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Großteil fließt auf den Flugplatz in Achum / Schließung der Jägerkaserne noch nicht vom Tisch

Bundeswehr investiert 100 Millionen

BÜCKEBURG. Die Bundeswehr wird in den kommenden zehn Jahren rund 100 Millionen Euro in die beiden Liegenschaften des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums (IHAZ) investieren: sowohl in die Schäfer-Kaserne auf dem Flugplatz im Ortsteil Achum, als auch in die Jägerkaserne im Herzen der Stadt. Die Jägerkaserne soll nach den bisher immer noch gültigen Planungen des Verteidigungsministeriums 2025 aufgegeben werden. Das kann sich aber wieder ändern.

veröffentlicht am 18.05.2018 um 15:54 Uhr
aktualisiert am 18.05.2018 um 16:40 Uhr

Die Jägerkaserne in der Bückeburger Innenstadt: 2025 soll sie aufgegeben werden, es bestehen aber Chancen auf einen deutlich längeren Erhalt. Foto: Bw-IntHubschrAusbZ/Bozic
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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In einem Pressegespräch über die Infrastrukturmaßnahmen am Standort zeigte sich der Kommandeur des IHAZ und General der Heeresflieger, Oberst Ulrich Ott, aber optimistisch, dass die Jägerkaserne „deutlich länger erhalten werden kann“. Die Jägerkaserne sei eine „herausragend schöne Kaserne“ und mit ihrer Lage mitten in der Stadt bei den Soldaten sehr beliebt, was in Zeichen der Attraktivitätssteigerung der Bundeswehr und auch als Arbeitgeber ein nicht zu unterschätzendes Argument sei. Ott: „Die Chancen stehen gut.“ Im Sommer wisse er mehr.

Nach Informationen unserer Zeitung könnte der Hintergrund für den Optimismus auch der jüngste Schwenk der Verteidigungsministerin sein, die die Bundeswehr wieder mehr als Landesverteidigungsarmee aufstellen will. Dafür würden wieder Ausbildungsstrukturen benötigt, wie sie noch vor Jahren in Bückeburg und speziell der Jägerkaserne vorhanden waren.

Der Schwerpunkt der Investitionen wird aber in der Schäfer-Kaserne liegen. Dreh- und Angelpunkt ist der Bau von drei neuen Unterkunftsgebäuden mit insgesamt 254 Unterkunftsstuben im Norden der Kaserne. Baubeginn soll im Frühjahr 2021 sein, allein 17 Millionen Euro fließen in diese Investition. Die Stuben werden nichts mehr gemein haben mit den Stuben alter Prägung mit zehn Betten, einen Spind für jeden und einem Tisch in der Mitte. Die Soldaten von heute können sich über Einzelzimmer mit Nasszelle, Flachbildschirm und Tisch und Sessel freuen. Wie die Stuben aussehen, wird derzeit im Rahmen eines Tests in der Truppe entwickelt.

Die Schäferkaserne auf dem Flugplatz in Achum: Hier wird der Großteil der 100 Millionen Euro investiert. Foto: Bw-IntHubschrAusbZ/Bozic
  • Die Schäferkaserne auf dem Flugplatz in Achum: Hier wird der Großteil der 100 Millionen Euro investiert. Foto: Bw-IntHubschrAusbZ/Bozic

„Das wird Hotelstandard, wenn natürlich auch abgestimmt auf militärische Bedürfnisse“, wie der Kommandeur, aber auch der Standortälteste und Kommandeur der Lehrgruppe B, Oberstleutnant Norbert Ordelmans, der Infrastrukturstabsoffizier und Kasernenkommandant der Schäfer-Kaserne, Oberstleutnant Roman Paschek, und der Presseoffizier, Oberstleutnant Michael Baumgärtner in dem Pressegespräch betonten. Die neuen Unterkunftsgebäude ersetzen die alten Unterkunftsgebäude 3, 4 und 5.

Die 254 neuen Stuben resultieren daraus, dass die Jägerkaserne nach dem heutigen Stand der Dinge 2025 geschlossen wird und die bisher dort stationierte Lehrgruppe B komplett nach Achum verlegt wird. Die 3. Kompanie des Feldwebel- und Unteroffizierausbildungsbataillons, derzeit noch in der Jägerkaserne ,soll bis dahin zurück nach Celle gehen, wo ebenfalls in neue Infrastruktur investiert wird.

In Achum sind eine ganze Reihe weiterer Investitionen im Bereich des Kommandeur- und Stabsgebäudes geplant. Ein neues Hörsaalgebäude wird ebenso gebaut wie ein neues Fachmedienzentrum und ein Sanitäts-Versorgungszentrum mit Fliegerarzt und einem betrieblichen Gesundheitsmanagement. Dazu kommen neue Gebäude für Rettung und Sicherheit, ein sogenanntes Triogebäude, das die früher üblichen OHG und UHG an einem Ort zusammenfasst, Platz für Pfarrer, Medien, Eltern-Kind-Einrichtungen oder einen kleinen Shop für die Grundversorgung bietet. Ein Gebäude, das die neue Ausrichtung der Bundeswehr deutlich macht, wie es Kommandeur Ott zusammenfasste. Zu guter Letzt wird auch ein Parkhaus gebaut.

