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Nun doch mehr Mülleimer für die Stadt

Bürgermeister liest Facebook-Beitrag zu Mülleimern – und reagiert

RINTELN. Achtung, der Bürgermeister liest auf Facebook mit. Der Beitrag einer Rintelnerin mit der Forderung nach mehr Mülleimern für die Stadt hat sogar überraschend zu einer kleinen Kehrtwende im Mülleimer-Denken der Stadtverwaltung geführt.

veröffentlicht am 28.02.2018 um 18:15 Uhr
aktualisiert am 28.02.2018 um 18:50 Uhr

Zum Dank für die Einsicht schenkte Iris Baden Bürgermeister Priemer einen Karton Muffins. Foto: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. Seit Jahren stehen sich in Sachen „Müllproblem“ zwei ziemlich unversöhnliche Parteien gegenüber. Die einen fordern mehr öffentliche Mülleimer für den spontanen Verpackungsmüll von Passanten, die anderen wollen auch noch die letzten Mülleimer abbauen um zu verhindern, dass Bürger dort ihren Hausmüll entsorgen. Bisher war die „Weg mit den Mülleimern“-Fraktion auf der siegreichen Seite. Der Facebook-Beitrag einer Rintelnerin aber brachte eine überraschende Wende, denn: Der Bürgermeister las mit.

Die Rintelnerin Iris Baden hatte von einem Rundgang mit ihrer Freundin an der Weser erzählt, wo man vom Freibad aus am Campingplatz herauskommt. „Aufgefallen ist uns, dass nirgendwo ein Mülleimer steht“, schrieb sie, „Überall sichtbarer Müll, ob leere Zigarettenschachteln, Kaffeebecher, Tüten von ,Mecces‘ und alles andere!“ Ob die Stadt nicht für Mülleimer Sorge tragen könne, da, wo so viele Menschen mit Hund oder Rad entlangkommen oder auf den Bänken pausieren? Dann richtet sie sich direkt an den Bürgermeister: „Herr Priemer, wir finden das nur traurig.“

Dieser Beitrag fand sehr hohen Zuspruch und spiegelt in seinen Kommentaren die Diskussion der letzten Jahre wider. „Mülleimer nützen nichts. Dreckschwein bleibt Dreckschwein“, diese Auffassung vertritt zum Beispiel Dieter Horn und schließt sich den Beobachtungen anderer Bürger an. Nicht nur wären viele Mülleimer gleich nach der Leerung wieder mit Hausmülltüten verstopft; die Leute würden ihren Müll sowieso in die Gegend werfen.

Auf der anderen Seite gab es jede Menge Argumente für die Rückkehr von Mülleimern. Dann könnten Hundebesitzer die Kotbeutel vor Ort entsorgen; Touristen bekämen einen besseren Eindruck von der Stadt; Menschen, die bereitwillig den Müll anderer aufheben würden, machen das nur, wenn sie ihn nicht nach Hause schleppen müssen. „Ja, es gibt Schlimmeres“, so Facebook- Nutzerin Kathi Flauß, „aber dass die Stadt hier und da einen Mülleimer auf viel genutzten Strecken aufstellt, ist auch kein Ding der Unmöglichkeit.“

Schließlich dann die große Überraschung. Thomas Priemer höchstpersönlich meldete sich in der Gruppe und zog mit einem Versprechen eine Art Schlussstrich unter die Diskussion: „Die Stadtverwaltung wird sich umgehend drum kümmern! Wir werden wieder einige Mülleimer dort aufstellen“, so seine Reaktion. Baubetriebshofleiter Ulrich Hartmann habe bereits den Auftrag erhalten. „Wenn etwas für mich einleuchtend ist und problemlos zu lösen, dann wird das auch gemacht.“

Immer mal wieder lese er auf Facebook mit, um „zu wissen, was beim Volk so los ist“. Manche Probleme ließen sich auf dem kurzen Dienstweg aus der Welt schaffen. „Es ist schließlich nicht per Gesetz vorgeschrieben, wo Mülleimer zu stehen haben“, sagte er. „Da können wir uns ruhig sensibilisieren lassen und selbstkritisch sein.“

So groß war die Freude bei Iris Baden, dass sie bei einer Gesprächseinladung ins Rathaus einen Karton voller Muffins mitbrachte. Zusammen mit ihrer Freundin Martina Rathert verschenkt sie immer mal wieder Selbstgebackenes unter dem Motto „Backen für die Seele“.

Ist das bisherige Konzept der Mülleimer-Vermeidung damit tatsächlich außer Kraft gesetzt? „Nein“, so Priemer. „Die illegale Hausmüllentsorgung bleibt ein Problem.“ Die Erfahrung habe gezeigt: je größer das Netz der Mülleimer, desto größer auch die Verführung, dort Restmüll abzulagern. Angesprochen auf fehlende Mülleimer an Bushaltestellen, in der Fußgängerzone oder etwa am Rundgang im Alten Hafen, sagte Priemer allerdings zu, er werde „gut begründete“ Einwände prüfen lassen. Vorschläge können per E-Mail an den Bürgermeister gesendet werden.

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