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Villa an der Steinberger Kreuzung

Café, Pflegeheim, Baustellenbüro – und dann?

STEINBERGEN. Die historische Achenbachsche Villa auf dem Steinberger Pass beherbergt seit dem Umbaubeginn an der Kreuzung das örtliche Baustellenbüro. Unsere Zeitung hat bei Eigentümerin Heike Wessel einmal nachgefragt, was danach kommen soll.

veröffentlicht am 17.07.2017 um 18:27 Uhr

Markus Brockmann, Leiter des Landesstraßenbauamts, Geschäftsbereich Hameln (re.), nimmt Einblick in die Baupläne. Foto: jan

Autor:

Jan Oldehus und Hans Weimann
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STEINBERGEN. Wer sich durch das Baustellen-„Gebirge“ aus Altlasten, Grobschlag und frischem Mineralgemisch auf der Steinberger Kreuzung gekämpft hat und die steilen Steinstufen zur „Villa“ erklimmt, wie Oevermann-Polier Andreas Taubert den gelb gestrichenen einstigen Prachtbau an der Ecke Arensburger Straße/B 83 kurz und prägnant nennt, der ahnt schon, was ihn drinnen erwartet. Vom einstigen Charme der markanten Immobilie ist nicht viel übrig geblieben. 1917 hatte der Konditor Krömer die Achenbachsche Villa gekauft und sie zum Café mit Pensionsbetrieb umgebaut. Galt das Haus am Eingang zum Arensburger Park insbesondere in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts noch als elegante Ausflugsadresse für Kurgäste aus dem nahen Bad Eilsen, so wurde es Jahrzehnte später Bestandteil des Pflege- und Betreuungszentrums Steinbergen und steht heute leer. Fast leer. Im Erdgeschoss zumindest gibt es wieder Leben und Treiben. Männer in Baukluft haben sich hier häuslich eingerichtet. Die „Villa“ beherbergt während des Umbaus des Steinberger Kreuzes das Baustellenbüro. „Wohnen möchte man hier nicht“, sagt Peter Blana von der Bauaufsicht des Landesstraßenbauamts, der sich hier eine Dienststube mit seinem Kollegen Frank Petzold teilt. Nebenan hat die örtliche Bauleitung der Firma Oevermann ihr Hauptquartier aufgeschlagen. Mittwochsmittags trifft sich die Runde der leitenden Mitarbeiter und federführenden Ingenieure am großen Tisch in der holzvertäfelten Diele: Baustellenbesprechung. An kühlen Tagen bietet der zugemauerte Kamin wenigstens optisch einen Hauch von „Gemütlichkeit“. Die Zentralheizung ist hinüber, Wärme strömt aus mitgebrachten Radiatoren. „Als wir einzogen“, erzählt Frank Petzold am Rande eines Meetings, „mussten wir feststellen, dass praktisch alles abgebaut oder herausgerissen war, was nicht niet- und nagelfest war. Lichtschalter, Steckdosen, Heizkörper, Altmetall. Waschbecken waren zerdeppert, Wasserhähne abgebaut.“ Die Wasserleitungen mussten provisorisch neu verlegt werden.

Heike Wessel, Inhaberin der Aventura in Hameln, die das ehemalige Pflegeheim Pro Senia ersteigert hatte, ist glücklich über die Nutzung durch die Baufirma. Der Vandalismus habe aufgehört, seit in dem Haus die Büros sind.

Wessel ist optimistisch, dass sich in absehbarer Zeit eine Nachnutzung für das ehemalige Pflegeheim findet. Sie habe inzwischen zwei seriöse Interessenten mit einem tragfähigen Konzept für diese Immobilie. Einen Unternehmer aus Berlin, der hier eine professionell geführte Senioren-WG einrichten möchte. Das Modell: Senioren und Pflegebedürftige mieten Zimmer, das Haus stellt die notwendige Infrastruktur einschließlich der Pflegekräfte. Ein Modell, das in Berlin bereits erfolgreich umgesetzt worden sei.

Unterm Dach der Villa haben offenbar Vandalen gehaust. Foto: jan
  • Unterm Dach der Villa haben offenbar Vandalen gehaust. Foto: jan
Durch die Fenster haben Bauleitung und Bauaufsicht die Arbeiten stets im Blick. Foto: jan
  • Durch die Fenster haben Bauleitung und Bauaufsicht die Arbeiten stets im Blick. Foto: jan

Der zweite Interessent möchte hier ein Motel einrichten. Auch das sei ein realistisches Konzept, sagt Heike Wessel. Es gebe den Bedarf, die Autobahnauffahrt sei praktisch vor der Tür. Die Zimmer ließen sich mit einem überschaubaren Investitionsaufwand entsprechend herrichten. Möglich seien hier auch Appartements, denn die Zimmer haben Wasseranschlüsse. Auch ein Frühstückscafé könnte in der Villa eingerichtet werden.

Ein Motel wäre gewissermaßen eine Anknüpfung an die Tradition. Denn hier stand einst „Wolbrechts Hotel“ mit großem Garten, das auch Station von Pferdekutschen und Postbus war. Ein Hotel, auf dessen Terrasse Steinberger Bürger und die Gäste des damaligen „Luftkurortes“ in lauen Sommernächten getanzt haben.

Ein mögliches drittes Modell, sagt Wessel, seien verschiedene Nutzungen auf dem 7338 Quadratmeter großen Areal mit mehreren Häusern, 104 Zimmer auf drei Etagen, dazu diversen Funktionsräumen. Dass es für diesen Standort mehrere Optionen gebe, hätten ihr auch Anfragen gezeigt: „Wir hatten viele Besichtigungen.“ Nicht machbar sei leider die Idee einer Tankstelle gewesen. Dafür hätte man auch Flächen des angrenzenden Waldes gebraucht – nicht genehmigungsfähig.

Dann habe ein Investor hier türkische Hochzeitssäle einrichten wollen, nur „wo sollten die über hundert Gäste parken?“ Wichtig sei ihr ein tragbares Geschäftskonzept, damit das Haus nicht in ein paar Jahren wieder leer steht: „Ich will keinen Stress und wir haben einen langen Atem.“

Und Heike Wessel verweist noch auf eine Verwechslung. Sie erhalte viele Anrufe, die die Arensburg betreffen, weil das Schloss ebenfalls von einer Aventura, der Aventura Capital Partners in Hannover ersteigert worden ist. Die Namensgleichheit, betonte Wessel sei Zufall. Ihre Aventura in Hameln habe nichts mit der Aventura in Hannover zu tun.

Bei der Arensburg herrscht bisher Funkstille. Bei der Aventura in Hannover gibt es derzeit anscheinend niemand, der über den aktuellen Stand einer möglichen Nachnutzung des Schlosses informiert ist.

Auch beim dritten ortsbildprägenden wie historischen Gebäude in Steinbergen tut sich offensichtlich nichts: der „Grafensteinerhöh.“

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