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Heimatverein Branderode in Bückeburg

Besuch aus dem Geburtsort von Adolf Holst

BÜCKEBURG. Zu Besuch aus Branderode, dem Geburtsort des Kinderlyrikers und Kinderbuchautors Adolf Holst, war jetzt der örtliche Heimatverein. Dieser nahm in Bückeburg die Sonderausstellung zu Adolf Holst im Landesarchiv in Augenschein.

veröffentlicht am 20.06.2017 um 14:38 Uhr
aktualisiert am 20.06.2017 um 16:10 Uhr

Stefan Brüdermann (li.) und Helga Warschewski (re.) heißen die Gäste willkommen, Zweite von rechts: Margit Kruppa. Foto: bus
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Autor

Herbert Busch Reporter
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BÜCKEBURG. Die im Niedersächsischen Landesarchiv dem Bückeburger Kinderlyriker und Kinderbuchautor Adolf Holst gewidmete Sonderausstellung „Bilderbücher und Reimgeschichten“ hat prominenten Besuch erhalten. Auf Vermittlung von Helga Warschewski reiste eine sechsköpfige Delegation des Heimatvereins Branderode in die Ex-Residenz, um sich von Archivleiter Dr. Stefan Brüdermann über Details der Präsentation in Kenntnis setzen zu lassen.

Branderode kommt insofern Bedeutung zu, da Holst hier am 7.1.1867 das Licht der Welt erblickte. Die bei Mücheln, (Kreis Querfurt in Thüringen) gelegene Ortschaft beherbergt heute etwa 900 Einwohner. Vor 150 Jahren freuten sich im örtlichen Pfarrhaus die Eltern August Andreas Jakob und Marie Johanne Wilhelmine (geborene Boetticher) Holst über die Geburt ihres Sohnes. Der junge Mann wuchs in einem bildungsbürgerlichen Haus auf, in dem viel musiziert und Theater gespielt wurde. Dessen späteres dichterisches Schaffen wurzelte – in Verbindung mit der naturnahen Umgebung – in den bescheidenen und liebevollen Verhältnissen seiner Kindheit.

Der Vater galt als streng, aber gerecht, was die als liebenswürdig beschriebene Mutter zumeist auszugleichen wusste. Vom weit gereisten und schelmischen Großvater und von der Pfeife rauchenden Großmutter bekam der Junge viele Anregungen, gewiss auch von den Erzählungen seines Onkels Adolf Schröder, der technischer Leiter der Ausgrabungen von Olympia war.

Leben und Werk von Adolf Holst stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Foto: bus
  • Leben und Werk von Adolf Holst stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Foto: bus

1901 kam Holst als Prinzenerzieher im Fürstenhaus Schaumburg-Lippe nach Bückeburg. Von 1915 bis 1918 leitete er die Fürstliche Hofbibliothek. In dieser Zeit lernte er die Dichterin und Schriftstellerin Lulu von Strauß und Torney, Herman Löns, der als Redakteur der Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung arbeitete, und den Mallehrer der Fürstin Ernst Kreidolf kennen.

1918 wandte sich Holst endgültig der Schriftstellerei zu und gab lange Zeit Auerbachs Kinderkalender und den Neuen Deutschen Jugendfreund heraus. Einige seiner Gedichte und Lieder wurden im Auftrag des Rundfunks unter anderem von Max Reger vertont. Seine Heimatstadt ehrte Holst bereits zu Lebzeiten mit einem Museum, das allerdings 1945 zerstört wurde.

In der Ausstellung sind persönliche Stücke aus dem vom Landesarchiv verwalteten Nachlass des Autors und eine umfangreiche Auswahl seiner Bilderbücher zu sehen. Die Exponate beziehen sich auf die Familie des Kinderlyrikers, seine Tätigkeit als Prinzenerzieher und Hofbibliothekar sowie auf seine Beziehungen zu prominenten Persönlichkeiten.

Zu den Clous der Schau zählt ein Multimedia-Angebot, das sowohl ein digitales Blättern in mehreren Bilderbüchern ermöglicht als auch die Originalstimme des Protagonisten erklingen lässt. „Die Stimme stammt von einer Schellackplatte, die seinerzeit vermutlich für eine Radiosendung mit aufgenommen wurde“, erläuterte Brüdermann der Besuchergruppe. Deren Sprecherin Margit Kruppa machte die Gastgeber darauf aufmerksam, dass Holst sehr wahrscheinlich nicht in dem in der Ausstellung als Geburtshaus präsentierten Gebäude zur Welt gekommen ist.

Brüdermann teilte mit, dass die ursprünglich bis zum 15. Juni geplante Ausstellungsdauer bis zum Tag der Langen Nacht der Kultur (Freitag, 22. September) verlängert worden ist. Bis dahin besteht für Schulklassen die Möglichkeit, die Präsentation und das Archiv-Magazin im Rahmen einer kostenlosen, etwa 20 Minuten dauernden Führung kennenzulernen. Obendrein erhalten die Klassenmitglieder eine Kopie eines von Holst erdachten Spiels oder ein Ausmalbild als Geschenk.

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