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Merle Nolting reist in die USA

„Botschafter für Deutschland sein“

BÜCKEBURG. Die ersten Sachen hat Merle Nolting schon sortiert. Die 15-Jährige sitzt gedanklich schon auf gepackten Koffern, zählt die Tage, die es noch braucht, bis sie für das „Parlamentarische Partnerschafts-Programm (PPP)“ in die USA fliegen darf.

Good bye and good luck: Merle (2. v. r.) mit Familie und Maik Beermann (r.). Foto: mig
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Michael Grundmeier Reporter
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„Ich wollte schon immer reisen und andere Kulturen, andere Sprachen und Menschen kennenlernen“, sagt Merle. Das Stipendium sei eine einmalige Chance, die sich nicht jedem biete.

Die USA? Ausgerechnet jetzt? Ein bisschen Sorgen haben sich die Eltern schon gemacht, als ihnen Merle von ihren Plänen berichtet hat. Natürlich haben sie gewusst, dass ihre Tochter ein Auslandsjahr machen will. Sie sei ein sehr mutiges Mädchen, jemand, der sich der Welt öffnen und alle Sprache lernen möchte, erzählt ihre Mutter. „Sie hat schon lange etwas gesucht, um ihren Traum wahr zu machen – das Parlamentarische Partnerschafts-Programm war dann genau das Richtige“, ergänzt Vater Christian. Aber ausgerechnet die USA? Jetzt, wo Trump an der Macht ist? Und was, wenn sie in eine stockkonservative Familie kommt? Trump-Befürworter? „Da würde sie sich bestimmt nicht besonders wohlfühlen“, meint ihr Vater leicht besorgt. Natürlich stehen die Eltern hinter ihrer Tochter. Sie wissen am besten, was für einen starken Menschen sie großgezogen haben. Auf der anderen Seite ist die USA weit weg von Europa – was die reine Entfernung angeht und mehr und mehr auch politisch.

Gut, dass sich an diesem Nachmittag Maik Beermann zu einem Gespräch angekündigt hat. Der Bundestagsabgeordnete hat Merle aus vier Kandidaten ausgewählt – insgesamt musste sich die Schülerin gegen mehrere Tausend Mitbewerber behaupten. In Nordholz angekommen, kann Beermann einige der Sorgen schnell zerstreuen. Er gehe davon aus, dass die Aufnahme-Familien ausgewählt würden, „man wird sich diese Leute sicher vorher anschauen“. Dass es unter ihnen „totale Hardliner“ gebe, könne er sich nicht vorstellen. „Sonst könnten da ja schon große Probleme entstehen.“ Nichtsdestotrotz sei es sehr mutig von Merle, dass sie am Programm teilnehme. „Als ich so alt war wie Du, hätte ich nicht daran teilgenommen, ich bin eher in der Heimat verwurzelt“, so der Abgeordnete. Er habe lange mit drei Generationen unter einem Dach gewohnt und das Schaumburger Land erst spät verlassen.

Vom Parlamentarischen Partnerschafts-Programm ist Beermann dennoch überzeugt. Derartige Programme seien „extrem wichtig, gerade in Zeiten wie diesen“, sagt der Politiker. Weil manchmal die kleineren Dinge mehr helfen würden als die hohe Politik, könne das Programm dazu beitragen, dass bei den Amerikanern „die Scheuklappen wieder hochgehen und nicht noch weiter runter“. Und noch etwas erwartet Beermann von seiner PPP-Teilnehmerin: Das sie als eine Art „Botschafter“ fungiert. „Du kannst den Menschen dort vermitteln, dass Deutschland mehr ist als Bratwurst und Kraut“, macht Beermann deutlich. Es gebe leider Amerikaner, die kaum etwas über Deutschland wüssten. „Deshalb ist es gut, dass junge und offene Menschen wie Du hinübergehen, die auch ihre Meinung vertreten können.“ Merle dürfe sich da „nicht wegboxen lassen“, gab Beermann zu verstehen.

Und Merle? Die schwebt auf Wolke sieben. Mit dem Stipendium sei „ein Traum wahrgeworden“, erzählt sie Beermann am Kaffeetisch. Und ergänzt: „Als ich erfahren habe, dass ich rüber darf, hätte ich Luftsprünge machen können, so sehr habe ich mich gefreut.“ Für die USA hat sich Merle schon seit Langem interessiert. Seit der 1. Klasse hat sie Englisch als Fach „das hat mir am meisten Spaß gemacht“, sagt sie heute. Auf die vielen Kontakte freut sich Merle schon heute. „Ich bin ein geselliger Mensch, ich denke, ich bekomme das hin.“ Ihre Meinung werde sie sicher vertreten, aber vor allem ihrem Gegenüber zuhören, sagt Merle. „Ich bin ja auch als eine Art Botschafterin unterwegs – so werde ich mich auch verhalten“, so die 15-Jährige.

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