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„Lebensberatung“ bietet Hilfen an

Aus der Sackgasse herausfinden

RINTELN. Wenn man nur noch unglücklich ist in seiner Beziehung, wenn Arbeitslosigkeit das Selbstwertgefühl vernichtet oder die Kommunikation mit den Kindern nicht gelingt, steht dieses Team als Helfer in der Not bereit: die Lebensberatung der ev.-luth. Kirche. 700 Menschen haben diese Chance 2015 und 2016 genutzt.

veröffentlicht am 19.06.2017 um 14:53 Uhr
aktualisiert am 19.06.2017 um 18:40 Uhr

Von links: Dietlind Quaassdorff, Diakonin, Susanne Wache, Sekretariat, Andreas Kühne-Gläser, Rosi Kühn, Christine Koch-Brinkmann
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Autor

Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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Jeder kann sich zu so einer Beratung anmelden, unabhängig von seiner Konfession oder seinen finanziellen Möglichkeiten. Die insgesamt zehn Mitarbeiterinnen in den fünf Beratungsstellen von Rinteln und Bad Nenndorf, von Nienburg, Neustadt und Wunstorf werden zum größten Teil von den entsprechenden Kirchenkreisen finanziert und erwarten nur eine kleine Spende für die Wahrnehmung ihres Angebotes.

„Wir machen keine Vorgaben, wir bewerten nicht, wir wollen Ratsuchenden einfach nur Entscheidungshilfen geben, damit sie ihr Leben wieder in den Griff bekommen“, so Christine Koch-Brinkmann, Leiterin der fünf Lebensberatungsstellen. 420 Einzelberatungen gab es in den letzten beiden Jahren, dazu kamen 232 Paare, und 32 Mal waren es Familien, die sich den speziell geschulten Beratern anvertrauten. Die meisten Anliegen lassen sich in wenigen Sitzungen lösen, manchmal allerdings können es auch zehn oder mehr Sitzungen sein. In manchen Fällen wird mit den Beratungen auch die lange Wartezeit auf einen Termin beim Psychologen überbrückt.

Beziehungsprobleme sind der häufigste Anlass, die Lebensberatung aufzusuchen. Ob ein Paar sich nur noch streitet oder nicht mehr miteinander redet, ob es darum geht, den Weg zu einer gütlichen Trennung zu finden oder wieder zusammenzukommen, ob das Gefühl großer Einsamkeit unerträglich wird oder die Frage im Raum steht, eine Untreue einzugestehen.

Wege aus der
Sackgasse

In allen Fällen sollen die Gespräche dazu hinführen, dass die Betroffenen aus Sackgassen der Kommunikation herausfinden, wieder selbst Entscheidungen treffen und die Verantwortung dafür übernehmen können. Es sei gar nicht selten so, dass zunächst nur einer der Partner Hilfe suche, und der andere dann doch dazukomme, sagt Mitarbeiterin Dietlind Quaassdorff.

Nicht nur Arztpraxen und medizinische Dienste weisen auf die Lebensberatung hin, etwa dann, wenn sich bei einem Menschen aufgrund aktueller Probleme eine Depression abzeichnet. Es ist vor allem die Mundpropaganda, durch die Hilfesuchende auf die Beratungsstellen aufmerksam werden. Die meisten Personen geben an, durch Freunde oder Bekannte ermuntert worden zu sein, sich nicht weiterhin allein mit ihren Konflikten herumzuschlagen.

Andreas Kühne-Glaser, Superintendent des Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg, war bei der Vorstellung des Jahresberichts in der Diakonie dabei und betonte, dass die Hemmschwelle, sich im Notfall psychosoziale Hilfe zu suchen, immer mehr zurückgehe. „Lebenskrisen gehören zum Leben dazu, das ist völlig normal“, sagte er. Auch deshalb erstrecke sich das Einzugsgebiet der Beratungsstellen seit 2015 auf insgesamt drei Kirchenkreise, neben Schaumburg sind das Neustadt-Wunstorf und Nienburg.

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