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Zwischen alten Wegen

„Das alte Rintlen, davon man viel Schwätzens machet ...“

RINTELN. Urkunden von vor 1230, wenn sie „Rinteln“ erwähnen, meinen nicht die heutige Stadt. Denn einmal hat es eine Siedlung am nördlichen Weserufer gegeben, die man „Alt-Rinteln“ nannte, und deren Spuren weit zurück in die Vorgeschichte Rintelns – und an die „Alte Todenmanner Straße“ – führen.

veröffentlicht am 08.02.2018 um 16:35 Uhr
aktualisiert am 08.02.2018 um 18:30 Uhr

Auf einer Karte von 1936 ist eingezeichnet, wo gegraben wurde. Repro: Archiv
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Autor

Ortrud Büthe Redaktionsassistentin
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„Oldenrinteln“ wird zuerst 1153 als „Rinctelen“ erwähnt. (C.W. Wippermann „Regesta Schaumburgensia“). Andere Namen waren Renthelen, Ryntheln. Dem „Stadt Rinteln Lexikon“ von Ullrich Künkel zufolge wurde um 1230 unter Graf Adolf IV. ein Nonnenkloster der Benediktinerinnen in Bischoperode (einem später wüsten Ort bei Stadthagen) nach Rinteln verlegt. 1235 folgte die erstmalige urkundliche Erwähnung des Konvents. Um 1238 begann der Bau der Jakobi- und der Nikolaikirche. Um 1250, also nachdem es gerade zwei Jahrzehnte in Alt-Rinteln bestanden hatte, zog das Jakobskloster in die neue Stadt um. Die heutige Jakobikirche war Teil dieser Anlage.

Alt-Rinteln fiel wüst, wie bei so vielen anderen im Mittelalter verlassenen Siedlungen vermutet man auch in diesem Fall die Pest als Ursache.

Die Lage der ehemaligen mittelalterlichen Kirche und des Friedhofs am nördlichen Weserufer waren Mitte des 17. Jahrhunderts noch bekannt, 1641 war die Ruine der Kirche noch sichtbar. Grabungen in den 30er-Jahren brachten Gewissheit über deren Standort.

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Der Architekt Erich Grigull zeichnete 1936 eine genaue Karte, in der die Grabungspunkte erfasst sind. Anhand von Mauerfunden im Boden konnte der Standort der alten Kapelle genau bestimmt werden. Das Gebiet erstreckt sich im Bereich der Glashütte ungefähr bis zum heutigen Baumarkt. Dass es sich über Kapelle und Friedhof hinaus um eine Siedlung handelte, belegten Funde in Form von Messern, Gefäßresten und Ziegelteilen. Noch zur Zeit dieser Untersuchungen gabelte sich die Dankerser Straße an dieser Stelle mit der „Alten Todenmanner Straße“, deren Abschnitt dort erst später umbenannt wurde in die heutige Stoevesandtstraße. Die Alte Todenmanner Straße galt seit jeher als Weg, der von Rinteln über Kleinenbremen nach Bückeburg führte, die heutige Mindener Straße entstand erst viel später.

Über den Namen des alten Rinteln, das zwischen so ursprünglichen Wegen lag, herrschte übrigens nicht immer vollkommene Einigkeit, in der „Topographia Germaniae“ ((1589–1661) lästerte Martin Zeiller: „... weiln das alte Rintlen / davon man viel Schwätzens machet / schon vor längst desoliert gewesen. (...) Der Ort / so das alte Rintlen genannt wird / nicht Rintlen / sondern Bleckenstede geheissen / wie man davon gute Nachrichtung hat“.

Der hessische Schriftsteller Johann Just Winkelmann verwendet den Namen Alt-Rinteln 1697 ganz selbstverständlich: „… Als nun diese Einwohner in Neu-Rinteln gute Nahrung, Freyheiten und Aufnehmen gehabt / haben die Einwohner in Alt-Rinteln gleichfals in diese Statt sich begeben / und ihre Wohnungen aufgeschlagen ...“

Zudem hat es damals eine Brücke über die Weser gegeben, die beide Orte verbunden hat. Heinrich Althans dazu in „Mitteilungen des Heimatbundes Schaumburg, 1972: „... Da trotz der ganz erheblichen Bau- und Unterhaltungskosten einer durch Hochwasser und Eisgang bedrohten Strombrücke schon im Jahre 1223 die Rintelner Brücke über die Weser führte, kann daraus nur geschlossen werden, daß Alt- und Neu-Rinteln für die damalige Zeit schon verhältnismäßig bedeutende Siedlungen waren.“

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