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Schule als Staat: Bückeburger Gymnasium betritt pädagogisches Neuland

Aus dem Adolfinum wird „Adolfinien“

BÜCKEBURG. Verfassung, Währung, Wappen – „Adolfinien“ hat sich als Staat konstituiert, das Adolfinum hat ein Zeichen gesetzt. Im September 2017 begreift sich die „Schule als Staat“ – eine Projektidee, die erst an wenigen Schulen in Deutschland ausprobiert wurde. Eine Schulwoche währt das Experiment, dann ist Zapfenstreich.

veröffentlicht am 17.02.2017 um 14:21 Uhr
aktualisiert am 21.02.2017 um 17:43 Uhr

Imke Röder und Martin Rüther: „Adolfinien ist entstanden ...“

Autor:

Volkmar Heuer-Stratmann
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Eine mehrere Monate dauernde Vorbereitungsphase, an der Schüler und Lehrkräfte beteiligt waren, endete nun mit drei großen Schülerversammlungen im Forum der Schule. Die Leitung lag in den Händen der Schülersprecher Julian Ihloff, Agnesa Hoti und Lilian Viezens. Die „Bürger und Bürgerinnen“ der Jahrgänge 5 bis 11 lernten ihre Hymne kennen, insbesondere den Appell von Koordinator Martin Rüther, der für Text und Melodie verantwortlich zeichnet und als Geiger von Imke Röder am Flügel begleitet wurde: „Jeder helfe auf seine Weise auf dieser Abenteuerreise.“

Zurzeit läuft die Phase der Parteigründung. Vier Anmeldungen liegen bereits vor. Von Vielfarbigkeit ist zu hören, auch parteiintern. Ob die Anträge dem Geist der Verfassung entsprechen, ist noch zu prüfen. Ende März wird gewählt. Parlament und Regierung erhalten ihre Legitimation und den Wählerauftrag. Dagmar Günther, neben SV-Lehrer Björn Riemer und Elternvertreter Steffen Behlau Initiatorin des Projekts, hatte schon vor der Gesamtkonferenz darauf hingewiesen, dass Grundgesetz, Schulgesetz und Hausordnung nicht außer Kraft gesetzt werden können. Gleichwohl wird in „Adolfinien“, jenem Kleinstaat in schaumburg-lippischer Tradition, aber mit demokratischem Fundament, fast alles anders sein als in den anderen Wochen eines Schuljahres.

Schüler gründen Betriebe, in Behörden schreiben sie Stellen aus. Lehrkräfte und Schüler können sich um Jobs bewerben. Geschäfte werden in „Finum“ abgewickelt. Eine Mindestarbeitszeit ist gesetzt, ein Mindestlohn wird gewährt. Gesundheit wird großgeschrieben. Nach Art von Zunft und Gilde wird das wirtschaftliche Treiben reguliert. Heiterkeit weckten die Hinweise Günthers auf den Heiratsmarkt: „Auf dem Standesamt können Schüler auch Lehrer heiraten!“ Enttäuschung konnte nicht ausbleiben: „Natürlich nicht ohne Zustimmung!“

Die Idee, den Staat „Adolfinien“ zu nennen, hatte Sophie Winterlich. Die Schülervertretung stimmte zu. Das preisgekrönte Wappen entwarfen Lene Hubrich und Anne Beier. Winterlich war es auch, die „Finum“ ins Spiel brachte. Inzwischen macht schon das Wort „Finchen“ die Runde. Eine Staatsbank hütet die Währung und sorgt für Liquidität. „Monopoly“ lässt schön grüßen.

Großzügig unterstützt wird das Projekt „Schule als Staat“ vom Verein der Adolfiner und vom Förderverein. Parteien wollen schließlich finanziert sein. Dass man mit „Adolfinien“ Neuland betritt, hob Schulleiter Michael Pavel beim Konstitutionsakt hervor. Für die Eröffnung der Projektwoche wünscht er sich allerdings, wie später zu vernehmen war, etwas mehr Hingabe bei der Hymne.

Einen Blick in die finstere Vorgeschichte des zur Demokratie geläuterten Kleinstaates wirft eine Theatergruppe bereits Ende Mai. Dann stehen nämlich im Forum Bestiarium „Durstspiele – Die Tribute von Adolfinien“ auf dem Programm.

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