Gericht insbesondere aber die Geständigkeit der Angeklagten betrachtet worden sei. Wenn sich das jetzt anders gestalte, könnte der Deal wieder platzen.

Gestern Vormittag stand vor allem die Frage im Raum, ob der angeklagte Ex-Mann nur von der Cannabis-Plantage unter seinem Dach wusste und die Räume zur Verfügung stellte, oder ob er selbst Mittäter gewesen ist.

Vor Gericht gibt der 56-Jährige zu, nicht nur von der Plantage gewusst, sondern auch für einige technische Fragen zuständig gewesen zu sein. Wenn er die Plantage unter seinem Dach schon dulde, so der Borsteler, dann könne er auch nicht sagen, sie müssten alleine klarkommen. Er habe sich daher um elektronische Fragen gekümmert.

Hartnäckig hakte die Vorsitzenden Richterin Eike Höcker vor allem bei der Frage nach, ob der 56-Jährige die Pflanzen dann auch gegossen habe. Denn wie ein später befragter Polizeibeamter aus Hannover angab, müssen vor allem kleine Stecklinge – darum handelte es sich bei den 486 Pflanzen offenbar – intensiv gepflegt werden. Da die angeklagte 56-Jährige allerdings zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr im Auetal wohnhaft war, ergibt sich die Frage, wer sich um die Cannabis-Pflanzen gekümmert habe. Ihr Ex-Mann gibt an, das Gießen sei alleine Sache seiner Frau gewesen. Ob sie sich dabei auch Dritter – eventuell ihrem neuem Lebensgefährten? – bediente, wisse er nicht.

Er gibt außerdem an, bei der Plantage habe es sich seines Wissens um eine „Aufzuchtstation“ für kleine Cannabis-Pflanzen gehandelt. Sie sollten gar nicht bis zur Erntereife im Auetal aufgezogen werden. Dafür hätte auch der Platz nicht gereicht.

Die Aussage seiner Exfrau, auch er habe versucht, Cannabis-Samen im Internet zu kaufen, dabei allerdings nur Chinabohnen-Samen erhalten, weist der 56-jährige Angeklagte zurück.

Mehrmals verweist er in seiner Aussage darauf, der Cannabis-Plantage in seinem Haus nur zugestimmt zu haben, weil seine Frau verschuldet gewesen sei. Außerdem sei sie von ihren Gläubigern erpresst worden – der 56-Jährige deutet dabei auch direkte Gefahr für seine Exfrau und ihre Familie an. Die komplette für die Plantage notwendige Ausrüstung habe das Paar von Vormietern übernommen, die ebenfalls eine Grasplantage betrieben hätten.

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