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Sein Lebenselixier

Auf Antonio Corbisieros Weinberg wachsen auch Zitronen

OBERNKIRCHEN. Die Weinreben, speziell jene, die er aus Süditalien importiert hat, sind nicht die einzige gärtnerische Leidenschaft, der sich Antonio Corbisiero widmet. Der Achtzigjährige ist auch „normaler“ Hobby-Obst- und Gemüsegärtner, und zwischen seinem Wein wachsen auch Zitronen.

veröffentlicht am 17.07.2017 um 16:39 Uhr
aktualisiert am 17.07.2017 um 18:40 Uhr

Sogar ein Zitronenbäumchen, das schon einige reife Früchte trägt, hat der 80-Jährige in seinem Garten. Foto: wk
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. Dass Antonio Corbisiero der größte Weinbauer der Bergstadt ist, darüber haben wir schon mehrfach in unserer Zeitung berichtet. Es ist ja auch beachtlich, was der gebürtige Italiener alljährlich unter den hiesigen klimatischen Bedingungen an Erträgen aus seinem Hausgarten herausholt. Allein im vergangenen hatte er, so berichtet der 80-Jährige stolz, mehr als 240 Kilogramm an Weintrauben geerntet, die er dann zu knapp 200 Litern Wein der Rebsorten „Weißer Chardonnay“, „Fragola“, „Nostrale“ und etwa „Muskateller“ verarbeitet hat.

In besonders ertragreichen Jahren hat er sogar schon um die 350 Kilogramm Weintrauben geerntet, wobei er bei der Vinifikation übrigens immer nur die (von Hand von den Stielen abgepflückten) reinen Weinbeeren zu Traubensaft respektive Maische presst, nicht aber ganze Weintrauben (Rispen). Denn würden die Stiele mitverarbeitet, würde dies den Geschmack des Weines beeinträchtigen, so seine Erfahrung.

Seine Weinreben, speziell jene, die er aus Süditalien importiert hat, sind aber nicht die einzige gärtnerische Leidenschaft, der sich Corbisiero widmet. Darüber hinaus ist er vielmehr auch ein normaler Hobby-Obst- und Gemüsegärtner. Dies für sich genommen ist zwar noch keine Geschichte, in Anbetracht des Enthusiasmus aber, mit dem er auch von diesen seinen gärtnerischen Freuden erzählt, ist es dann doch eine. Wie bei dem Weintrauben-Thema kann „Antonio“ zu praktisch allen in seinem Hausgarten angebauten und geernteten Obst- und Gemüsesorten mit konkreten Mengen- und Ertragsangaben aufwarten. Und wenn er beispielsweise berichtet, dass er in diesem Jahr sage und schreibe rund 150 Tomatenpflanzen (16 verschiedene Sorten) pflegt, dann strahlen seine Augen; ebenso, wenn es um die circa 50 Kürbispflanzen und all die anderen kleinen und großen Nutzpflanzen in seinem Garten geht.

Apropos: Erst vor Kurzem hat der 80-Jährige, der seit fast 50 Jahren Mitglied im örtlichen Obst- und Gartenbauverein ist, kleine Granatapfel-, Esskastanien-, Pfirsich- und Pflaumenbäume gepflanzt, was auch etwas über seine Einstellung zum Leben verrät. Nämlich, dass man auch in hohem Alter noch Pläne für die Zukunft schmieden und Aufgaben haben muss, die einen in Bewegung halten. Dass er noch viele Jahre fit bleiben muss, bevor er von diesen Bäumen ebenfalls eine reiche Ernte einfahren kann, ist da ein zusätzlicher Antrieb.

Da der Obst- und Gemüseanbau letztlich aber nur Sinn macht, wenn die aus dem eigenen Garten stammenden Erzeugnisse auch gegessen werden, kann Corbisiero überdies zu jedem Anbauprodukt sofort ein paar Rezeptvorschläge aus dem Ärmel ziehen. Nicht ohne zu betonen, dass er selbst den Kochlöffel in der Küche schwingt, um sich und seine Ehefrau mit allerlei kulinarischen Genüssen zu versorgen. Mehr noch: Um die von ihm versicherten Geschmackserlebnisse zu verdeutlichen, präsentiert er zu etlichen von ihm zubereiteten Gerichten auch gerne Fotos, die er mit seiner kleinen Digitalkamera davon gemacht hat.

Noch einmal zurück zum Weinanbau: Dass seine Weine vorzüglich schmecken, sagt nicht nur Corbisiero selbst, sondern diese Rückmeldung hat er auch schon aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis erhalten. Und vielleicht war es sogar jemand aus diesem Kreis, der einen im vergangenen Jahr in unserer Zeitung erschienenen Bericht über Corbisieros Weinbau-Hobby in einem sozialen Netzwerk im Internet gepostet hat. Wo genau, das weiß der Wahl-Obernkirchener zwar nicht, weil er sich für solche Medien nicht interessiert, aber zumindest wurde der auf diese Weise weiterverbreitete Zeitungsbericht von einem in Dortmund ansässigen Unternehmer gelesen. Der, offenbar ein Weinliebhaber, schwang sich daraufhin ans Telefon und fragte einfach mal bei Corbisiero an, ob er nicht mal auf eine Weinverkostung zu Besuch kommen dürfe. Kein Problem, meinte „Antonio“ und bald darauf saßen sie sich in seinem Haus in Obernkirchen bei einem Gläschen Wein gegenüber. Und weil der „Vino“ so mundete, wollte der Unternehmer gleich eine größere Charge Wein – vielleicht so um die 40 Flaschen – als Präsent für besondere Geschäftsfreunde erwerben. Woraufhin Corbisiero jedoch mit der Begründung abwiegelte, dass er seinen Wein lieber selbst trinke. Und wenn er davon doch mal die eine oder andere Flasche abgebe, dann verkaufe er seinen Wein nicht, sondern verschenke diesen nur in seinem privaten Umfeld.

Da der Dortmunder aber nun mal da war, fasste sich Corbisiero ein Herz und bot dem Gast zumindest sechs Flaschen Wein zu je fünf Euro an. Ein Schnäppchen, muss der Unternehmer wohl gedacht haben, denn anstatt der in Summe 30 Euro legte dieser hundert Euro auf den Tisch – passt so! Corbisiero wiederum, völlig verdutzt angesichts dieser Würdigung seines Weines, wollte sich da natürlich auch nicht lumpen lassen und gab dem Gast dafür vier Flaschen obendrauf.

Während der 80-Jährige diese Begebenheit erzählt, muss er selbst noch einmal darüber schmunzeln. Sein Hobby unter monetären Gesichtspunkten zu betreiben und seine Weine auch an andere Leute zu verkaufen, komme für ihn aber definitiv nicht infrage, betont er, und fügt scherzend hinzu: „Sonst kommt noch das Finanzamt und will Geld von mir haben!“

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