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Ausschuss entscheidet / Dorfgemeinschaft will mit eingebunden werden

Deckbergen: Kindergarten an zwei Standorten?

DECKBERGEN/SCHAUMBURG. Drei Ausschüsse haben am Donnerstagabend über die Zukunft des Kindergartens Deckbergen entschieden. Die Mehrheit war sich einig: Aufteilung auf zwei Standorte, und das Dorfgemeinschaftshaus Schaumburg soll mit einbezogen werden. Die Dorfgemeinschaft hingegen fühlt sich „überfahren“.

veröffentlicht am 10.11.2017 um 13:25 Uhr
aktualisiert am 10.11.2017 um 15:30 Uhr

Das Dorfgemeinschaftshaus in Schaumburg könnte von der Sanierung des Kindergartens Deckbergen profitieren. Die Dorfgemeinschaft befürchtet allerdings, in den Planungen zu kurz zu kommen. Foto: mld
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite

DECKBERGEN/SCHAUMBURG. In die Pläne für die Erweiterung des Kindergartens Deckbergen soll auch das Dorfgemeinschaftshaus Schaumburg eingebunden werden. Dafür haben sich am Donnerstagabend der Ortsrat, Sozialausschuss und Bauausschuss gemeinsam ausgesprochen.

Mit großer Mehrheit votierten die drei Gremien dafür, einen Teil des Dorfgemeinschaftshauses (DGH) dauerhaft zur Kindertagesstätte für zwei Gruppen umzubauen. Die beiden Gruppen aus dem St. Petri Kindergarten sollen nach Schaumburg umziehen, sodass wiederum der Kindergarten saniert werden kann.

Dies kann erst ab dem Jahr 2020 passieren. Hintergrund: Bei den Sanierungen des Kindergartens 2008 und 2009 waren die Maßnahmen der Stadt durch das staatliche Programm der Dorferneuerung gefördert worden. Daraus ergab sich eine Bindungspflicht bis 2020.

Dünne Wände, lose Deckenplatten: Die Mitglieder betrachten den Teil des DGHs, der Kindergarten werden könnte. Foto: mld
  • Dünne Wände, lose Deckenplatten: Die Mitglieder betrachten den Teil des DGHs, der Kindergarten werden könnte. Foto: mld

Stefan Eggert-Edeler vom Bauamt erklärte die Vorzüge des Standorts Dorfgemeinschaftshaus als Kita: Das DGH liege abgeschieden genug von Straßenverkehr, ein Teil des jetzigen Parkplatzes ließe sich zum Spielplatz umwandeln, außerdem sei der Wald in der Nähe, und durch die nahe Wiese gebe es auch ausreichend Außenanlagen.

Auch der Träger des Kindergartens Deckbergen, die ev.-luth. St. Petri Gemeinde, sowie der Kindertagesstättenverband Grafschaft Schaumburg stünden der Miteinbeziehung des DGH positiv gegenüber.

Die Kosten für diese sogenannte „Variante 1“ – zur Auswahl standen den Ausschüssen vier Varianten (wir berichteten) – beträgt knapp über eine Million Euro.

Im Dorfgemeinschafthaus wäre viel zu tun, wie die Begehung zeigte: Dachplatten hängen von der Decke, die Wände sind dünn. „Im Innenraum wird nicht viel stehenbleiben“, so Eggert-Edeler. Die Fensterrahmen seien marode, das Dach müsse ersetzt werden, und Dach, Decken und Boden müssten wärmetechnisch aufgerüstet werden.

Dass dringend etwas im Kindergarten passieren muss, verdeutlichten Eggert-Edeler sowie Leiterin Nicole Götze ebenfalls vor Ort: Die Außentür lässt sich nur komplett oder gar nicht verriegeln, direkt neben dem Windfang werden Kleinkinder gewickelt, Wände sind teils feucht und nicht gedämmt, die obere Etage befindet sich unter Dachschrägen. Zusammengefasst: alles zu alt, alles zu klein.

Die Ratsherren Kay Steding, selber Bauunternehmer, und Heinz-Jürgen Requardt (beide CDU), wollten die Sachlage so nicht stehen lassen: Es reiche, eine Glaswand im Windfang einzuziehen, so Requardt, und Hauptsache sei doch sowieso, dass man gute Erzieher habe, da seien „die Räume egal“. Steding stellte dem Gebäude einen „top Zustand“ aus.

Derzeit gibt es zwei Gruppen im Kindergarten mit insgesamt 38 Kindern zwischen zwei und sechs Jahren. Ziel ist, zwei Gruppen für je 23 Kinder einzurichten sowie eine zusätzliche Krippengruppe. Wegen des gesetzlichen Anspruchs auf Krippenplätze „müssen wir erweitern“, erläuterte Mareen Fennert vom Familienzentrum.

Mehrere Ausschussmitglieder fragten, ob es denn überhaupt sinnvoll sei, zwei Kita-Standorte zu eröffnen, wenn man anderswo Standorte zentralisiere; etwa bei der Grundschule Deckbergen. „Wie zukunftssicher ist diese Lösung?“, fragte etwa Kay Steding. Nun werde man sich mit der Kirche zusammensetzen und erläutern, was das sinnvollste Vorgehen sei, so Hans-Georg Dlugosch, Leiter des Amtes für Bildung.

Eine große Frage war auch: Wie profitiert die Dorfgemeinschaft? Das DGH wird noch regelmäßig genutzt, von der Jugendfeuerwehr, dem Ortsrat, dem Heimatverein oder Tanzgruppen. Ein Teil des Gebäudes steht aber schon seit Jahren leer.

„Seit über zehn Jahren machen wir uns Gedanken“, so Rainer Speisekorn von der Dorfgemeinschaft gegenüber dem Ausschuss. Doch nun, da es um den Kindergarten gehe, „geht plötzlich alles sehr schnell“ in Sachen DGH. „Wir fühlen uns ein bisschen überfahren.“ Die Dorfgemeinschaft solle bei weiteren Planungen mit eingebunden werden.

Darüber hinaus hat die Dorfgemeinschaft konkrete Bedenken: Wenn im östlichen Teil des Gebäudes (der am Anfang des Parkplatzes liegt) die Kita entstehen solle, wie sollten Leute oder auch Zulieferer dann zu den weiter hinten gelegenen Räumen der Dorfgemeinschaft kommen?

Bürgermeister Thomas Primer sicherte „uneingeschränkte Zusammenarbeit“ zu. Aber er machte auch klar: Großen Spielraum gebe es nicht. Beim Bau einer Kita müssen schließlich gesetzliche Regelungen eingehalten werden, etwa bei sanitären Anlagen.

Im Mittelpunkt solle doch stehen, so Priemer, dass der gesamte Standort aufgewertet werde. An anderer Stelle gab er außerdem zu Bedenken, dass es für die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses wohl keine EU-Fördermittel mehr geben könne, wenn das Gebäude nicht doppelt genutzt werde.

Mein Standpunkt
ri-marie-1410
Von Marieluise Denecke

Drei Ausschüsse, ein heikles Thema, eine Millioneninvestition: Wer hätte gedacht, dass so schnell eine Entscheidung getroffen wird. Geht doch! Dass sich einige Ratsherren allerdings lautstark darüber wundern, was denn überhaupt das Problem des Kindergartens sei, ist ein starkes Stück. Gut, dass die restliche Diskussion sachlicher verlief. Nun muss noch die Dorfgemeinschaft so eingebunden werden, dass am Ende alle zufrieden sind.

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