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Claus Schatzl erinnert sich

Der Adventszauber von damals bis heute

RINTELN. Als der Adventszauber gerade erst begann, es noch Kutschfahrten gab und Hans Eichler an seiner Bude „Heißen Hund“ servierte: Der Adventszauber steckt voller nostalgischer Erinnerungen. Claus Schatzl hat sie der SZ/LZ gezeigt und erzählt.

veröffentlicht am 28.12.2017 um 16:12 Uhr
aktualisiert am 28.12.2017 um 23:00 Uhr

Ein Bild aus den Anfängen vor über 25 Jahren. Ilse Bode (rechts) ist eine Rintelner Schausteller-Legende und hat auch den Adventszauber mitgeprägt. Ihre Tochter Manuela Klaasen (links) ist bis heute dabei. Repro: who
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Autor

Werner Hoppe Reporter
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RINTELN. Der Rintelner Weihnachtsmarkt heißt Adventszauber, und in seiner heutigen Form existiert er erst seit 1991. Er hat nicht immer über das eigentliche Weihnachtsfest hinaus angedauert. Das sind die meisten Eckdaten, die den Rintelnern wohl präsent sein dürften, gäbe es da nicht Claus Schatzl, der die Entwicklung des „neuzeitlichen“ Weihnachtsmarktes von Anfang an miterlebt und mitgestaltet hat.

Mit seinem Angebot an thüringischer Glaskunst und anderen weihnachtlichen Deko-Artikeln in seiner Hütte ist Schatzl eine wahre Institution des Adventszaubers und weiß von mancher Anekdote aus dessen Entwicklungsjahren zu erzählen, dessen Saison am Freitag, 29. Dezember, endet.

Gemütliche und anekdotenreiche Jahre waren die 1990-er, und dass er sich gerne an diese Zeit erinnert, bekennt Schatzl. Dagegen lässt er auch ein wenig Wehmut erkennen, wenn er bedauert: „Ich bin der Einzige, der mit Bodes durchgehalten hat; die anderen sind ja schon alle weg.“ Dazu muss erklärt werden: Die Bodes, das ist die Rintelner Schausteller-Familie, die selbstverständlich mit an Bord war, als damals der Weihnachtsmarkt unter der Regie des Stadtmarketingvereins Pro Rinteln vom Kirchplatz nach vorne auf den Marktplatz umsiedelte.

Mit der Kutsche über den Adventszauber, für 1,50 D-Mark pro Karte: An Schatzls Bude wurde nicht nur Glas verkauft. Repro: who
  • Mit der Kutsche über den Adventszauber, für 1,50 D-Mark pro Karte: An Schatzls Bude wurde nicht nur Glas verkauft. Repro: who
Adventszauber-Veteran der ersten Stunde: Claus Schatzl mit seinem großen Angebot an thüringischer Glaskunst. Foto: who
  • Adventszauber-Veteran der ersten Stunde: Claus Schatzl mit seinem großen Angebot an thüringischer Glaskunst. Foto: who
Würstchenbuden wurden im wöchentlichen Wechsel von den Rintelner Altstadtfleischereien betrieben. Die gab es damals noch, aber heute ist nur noch die Fleischerei Rauch übrig geblieben. Auf dem Foto von Anfang der 1990-er Jahre ist Veit Rauch zu sehen
  • Würstchenbuden wurden im wöchentlichen Wechsel von den Rintelner Altstadtfleischereien betrieben. Die gab es damals noch, aber heute ist nur noch die Fleischerei Rauch übrig geblieben. Auf dem Foto von Anfang der 1990-er Jahre ist Veit Rauch zu sehen (links). Am Stand von Bernd und Ilse Rosendahl gönnt sich der junge Fleischer eine Aufwärmpause. Repro: who
Pro Runde und Person 1,50 D-Mark: Die Fahrten in der Pferdekutsche gehörten anfangs dazu zum Adventszauber. Repro: who
  • Pro Runde und Person 1,50 D-Mark: Die Fahrten in der Pferdekutsche gehörten anfangs dazu zum Adventszauber. Repro: who
Ausgiebige Verkostung am Morgen war ein Muss: Der „Heiße Hund“ von Hans Eichler hat den Stoff für Anekdoten geliefert. Repro: who
  • Ausgiebige Verkostung am Morgen war ein Muss: Der „Heiße Hund“ von Hans Eichler hat den Stoff für Anekdoten geliefert. Repro: who
Mit der Kutsche über den Adventszauber, für 1,50 D-Mark pro Karte: An Schatzls Bude wurde nicht nur Glas verkauft. Repro: who
Adventszauber-Veteran der ersten Stunde: Claus Schatzl mit seinem großen Angebot an thüringischer Glaskunst. Foto: who
Würstchenbuden wurden im wöchentlichen Wechsel von den Rintelner Altstadtfleischereien betrieben. Die gab es damals noch, aber heute ist nur noch die Fleischerei Rauch übrig geblieben. Auf dem Foto von Anfang der 1990-er Jahre ist Veit Rauch zu sehen
Pro Runde und Person 1,50 D-Mark: Die Fahrten in der Pferdekutsche gehörten anfangs dazu zum Adventszauber. Repro: who
Ausgiebige Verkostung am Morgen war ein Muss: Der „Heiße Hund“ von Hans Eichler hat den Stoff für Anekdoten geliefert. Repro: who

Die Bodes sind es, die mit ihren Imbiss- und Süßwaren-Ständen bis heute die Frühjahrs- zur Herbstmesse gehören sowie zu zahlreichen anderen Events der Weserstadt.

