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Weihnachtsbäume zu Hackschnitzel

Beim Engerschen Neujahrsempfang röhrt der Schredder

ENGERN. Es ist ein Januar-Event mit Kultcharakter: Der Engersche Neujahrsempfang der Ortsfeuerwehr. Dabei werden ausrangierte Weihnachtsbäume zu Hackschnitzeln verarbeitet. Und das basiert auf einer cleveren – und umweltverträglichen – Idee.

veröffentlicht am 14.01.2018 um 12:52 Uhr
aktualisiert am 14.01.2018 um 15:50 Uhr

Er hat‘s erfunden: Der heutige Ortsbrandmeister Thomas Reese (M.) hatte vor fast 30 Jahren die Idee, ausgediente Weihnachtsbäume gemäß neuer Umweltschutzauflagen zu Hackschnitzel-Gründünger zu verarbeiten, statt sie zu verbrennen. Noch heute hilft Re
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Autor

Werner Hoppe Reporter

ENGERN. In Schweden, Norwegen und Finnland beginnt die Weihnachtszeit am ersten Weihnachtsfeiertag und endet offiziell später als hierzulande, nämlich erst am 13. Januar, dem St.-Knuts-Tag. An diesem Datum entsorgen die Skandinavier traditionell ihre Weihnachtsbäume aus den Häusern. Der Brauch ist mit einer gehörigen Feier verbunden und hat Kultcharakter.

In Engern läuft es seit fast 30 Jahren ähnlich mit dem gewichtigen Unterschied, dass die ausgedienten Weihnachtsbäume von einem leistungsstarken Schredder in Sekundenschnelle zu Hackschnitzel verarbeitet werden. Beide Aktionen haben deutliche Parallelen, nur in Engern heißt der Spaß nicht St.-Knuts-Tag, sondern Engerscher Neujahrsempfang.

Zum 29. Mal fraß am Freitagabend beim Feuerwehrgerätehaus am Schweinemarkt der Schredder das vormalige Wohnzimmergrün in sich hinein und blies es in Form von wenige Zentimeter großen Schnitzeln auf einen direkt daneben wartenden Anhänger.

Die Ortsfeuerwehr Engern beziehungsweise der heutige Ortsbrandmeister Thomas Reese hatte vor fast 30 Jahren die Engersche Variante des schwedischen St.-Knuts-Tag kreiert. Bis dato seien die Ex-Weihnachtsbäume jeweils von der Feuerwehr eingesammelt und hernach verbrannt worden, erklärte Reese, wie es zum Neujahrsempfang kam. Als behördlicherseits das Verbrennen per Umweltschutzauflagen untersagt worden sei, habe er die Idee bekommen, statt Feuer einen Schredder zur Entsorgung zu nutzen. Der nützliche Nebeneffekt das Verfahrens: Die geschnitzelten Weihnachtsbäume dienen seitdem als Gründünger, den örtliche Landwirte auf ihre Wiesen ausbringen können.

Der Engersche Neujahrsempfang hat längst Kultstatus bekommen. Die Einwohner des Gänsedorfes schätzen den Tag darüber hinaus inzwischen nicht nur als Gelegenheit, ihre Weihnachtsbäume unkompliziert loswerden zu können, sondern auch als erste Gelegenheit zum entspannt-gemütlichen Zusammenkommen im neuen Jahr.

Die Ortsfeuerwehr sammelt mittlerweile die Bäume nicht mehr ein, sondern ihre Besitzer bringen sie persönlich zum Ort der „Vollstreckung“ und haben damit zugleich einen triftigen Grund, für ein paar gesellige Stunden außer Haus zu kommen. Um alles Weitere sorgt sich die Feuerwehr. Freiwillige Helferinnen und Helfer kümmern sich darum, die gefräßige Maschine zu füttern, und halten für die Gäste Imbiss und je nach Wetterlage kalte Getränke oder nachweihnachtlichen Glühwein bereit.

Bei trockener Witterung und angenehmen Januar-Temperaturen knapp über null Grad am Freitagabend hielt sich die Nachfrage nach Kalt- und Heißgetränken zwar in etwa die Waage, aber der Imbiss-Renner waren gefühlt und geschmeckt die Fischbrötchen, belegt mit Matjes & Co. Auch die gehören seit einigen Jahren zum Kult mit Namen Engerscher Neujahrsempfang, der auch bei seiner 30. Auflage im nächsten Jahr wohl wieder wie immer über 120 ausrangierte Weihnachtsbäume zu Hackschnitzel-Gründünger werden lässt – umweltschonend und gemeinschaftsfördernd, versteht sich.

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