weather-image
24°
Heftige Diskussion um Erhalt des Krankenhauses Rinteln / CDU: Spezialisierungen besser verteilen

"Chefarztposten absichtlich lange unbesetzt?"

Rinteln (crs). Die Wunden sitzen tief. Nach dem Aus für die Geburtshilfe zum Ende des vergangenen Jahres sorgen sich die Rintelner mehr denn je um den Bestand ihres Kreiskrankenhauses. Diese Ängste macht die CDU zum Wahlkampfthema: Kreistagsabgeordnete Dagmar König will Rinteln bei der Einrichtung von Spezialabteilungen künftig stärker berücksichtigt sehen, Bürgermeisterkandidat Dr. Marc Lemmermann und Landratskandidat Klaus-Dieter Drewes fordern ein gemeinsames Konzept für alle drei Krankenhaus-Standorte im Landkreis.

veröffentlicht am 11.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Der Erhalt des Rintelner Krankenhauses war das beherrschende Thema bei der Podiumsdiskussion der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Schaumburger CDU am Mittwochabend im Hotel Stadt Kassel. Diskussionsleiter Franz-Josef Stöckl hatte die Debatte mit dem Verweis auf eine aktuelle Studie angeheizt: "Bis zum Jahr 2015 wird nur noch die Hälfte aller kommunalen Krankenhäuser Bestand haben." Vor diesem Hintergrund sah Bürgermeisterkandidat Lemmermann durch die Schließung der Geburtshilfe-Abteilung ein "Sterben auf Raten" eingeleitet, damit fehle dem Krankenhaus-Standort Rinteln ein "lebenswichtiges Organ". Provokant fragte Lemmermann in Richtung Landkreis: "Wird jetzt beim nächsten Defizit die nächste Abteilung geschlossen?" Landratskandidat Drewes sprach sich ebenso wie Lemmermann für ein umfassendes Gesamtkonzept für Schaumburg aus: "Wir kommen nicht nach vorne, wenn wir nicht alle drei Standorte in ein Boot bringen", schloss er ausdrücklich das Bückeburger Krankenhaus Bethel mit ein. Dabei will er auf externe Kompetenz zurückgreifen: "Wir brauchen Beratung von außen." Schwere Vorwürfe erhob CDU-Kreistagsmitglied Dagmar König gegen den Landkreis als Krankenhausträger. "Die Chefarztstelle in Rinteln ist erst mit reichlich Verzögerung neu besetzt worden - lag da Absicht dahinter?", stellte König als Frage in den Raum. Eindringlich appellierte sie an den Landkreis, im Interesse des Krankenhaus-Standortes Rinteln Stellen künftig sofort neu zu besetzen. An Drewes als Landratskandidaten richtete König zwei Bitten: "Sorgen Sie dafür, dass der Krankenhaus-Ausschuss in Zukunft öffentlich tagt" - in der Vergangenheit hätten Kreistagsmitglieder noch nicht einmal die Protokolle zu sehen bekommen, sie selber habe daher lange nichts Genaues über die Situation des Rintelner Krankenhauses gewusst. Und: "Spezialisierungen sollten künftig gleichmäßig verteilt werden", deutete König ein Ungleichgewicht innerhalb der beiden Kreiskrankenhäuser zugunsten Stadthagens an. In dieselbe Kerbe schlug Dr. Dietmar Nolting. "Alleinüber die fachliche Kompetenz können wir den Krankenhausstandort Rinteln stärken", forderte er. Außerdem unterstellte der CDU-Stadtratskandidat dem Landkreis Fehler bei der Auswahl des früheren Chefarztes, der nach nur zweieinhalb Jahren wieder gegangen war, "sicher mit einer satten Abfindung".Die Ärzteschaft hätte bei der Auswahl stärker mit eingebunden werden müssen, meinte Nolting: "Solche Fehler sind vermeidbar."

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare