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Nazmiye und Zekai Dogan sind seit 60 Jahren verheiratet

Aus Gemeinschaft wächst große Stärke

RINTELN. 60 Jahre verheiratet zu sein - das kommt heutzutage kaum noch vor. Nazmiye und Zekai Dogan teilen so lange ihr (Ehe-)Leben, feiern das große Jubiläum am heutigen Sonntag. Wir haben das Ehepaar zu Hause besucht.

veröffentlicht am 17.09.2017 um 14:22 Uhr

Teilen seit unglaublichen 60 Jahren das Leben: Nazmiye und Zekai Dogan. Foto: CM
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Claudia Masthoff Reporterin
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RINTELN. Über das Ehejubiläum von Nazmiye und Zekai Dogan, die beide aus der Türkei stammen, berichten zu können, ist schon etwas Außergewöhnliches. „Der Hochzeitstag und auch die Ehejubiläen werden in unserer Kultur nicht besonders gefeiert“, erklärt Tochter Ayla Dogan. „Aber wir Kinder haben schon vor zehn Jahren gemerkt, dass es unserem Vater außerordentlich gut gefallen hat, wenn deutsche Freunde und Kollegen zu so einem runden Jahrestag ein ordentliches Fest gegeben haben.“ Deshalb hätten sie anlässlich der Goldenen Hochzeit vor zehn Jahren dann auch eine richtig große Feier organisiert. „Eine Überraschungsparty mit 60 Gästen!“, lacht die Tochter.

Dass die Feier damals im Innenhof des Klosters Möllenbeck stattfinden durfte, erklärt sich aus der Biografie der beiden Eheleute. Die haben nämlich viele Jahre im kleinen Haus direkt neben dem Möllenbecker Wahrzeichen gewohnt. „Erst ist meine Frau nach Deutschland gekommen“, erzählt Zekai Dogan. „Die hatte einen Bruder hier und durfte nachziehen.“

Überhaupt sei es ebendieser Schwager gewesen, der ihn auf die Idee gebracht hätte, sein kleines Dorf am Schwarzen Meer (die nächste größere Stadt ist Zonguldak) zu verlassen, und nach Deutschland zu kommen. „Der ging fort und kam nach einem Jahr mit dem eigenen Auto wieder!“, muss der Diamant-Bräutigam heute über das damals so gewichtige Argument schmunzeln. Er selbst sei ein paar Monate später nachgekommen. „Da hatte ich die Zusage für einen Arbeitsplatz beim Glashersteller Simon.“ Die fünf Kinder (vier Töchter, ein Sohn) hätten noch ein Jahr im Heimatdorf verbracht, und seien dann nach dem Tod des Großvaters ebenfalls nach Rinteln geholt worden. „Wir wohnten in einer winzigen Wohnung und mussten die Toilette mit anderen Nachbarn teilen. Das war nicht schön“, erinnert sich Ehefrau Nazmiye. „Bei der Suche nach etwas Passendem hieß es gewöhnlich: fünf Kinder! Das wollen wir nicht.“

Rettung nahte, als der damalige Pastor in Möllenbeck von der Not der Familie erfuhr und ihr kurzerhand das paradiesisch gelegene kircheneigene Gebäude anbot. „Wir hatten dort eine wunderbare Kindheit“, schwärmt Tochter Ayla. Nicht nur in Möllenbeck entstanden schnell gute Kontakte zur deutschen Nachbarschaft, denn Zekai Dogan zog es recht bald zurück zu den eigenen beruflichen Wurzeln. Der gelernte Herrenschneider eröffnete seine Änderungsschneiderei in der Bäckerstraße und wurde so geradezu zu einer Institution.

Heute leben die Eheleute im eigenen Mehrfamilienhaus in der Krankenhäger Straße. Viele Klingelschilder am Hauseingang, die den Namen Dogan tragen, deuten auf das gute Miteinander in der großen Familie hin. Und auch die Eheleute selbst scheinen während all der Schwierigkeiten, die das Leben für sie bereit hielt, ihr Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht verloren zu haben. „Meine Eltern sind einander immer noch sehr zugetan“, lächelt Tochter Ayla. „Das genießen wir Kinder, die zwölf Enkel und vier Urenkel, und wir finden, das ist ein echter Grund, gemeinsam zu feiern!“ Und so war es dann auch: Die Feier erfolgte am Sonntag, 17. September.

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