weather-image
15°
Fulminantes Abschiedskonzert im Staatsarchiv / Abiturient begeistert sein Publikum

Benjamin Wäntig hat ein Händchen für Werke von Brahms und Chopin

Bückeburg (dis). "Was muss dieser Pianist eigentlich noch lernen?", mag sich so mancher gefragt haben, als er, erfüllt von einem kammermusikalischen Erlebnis im Staatsarchiv, den Heimweg vom Abschiedskonzert von Benjamin Wäntig antrat, dem Jahrgangsbesten der Adolfinums-Abiturienten. Der talentierte junge Mann strebt den Dirigenten-Beruf an, nimmt aber nach wie vor Unterricht an der "Musikschule SchaumburgerMärchensänger" bei Nico Benadie, der ihm unter anderem das Know How der Brahm'schen "Sechs Klavierstücke, op. 118" vermittelt hatte, mit denen der Abend begann.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 08:25 Uhr

Autor:

Dietlind Beinßen

In den Parts nutzte der Solist jede Gelegenheit zu gesanglichem Vortrag. Er kostete die unterschiedlich langen Phasen mit instinktiver Sicherheit aus und mied das bloß abgeklärte, dem Augenblick entfremdete Spiel. So kam es zu einem charaktervollen Musizieren, das sich in den As-Dur-, E-Dur- und cis-Moll-Etüden von Chopin fortsetzte. Bei Chopins alle guten Geister des Flügels weckenden Klängen erwies sich der Exprimaner und künftige Zivi, der die Reifeprüfung in nur zwölf Jahren schaffte, nämlich ebenfalls als ein präziser und gleichwohl empfindsamer Gestalter und erntete ausnehmend viel Applaus. Nach der Pause wurde es mit dem "Trio für Pianoforte, Violine und Violoncello, Nr. 1, H-Dur, op. 8" von Brahms heikel. Hatte sich Wäntig als Pennäler im Kurs "Besondere Lernleistung" mit dieser schwierigen Komposition intensiv theoretisch auseinandergesetzt, ging es nun um die diffizile praktische Umsetzung und noch dazu mit seiner ehemaligen Musikpädagogin Insa Dreismann am Cello und Geigenlehrerin Silke Reinkensmeier an der Violine. Der extra aus Hannover angereiste Nico Benadie konnte in diesem Fall nur im Hintergrund bleiben. Um es vorweg zu sagen: Der Tastenkünstler meisterte seine schwierige Aufgabe mehr als nur souverän. Überhaupt beleuchteten die gut miteinander korrespondierenden Interpreten die drei in Angriff genommenen Sätze in all ihrer Weich- und Schroffheit mit Sinn für Formen und Proportionen von allen Seiten, und somit geriet die rasante Motorik im "Allegro molto agitato" zum beifallssicheren Finale, dem - etwas irritierend - sanfte Caféhausmusik als Dank für Standing Ovations folgte.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare