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SZ/LZ-Leser verwundert über Bürgerbüro

Bushaltestelle mit Hakenkreuzen beschmiert – keine Priorität?

RINTELN. Unübersehbar prangten zwei große Hakenkreuze an der Bushaltestelle in Westendorf. Seit drei bis vier Wochen fährt SZ/LZ-Leser Patrick Milch täglich zweimal an der Haltestelle vorbei und wundert sich: Wieso werden diese rechtsextremen Schmierereien nicht entfernt?

veröffentlicht am 05.03.2018 um 18:10 Uhr
aktualisiert am 05.03.2018 um 19:00 Uhr

Hakenkreuze an der Bushaltestelle in Westendorf. Foto: jak
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Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Am Wochenende meldete sich Milch daher telefonisch beim Bürgerbüro der Stadtverwaltung. Die Antwort erstaunte ihn allerdings. „Man war freundlich, aber erklärte mir, die vielen umgestürzten und im Umsturz begriffenen Bäume hätten momentan nun einmal Priorität.“

Ja, von den Unwetterschäden gehe eine Gefahr für jeden Bürger aus – aber die „hoheitliche Duldung von Nazisymbolik gefährde die humanistische Kultur“, so Milch. Er wendete sich daher an die Redaktion der SZ/LZ. „Kein gutes Aushängeschild für das schöne Rinteln, unfreundlich gegenüber den Geflüchteten, die manchmal in der Bushaltestelle warten.“ Dabei würde die Entfernung der Hakenkreuze doch nur wenig Zeit kosten. „und sollte im Kern der Broken-Windows-Theorie etwas stimmig sein, so wird schleichend dem Wiederauferstehen des Nationalsozialismus zumindest doch der Verrohung im Umgang mit Minderheiten Vorschub geleistet“, so der Leser. Die „Broken-Windows-Theorie“ formuliert einen direkten Zusammenhang zwischen Verwüstungen im Stadtbild und der Kriminalität.

Auf Anfrage der SZ/LZ erklärt Stadtjurist Joachim Steinbeck, dass die Entfernung von rechtsextremen Schmierereien der Stadt natürlich ein großes Anliegen sei. Dass man bisher noch nicht zur Tat geschritten sei hänge dagegen nicht, wie im Bürgerbüro angegeben, an den Sturmschäden, sondern am anhaltenden Frost der letzten Tage.

Die Stadt beschäftigt ein Zweiergespann aus Maler und Maurer, die für die Entfernung derartiger Schmierereien zuständig seien. Allerdings ist das verwendete Lösungsmittel bei frostigen Temperaturen nicht einsetzbar. Am gestrigen Tag sei das Duo zwar schon anderweitig eingesetzt, man werde die Hakenkreuze aber zeitnah entfernen, sichert Steinbeck zu. Auch im Bürgerbüro will er dafür noch einmal sensibilisieren. Die Hakenkreuze sind auch der Polizei bereits bekannt.

Steinbeck appelliert, weiterhin alle Schmierereien, insbesondere jene mit politischem Hintergrund, sofort bei der Stadt zu melden. Diese nehme sich der Sachbeschädigung dann auch an und stelle Strafanzeige.

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