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Mehr als ein Heimwerker-Liebling

Caddyfreunde: Der Alleskönner und seine Fans

OBERNKIRCHEN. Als im polnischen Poznan im Jahr 2011 der millionste Caddy aus polnischer Produktion vom Band lief, wurde die Produktion angehalten, es gab eine Show, denn ein Grund zum Feiern war es für über 6000 Gäste allemal. Mitten drin und nicht nur dabei: die Caddyfreunde aus Deutschland, sie waren eingeladen.

veröffentlicht am 12.10.2017 um 14:02 Uhr

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Das dürfen die Mitglieder des „Vereins für alle Freunde des Volkswagen Caddy“ durchaus als Kompliment verstehen. 60 Mitglieder, die sich auf 20 Familien verteilen, das sind die Caddyfreunde, erklärt Vorsitzender Kai Zielke beim Treffen im Jugendzentrum der Bergstadt und skizziert kurz den Hintergrund: Das Unternehmen VW in Poznan besteht seit über 20 Jahren, seit 2003 wird hier der Caddy für die weltweiten Märkte gebaut.

Einen Caddy fahren die Clubmitglieder, weil es vor allem sehr, sehr praktisch ist: Man macht die Schiebetür oder die Heckklappe auf, und dann hat man vor allem dies: viel, viel Platz. Da passt sogar der Kinderwagen rein, sagt Zielke, und natürlich ist das Auto generell „ein prima Transportmittel“.

Vor allem für die Familie, das größte Model kommt als Siebensitzer daher, drei Kindersitze auf der Rückbank sind überhaupt kein Problem, alle anderen Autos bieten hier nur einen Notsitz in der Mitte an. Der VW Caddy ist nicht nur der Liebling der Heimwerker, er kann so ziemlich alles sein vom reinen Nutzfahrzeug bis zur Outdoor-Familienkutsche.

Entstanden ist der Caddy-Club, wie sich andere Gemeinschaften in diesen Tagen auch bilden: Über das Internet, und dann dauert es gar nicht mehr lang, bis sich die Caddyfreunde trafen, „wir waren zufällig alle zur gleichen Zeit am gleichen Platz“, sagt Zielke, und muss selbst lachen bei diesem Blick zurück. Die Treffen wurden immer größer, und bald stellte sich die Frage: Welche Rechtsform geben wir dem Treffen? Zielke erzählt es so: Als Organisator stehe man schnell in der finanziellen Haftung, wenn auf einem Treffen etwas passiere, wenn irgendwas schief gehe. Daher habe man sich 2010 für die Vereinsform entschieden, man habe einen Verein gegründet, und nicht jeder alte Caddyfreund ist diesen Schritt mitgegangen, denn Verein, das klingt dem einen oder anderen doch ein bisschen spießig, aber Zielke und die Mehrheit sind geblieben, denn sie verfügen nun über etwas, was Sicherheit verleiht: Es nennt sich Vereinshaftungsversicherung.

Bernd und Stefanie Kirsch aus Obernkirchen sind seit 2010 aktive Mitglieder im Verein: Denn wenn der Caddy familienfreundlich ist, dann ist es der Verein natürlich auch: Treffen ohne Angebote für die Ehefrauen und Partner sowie die Kinder sind kaum vorstellbar, es sollen ja auch alle mitziehen und sich auf das nächste Treffen freuen.

Gefachsimpelt wird dabei, klar, und auch ein bisschen geschraubt und verbessert, später wird Zielke mit seinen Mitgliedern auf dem Juz-Parkplatz eine kleine Leuchte in der Fahrertür vorführen: Rotes Licht warnt beim Aufmachen den nachfolgenden Verkehr, ein weißer Balken lässt unten am Boden sehen, wohin der Fahrer gleich seinen Fuß setzen wird. Die Leuchte ist in neueren Modellen nicht mehr zu finden, erst gab es noch ein Reflektor, dann wurde sie ersatzlos gestrichen, aber für einen echten Caddyfreund gehört sie einfach dazu, also wird nachgerüstet. Mit einem einfachen Einbau ist es nicht getan, mit Steuerung und Laptop muss alles aufeinander abgestimmt werden.

Ein Tuning-Club sind sie nicht, erzählen Zielke und Steffen Bartsch als 2. Vorsitzender, ihnen geht es nicht darum, noch die letzten PS aus dem Auto herauszukitzeln, das ist nicht Sinn und Zweck ihrer Treffen. Lieber erzählen sie von einem Clubmitglied, der einen halben Caddy zum Wohnwagen umbaute, den man einfach anhängen kann, mit Licht und, klar, viel Platz.

Die Mitglieder kommen aus Salzbergen, Bremen, Berlin, Braunschweig, aus dem Ruhr- oder Rhein-Main-Gebiet, und wenn Zielke gefragt wird, warum das Basteltreffen in Obernkirchen stattgefunden hat, zum zweiten Mal übrigens, dann verweist er auf den geografischen Hintergrund: Obernkirchen liegt zentral. Daher wird eines der nächsten Treffen erneut im Weserbergland stattfinden, Pfingsten 2018 ist das Treffen auf dem Campingplatz am Rintelner Doktorsee fest eingeplant.

Und wenn in Poznan wieder ein Feiergrund anfällt, dann werden sich Zielke und Freunde auf den Weg machen, auch wenn eine Anfahrt von 1000 Kilometern eine echte Hausnummer ist. Aber so ist das halt, wenn man als Teil der Werksfamilie betrachtet wird und sich selbst auch so sieht. Kommt also eine neue Einladung, dann heißt es wieder: Go East.

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