Die ganzen Gebäude werden sich um einen sogenannten „Steinernen Campus“ herumgruppieren, der künftig das Herz des Internationalen Ausbildungszentrums sein wird. Ein Campus, auf dem man sich treffen und austauschen kann, Gemeinschaft, Kommunikation und Interaktion pflegen kann. Oder wie es der Kommandeur umriss: „Wir werden unser Bild verändern und Aufmerksamkeit in der Region erregen.“

Weitere größere Investitionen wird der Neubau beziehungsweise Modernisierung von Hubschrauberhallen sein: Die Hallen 1 und 2, 1947 noch von den Briten errichtet worden, sind abgängig und werden durch Neubauten ersetzt. Auch Halle 10 wird erneuert. Bereits gebaut ist ein neuer Radarturm. Auch die Modernisierung der Wasserversorgung- und Abwasserentsorgung ist bereits in vollem Gange. Die ersten zwei von fünf Bauabschnitten sind abgeschlossen. Rund neun Millionen Euro werden in diesen Bereich investiert.

Was noch kommt:

Im Simulatorzentrum wird 2018 die Kältetechnik an die aktuellen Erfordernisse angepasst – im laufenden Betrieb. Außerdem ist eine Erweiterung des Simulatorzentrums geplant, damit alle Soldaten vernünftige Arbeitsbedingungen haben.

Die Energie- und Wärmeversorgung wird durch ein neues Blockheizkraftwerk optimiert und an Umwelterfordernisse angepasst.

Die Munitionsanlage wird neu gebaut, ebenso ein Ätzraum für die Ausbildungswerkstatt, ein neuer Schweißraum, ein Batterieladeraum, das Flugfeld, alles in allem insgesamt noch rund 20 kleinere Sachen.

Die Kommandeure zeigten sich optimistisch, dass alle Maßnahmen fristgerecht umgesetzt werden können – trotz der boomenden Baukonjunktur in Deutschland. Die Gespräche mit den beteiligten Ämtern und Behörden wie auch den drei zuständigen Bundesministerien seien gut auf Kurs. Trotz europaweit notwendiger Ausschreibungen werde auch das Handwerk in der Region von den Investitionen profitieren. Das Fazit von Ott: „Wir werden eine attraktive Dienststelle mit attraktiven Rahmenbedingungen.“

In die Jägerkaserne wird in den kommenden Monaten insbesondere in den Brandschutz investiert. Insgesamt rund 2,6 Millionen sind bisher kalkuliert, bei einem Gebäude stehen die Kosten noch nicht fest. Nach einer Begehung Anfang des Jahres sind zwei Unterkunftsgebäude gesperrt und dürfen nicht mehr genutzt werden. Die dort untergebrachten Soldaten der Lehrgruppe B und der 3. Kompanie des Ausbildungsbataillons sind auf andere Unterkünfte, auch in Achum verteilt worden. „Noch so gerade tragfähig, aber wir sind am Rande der Kapazität“, sagte der Kommandeur der Lehrgruppe B, Oberstleutnant Norbert Ordelmans.

Die beiden Unterkünfte, die Blöcke B und D, die in den 1930-er Jahren errichten wurden, werden „mit Hochdruck“ in Angriff genommen. Bereits im Juni wird die komplette Elektrik erneuert, alles „zügigst“ erledigt werden. Ein Beispiel für die marode Elektrik: Pro Vier-Mann-Stube gibt es nur eine Steckdose. Ordelmans: „Im Smartphone- und Tabletzeitalter undenkbar.“ 1,5 Millionen Euro werden in die beiden Blöcke investiert.

In die Modernisierung der beiden Blöcke A und E fließen weitere 1,1 Millionen Euro. Offen ist noch, was die Modernisierung von Block C kostet. Block A, das große Backsteingebäude entlang der Ulmenallee, ist im Zuge der „Unterkunft 2000“ bereits modernisiert worden und auf dem neuesten Stand.

Weitere 1,12 Millionen Euro steckt die Bundeswehr in die Modernisierung der 14 Doppelhaushälften an der Königsberger Straße, die als Unterkünfte insbesondere für Lehrgangsteilnehmer genutzt werden, etwa Soldatinnen mit Kind oder Lehrgangsteilnehmer aus Schweden. Küchen, Bäder, Elektrik, Türen und Fenster wurden oder werden erneuert. Ordelmans: „Gute Unterkünfte, gut für die Lehrgangsteilnehmer, gut für die Attraktivität.

Wie viel Geld der Bundeswehr jährlich in die Wirtschaft der Region fließt, machte Kommandeur Ulrich Ott an einem Beispiel deutlich. Knapp vier Millionen Euro gibt der Standort jährlich allein für die Unterhaltung von Gebäuden, Unterkünften, Infrastruktur und andere Maßnahmen aus: sei es Anstriche, Ersatz von Fenstern oder Türen, Reparaturen von Anlagen, Dächern, Dachrinnen und allem, was bei so großen Liegenschaften kaputt gehen kann und repariert werden muss.

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