Ein Rintelner Weihnachtsmarkt ohne die Glühweinpyramide von Marlon Klasen, dessen Großeltern Fritz und Else Bode eine legendäre Schausteller-Persönlichkeit gewesen sind, wäre schon gar nicht mehr vorstellbar.

Else Bode war mit ihrem Süßwaren- und Glühweinstand beim Adventszauber ganz vorne mit dabei, kommt Claus Schatzl zur „Weihnachtsmarkt-Neuzeit“. Denn ihre Bude vorne an der Ecke Markt/Weser- und Klosterstraße war einer der ersten des Adventszaubers.

„Es ging los mit circa zehn Buden – bunt durcheinander – teils eigene, teils Stadt, “ erzählt Schatzl. Rintelner Persönlichkeiten wie Bernd und Ilse Rosendahl – unter anderem mit Kaffee- und Kakao- sowie Glühwein-Variationen – seien ebenso unter den „Pionieren“ gewesen.

Dazu der frühere Wirt der Gaststätte „Zur Schildkröte“, Hans Eichler aus der Brennerstraße. Mit der Person Hans Eichlers verbinden sich für Schatzl und andere Insider spezielle Erinnerungen. Denn an der Ausschank-Hütte des früheren Wirts der Altstadt-Gaststätte gab es den „Heißen Hund“. Das Spezialgetränk aus Orangensaft, Gewürzen und anderen geheimen Ingredienzien hatte es in sich, erinnert sich Schatzl – weil „jeden Morgen ausgiebige Geschmacksproben eingenommen und beurteilt werden mussten, bevor der Heiße Hund ausgeschenkt werden durfte.“ Diese Proben hätten ihre Zeit gebraucht, „sodass Hans Eichler seine Bude auf dem Weihnachtsmarkt manchmal erst mit Verspätung aufmachen konnte…“

Viel hat sich seitdem auch rein äußerlich betrachtet verändert. So habe anfangs ein Kinderkarussell dort gestanden „wo heute der Weihnachtsbaum steht“, erzählt Schatzl. Der Weihnachtsbaum habe zunächst vor dem alten Rathaus, dem heutigen Bürgerhaus, gestanden.

Er selber ist bis heute mit seinem Angebot von Glaskunst aus dem Thüringer Wald seiner Linie treu geblieben. Das Sortiment ist ständig gewachsen, und Schatzl bringt von seinen Einkaufsausflügen ins Kernland der deutschen Glaskunst immer wieder neue Weihnachts-Deko-Ideen mit.

Dazu hat Schatzl immer wieder mit seinen kreativen Beiträgen zu Belebung des Adventszaubers beigetragen. Eine davon war in den ersten Jahren die Glasbläserin Ulla Schwan aus Neuhaus/Thüringen. Mit ihr hatte er zugleich eine echte Fachfrau engagiert, der die Rintelner live bei der Arbeit zuschauen konnten.

Darüber hinaus war die Musik-Beschallung via Kassettenrekorder eine seiner Spezialitäten. „Der stand auch in meiner Hütte, und er hat Weihnachtslieder am laufenden Band gepielt. Wenn das Band abgelaufen war, habe ich es umgedreht und es ging wieder von vorne los, sodass die Leute schon mal fragten: ‚Wie oft willst Du ‚We wish You a merry Christmas‘ denn noch laufen lassen?‘“

Auch Kutschfahrten – vom Markt durch die Enge Straße über die Mühlenstraße und Brennerstraße wieder zurück zum Markt – gehörten in den ersten Jahren dazu, erzählt Schatzl. Bei einem Preis von 1,50 D-Mark pro Person war die Pferdekutsche meist voll besetzt. Der Kartenverkauf lief ebenfalls über Claus Schatzls „Multifunktions-Bude“.

Was er am Rintelner Weihnachtsmarkt schätzt? „Ich habe zum Beispiel viele alte Kunden, die immer wieder mal bei mir reinschauen, und oft sehe ich hier Leute, die man sonst das ganze Jahr nicht trifft.“

Nostalgische Bilder vom Adventszauber aus den 90er Jahren gibt es in der Online-Version dieses Artikels auf www.szlz.de zu sehen.

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