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CDU und WGS sehen bei den Plänen für den Brückentorumbau wenig Gutes

Brückentorkomplex: Wie man einen Investor verschreckt

Für mehrere Millionen will Investor Norbert Dittel den Brückentorkomplex aufwerten. Bei der gemeinsamen Bauausschuss- und Ortsratssitzung fanden viele Politiker aber nur jede Menge Haare in der Suppe. Im Anschluss äußerte sich Dittel konsterniert. „Das war kontraproduktiv.“ Die SZ/LZ hat den gesamten Abend begleitet.

veröffentlicht am 08.02.2018 um 12:12 Uhr
aktualisiert am 08.02.2018 um 18:10 Uhr

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Hans Weimann Reporter

RINTELN. So kann man Investoren verschrecken: zu hoch, zu massig. Warum überhaupt noch ein Geschoss mit Wohnungen zusätzlich? Und ein Restaurant im 8. Stock? Wer braucht das? „Wir machen aus einem Klotz einen noch größeren Klotz!“ Womöglich noch mit einer Stahltreppe als zweiten Rettungsweg? „Das ist doch städtebaulich hässlich“. Und brauchen wir überhaupt 5000 Quadratmeter zusätzliche Einkaufsfläche in Rinteln? Wo bleibt beim Umbau der Kreuzung der Verkehr, wo die Radfahrer? Und wo die Vereine, wenn der Brückentorsaal beim Umbau wegfällt? Und dann gibt es da noch Fledermäuse. „Also während der Brutzeit bauen, das geht gar nicht!“

An dem vom Bremer Investor Norbert Dittel gemeinsam mit dem Obernkirchener Architekten Wolfgang Hein vorgestellten Umbau des Brückentorkompexes fanden CDU wie WGS in der gemeinsamen Sitzung von Ortsrat und Bauausschuss am Mittwochabend im großen Sitzungssaal nur Haare in der Suppe. Der Gipfel: Der Investor solle ein Bändchen an einer Stange befestigen, damit alle Bürger sehen könnten, wie hoch das Gebäude wird.

Als Bedenkenträger agierten hier vor allem Kay Steding, Heinz-Jürgen Requardt und Uta Fahrenkamp. Steding forderte außerdem, der Investor solle eine Millionen-Bürgschaft hinterlegen („Wer garantiert uns sonst, dass ein neuer städtischer Saal auch gebaut wird?“). Und das Finanzierungskonzept müsse stehen, Fristen in den Vertrag geschrieben werden.

Den rechtlichen Part dazu lieferte Dr. Gert Armin Neuhäuser: „Wir legen hier eine Richtung fest.“ In der Vorlage der Verwaltung für die vorgeschlagene Änderung des Bebauungsplans Pferdemarkt stehe für seinen Geschmack zu viel „Investoren-Sprech“. Neuhäuser warnte, wir sollten hier nicht „unter Zeitdruck Dinge beschließen, die wir eigentlich nicht wollen“. In Rinteln habe man Erfahrung mit Planungen, „die im Nirwana“ endeten.

Vorschlag von Neuhäuser: Nicht eine Änderung des Bebauungsplans Pferdemarkt sollte man beschließen, sondern einen auf den Investor bezogenen konkreten Erschließungsplan für das Projekt Brückentor. Das minimiere das Risiko für die Stadt, trotzdem habe der Investor keine Nachteile. Ein Konzept, das dann auch Ortsrat und Bauausschuss mit Mehrheit so beschlossen. Im Ortsrat stimmten drei, im Bauausschuss vier SPD-Mitglieder gegen den von Neuhäuser vorgeschlagenen investorenbezogenen Erschließungsplan.

An der Mimik des Bremer Investors im Saal konnte man unschwer ablesen: Er war nicht gerade amüsiert über die Diskussion. Architekt Hein wie auch der Stadtplaner Peter Flaspöhler an seiner Seite versuchten zu erklären und zu beschwichtigen. Noch sei alles offen. Über Details könne man noch reden. Das Problem sei nur: Mietverträge könne man erst abschließen, wenn es auch Rechtssicherheit für den vorgeschlagenen Umbau des Objekts gebe. Die Kreuzung werde nicht umgebaut, nur optimiert, der Verkehrsfluss werde bleiben.

Investor Dittel fand nach langem Schweigen dann doch noch deutliche Worte: Er brauche das vorgestellte Bauvolumen, diese Baumaße, die Wohnungen, sonst sei das Projekt wirtschaftlich für ihn nicht darzustellen. Ein Restaurant im achten Stock halte er für attraktiv. Er habe noch ein „bisschen Zeit“, aber nicht mehr allzu viel: „Wenn Sie in Ihrer Gemeinschaft noch ein paar Jahre darüber brüten, ob Sie das machen wollen oder nicht, fällt das alles ,hinten runter‘.“

Lediglich Dieter Horn (SPD) zeigte sich erschrocken von der angeschlagenen Tonart in der Sitzung und kommentierte in Richtung von CDU und WGS: „Ich habe den Eindruck, Ihr wollt das nicht.“

Horn versuchte gegenzusteuern: „Wir sollten doch froh sein, dass sich ein Investor dieses Objekts annimmt.“ Er selbst sehe nur zwei Probleme: Es müsse sichergestellt werden, dass der Verkehr zur künftigen IGS ohne Stau fließen kann und es eine Übergangslösung für Vereine gibt, wenn der Saal während der Umbauarbeiten wegfällt.

Gut 20 Minuten diskutierten beide Gremien dann über die Frage: Wo sollen die Vereine hin, wenn über Jahre kein Saal zur Verfügung steht? Kann das Neujahrskonzert im nächsten Jahr noch stattfinden? Antwort: Ja. Auch die Prunksitzung der Karnevalisten? Antwort: Vielleicht. Horns Vorschlag: Die Vereine könnten doch für eine Übergangszeit in Dorfgemeinschaftshäuser umziehen. Auch beim Thema Saal meldeten sich die Bedenkenträger. Es müsse sichergestellt werden, dass Vereine auch im neuen Saal keine Saalmiete zahlen müssen. Und was ist, wenn der neue Saal um 22 Uhr geräumt werden muss, um die Leute in den Wohnungen nicht zu stören?

Selbst Zuhörer diskutierten auf dem Flur weiter: „Warum überhaupt wieder einen Saal in das Brückentor bauen? Eine neue Stadthalle wäre doch viel besser. Und wer soll die bezahlen? Für Zuhörer ganz klar: der Investor.

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