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Auf dem Weg zum Vollversorger

Burghof-Klinik: Erweiterung noch in diesem Jahr

RINTELN. 170 Patienten kann die Burghof-Klinik in Rinteln mittlerweile stationär aufnehmen, dazu etwa 60 teilstationär. Es gibt fünf verschiedene Standorte. Keine Frage: Die Burghof-Klinik ist auf dem Weg zum Vollversorger. In diesem Jahr steht die nächste Erweiterung an.

veröffentlicht am 30.01.2018 um 16:32 Uhr
aktualisiert am 30.01.2018 um 17:44 Uhr

Das Haus in der Ritterstraße 19 wird seit rund hundert Jahren zur Behandlung psychisch Kranker genutzt. Foto: mld
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite

RINTELN. Die Burghof-Klinik genießt bereits weit über die Grenzen des Bundeslandes hinaus einen guten Ruf. Der kommt nicht von ungefähr: Verfügte die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie vor zwölf Jahren noch über zwei Häuser, kann sie inzwischen fünf Häuser sowie den Standort im Medizinischen Zentrum, Virchowstraße, vorweisen. 170 Patienten können mittlerweile insgesamt stationär aufgenommen werden, dazu etwa 60 teilstationär.

Der Standort in der Virchowstraße wird in diesem Jahr erweitert: Zusätzlich zum Erdgeschoss des Westflügels werden künftig auch das Erdgeschoss und der erste Stock des Südflügels genutzt. Eingerichtet wird eine neue psychiatrische Station mit 18 Betten sowie weitere Therapieräume. Das Land Niedersachsen fördert den Ausbau mit rund drei Millionen Euro.

Das Erdgeschoss nutzt die Burghof-Klinik bereits zum Teil: Hier sind die psychiatrische Institutsambulanz mit bis zu 1800 Patienten pro Quartal sowie die Ergotherapie eingezogen. Auch die ärztliche Leitung sowie ein Teil der Geschäftsführung sind bereits hierher umgezogen: Prof. Dr. Detlef Dietrich, Ärztlicher Direktor sowie Leitender Arzt der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie, Prof. Dr. Petra Garlipp, Ärztliche Direktorin und Leitende Ärztin in der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie, sowie die Geschäftsführer Georg Schmidt und Dr. Bernd Kuglin, Geschäftsführer und zuständig für Medizincontrolling und Qualitätsmanagement. Auch die ehemalige Krankenhausküche wird von der Burghof-Klinik bewirtschaftet.

Die Erweiterung der Burghof-Klinik wird noch in diesem Jahr erfolgen. Wann genau, kann die Ärztliche Leitung noch nicht sagen. Zusätzlich zur psychiatrischen Institutsambulanz im Erdgeschoss des Medizinischen Zentrums sowie „Haus 3“ (r. im Bild) wird
  • Die Erweiterung der Burghof-Klinik wird noch in diesem Jahr erfolgen. Wann genau, kann die Ärztliche Leitung noch nicht sagen. Zusätzlich zur psychiatrischen Institutsambulanz im Erdgeschoss des Medizinischen Zentrums sowie „Haus 3“ (r. im Bild) wird eine neue psychiatrische Station mit 18 Betten sowie weiteren Therapieräumen eingerichtet. Das Land Niedersachsen fördert den Ausbau mit rund drei Millionen Euro. Foto: mld
Dr. Detlef Dietrich, Ärztlicher Direktor sowie Leitender Arzt der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie. Foto: pr/Burghof-Klinik
  • Dr. Detlef Dietrich, Ärztlicher Direktor sowie Leitender Arzt der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie. Foto: pr/Burghof-Klinik
Prof. Dr. Petra Garlipp, Ärztliche Direktorin und Leitende Ärztin in der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie. Foto: pr/Burghof-Klinik
  • Prof. Dr. Petra Garlipp, Ärztliche Direktorin und Leitende Ärztin in der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie. Foto: pr/Burghof-Klinik
Dr. Marco Wrenger, Leitender Arzt der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie. Foto: pr/Burghof-Klinik
  • Dr. Marco Wrenger, Leitender Arzt der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie. Foto: pr/Burghof-Klinik
Die Erweiterung der Burghof-Klinik wird noch in diesem Jahr erfolgen. Wann genau, kann die Ärztliche Leitung noch nicht sagen. Zusätzlich zur psychiatrischen Institutsambulanz im Erdgeschoss des Medizinischen Zentrums sowie „Haus 3“ (r. im Bild) wird
Dr. Detlef Dietrich, Ärztlicher Direktor sowie Leitender Arzt der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie. Foto: pr/Burghof-Klinik
Prof. Dr. Petra Garlipp, Ärztliche Direktorin und Leitende Ärztin in der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie. Foto: pr/Burghof-Klinik
Dr. Marco Wrenger, Leitender Arzt der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie. Foto: pr/Burghof-Klinik

Der Ausbau zur psychiatrischen beziehungsweise psychosomatischen Vollversorger-Klinik erfolgt seit mittlerweile 13 Jahren.

Im Jahr 2005 begann der Aufbau der Institutsambulanz, 2007 wurde zusätzlich die Tagesklinik in Rinteln errichtet. Im Jahr 2008 erhielt die Burghof-Klinik den Zuschlag für den sogenannten Vollversorgungsauftrag, sprich die Versorgung akuter Fälle in einem bestimmten Umkreis. Dies war übrigens auch das erste Mal, dass Dietrich von der Burghofklinik hörte – er war damals noch an der Medizinischen Hochschule Hannover tätig. Nach Rinteln wechselte er im Jahr 2014.

Im Jahr 2008 wurde das Haus 3 in der Parkanlage des damaligen Kreiskrankenhauses eröffnet, mit geschützten und einer offenen Station mit 45 Betten sowie integrierter Tagesklinik. Zwischen den Jahren 2011 und 2013 wurde die psychosomatische Abteilung um 34 Betten erweitert. 2014 kam die Tagesklinik mit Institutsambulanz in Stadthagen mit 18 Plätzen hinzu. Das sogenannte Haus 1 in der Ritterstraße 19 – das seit rund hundert Jahren für die Behandlung psychisch Kranker genutzt wird – beherbergt derzeit 76 Betten, das Haus 2 („Berghaus“) bei Aerzen 32 Betten, die Tagesklinik im Blumenwall 32 Plätze.

„Es ist eine große Besonderheit, dass sich bei uns Psychosomatik und Psychiatrie unter einem Dach befinden“, erläutert Dietrich. Aus der Historie heraus entwickelten sich die beiden Zweige in Deutschland weitgehend getrennt voneinander.

In der Burghof-Klinik geht man in der Therapie jedoch nicht davon aus, dass eine Trennung im Sinne der Patienten ist. Oft sei es ein „fließender Übergang“ zwischen beiden Bereichen, erzählt Dr. Marco Wrenger, Leitender Arzt der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie.

In der Psychosomatik kommen die Patienten aus der ganzen Bundesrepublik nach Rinteln, so Wrenger. 69 vollstationäre Betten stehen für die Akutbehandlung bereit. Es ist eine der größten Abteilungen dieser Art in Niedersachsen, erläutert Wrenger.

Die Behandlung im psychosomatischen sowie im psychiatrischen Bereich wird aus unterschiedlichen Modulen zusammengestellt je nach Bedarf, aber auch je nach Wunsch des Patienten. Neben den medizinischen Therapieeinheiten gibt es beispielsweise auch Yoga oder Walking, ebenso wie Gartengruppen oder tiergestützte Therapie. Für die Therapie von Depression sei beispielsweise Bewegung für die Patienten essenziell, so Garlipp.

In der Burghof-Klinik gibt es grundsätzlich „große Überschneidungen“ zwischen den Bereichen Psychosomatik und Psychiatrie, erläutert Dietrich. Bei jedem Patienten werde hingesehen: Welches Angebot passt individuell? „Wir haben eine große Bandbreite an Versorgungsmöglichkeiten“, so Dietrich.

Damit reagiert die Klinik auch auf aktuelle Entwicklungen: Die Vielfalt der psychischen Erkrankungen hat sich mit den Jahren verändert, erläutert Garlipp. Posttraumatische Belastungsstörungen etwa seien heutzutage bekannter als noch vor 15 Jahren und würden dementsprechend schneller diagnostiziert. Viele potenziell traumatische Ereignisse wurden früher tabuisiert, etwa sexuelle Übergriffe oder Misshandlung im Kindesalter.

Auch prägt die Zeit neue Krankheitsbilder, sagt Garlipp, und nennt als Beispiele Internetabhängigkeit und Glücksspiel. „Das sind neuere gesellschaftliche Phänomene.“ Bulimie sei beispielsweise seit den 80er-Jahren bekannt.

Durch Aufklärungsprogramme und mediale Berichterstattung sei die Hemmschwelle gesenkt worden, über traumatisierende Ereignisse oder psychische Erkrankungen zu sprechen. „Die Öffentlichkeitsarbeit zeigt Wirkung“, sagt Dietrich. Dies habe auch den Effekt, dass sich Betroffene schneller zu Wort meldeten. Auch Netzwerkarbeit wie durch das „Bündnis gegen Depression“, das es auch in Schaumburg gibt, oder die Kooperation mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterstützen diesen Aufklärungsprozess.

Inzwischen würden durch die Sensibilisierung der Betroffenen und deren Angehörigen psychische Erkrankungen auch von Hausärzten schneller erkannt, so Wrenger. Die enge Vernetzung der Klinik mit Hausärzten helfe auch, nach der Diagnosestellung zeitnah je nach Dringlichkeit zu behandeln. Durch frühes Erkennen ließen sich jahrelange, ja teilweise jahrzehntelange Krankheitsverläufe vermeiden, so Garlipp – und deren Folgekosten ebenso.

NEU AUFGESTELLT

Prof. Dr. Detlef Dietrich ist im Jahr 2014 als Ärztlicher Direktor an die Burghof-Klinik gewechselt. Hinzu kam im Sommer 2015 Dr. Marco Wrenger für den Bereich Psychosomatik. Im November 2016 verstärkte außerdem Prof. Dr. Petra Garlipp die Ärztliche Direktion. Damit ist die ärztliche Leitung der Klinik neu aufgestellt. Die Geschäftsführung der Klinik besteht weiterhin aus Dr. Axel Weibezahl, Dr. Dagmar Rudolph-Weibezahl, Verwaltungsleiter Georg Schmidt sowie Dr. Bernd Kuglin. mld

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