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Für den Vikar der Jakobi-Kirche war die Zeit in Rinteln eine ungewöhnliche Erfahrung

Der außerfriesische Vikar

RINTELN. Zwei Jahre Rinteln – was lernt ein junger Vikar in dieser Zeit? Wir haben mit Sebastian Schrap gesprochen, der diese Zeit an der Jakobi-Kirche verbrachte. Was für ihn ein Abenteuer war und was er in seiner neuen alten Heimat Ostfriesland vermissen wird:

veröffentlicht am 29.10.2017 um 13:31 Uhr
aktualisiert am 29.10.2017 um 17:30 Uhr

Vikar Sebastian Schrap geht nach zwei Jahren Rinteln mit Lebensgefährtin Alissa Kramer wieder zurück nach Ostfriesland. Foto: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. „Ich werde den Klippenturm vermissen“, sagt Sebastian Schrap. Der junge Theologe und angehende Pastor war zwei Jahre lang Vikar an der Jakobi-Kirche und gab in dieser Zeit auch Religionsunterricht an der Grundschule Nord. Er kam aus dem Flachland der Grafschaft Bentheim ins Weserbergland und zieht nun ins ebenso flache Ostfriesland weiter, um dort seine Ausbildung abzuschließen. Einen hoch gelegenen Klippenturm wird es da natürlich nicht geben.

Dafür wird er sehr viel mehr „Reformierte“ vorfinden, als es in Rinteln der Fall ist. Die Grafschaft Bentheim und Ostfriesland sind Hochburgen der reformierten Kirche, also derjenigen evangelischen Christen, die sich in Glaubensdingen mehr auf die Lehren von Ulrich Zwingli und Johannes Calvin beziehen als auf Martin Luther. In seiner Heimatstadt Schüttorf, die viel kleiner ist als Rinteln, ragt der Kirchturm der reformierten Kirche als „Schüttorfer Riese“ 80 Meter in die Höhe. In Rinteln musste Schrap sich daran gewöhnen, dass die meisten Bürger gar nicht wissen, was „evangelisch-reformiert“ genau heißt.

Wenn er nun nach Hinte bei Aurich in Ostfriesland umzieht, werden seine Arbeitstage allein schon deshalb anders aussehen als in der Rintelner Zeit, weil er dann unmittelbar umgeben ist von seinen Gemeindemitgliedern. Hinte besitzt nur 7000 Einwohner, und die gehören in großer Mehrzahl zur reformierten Kirche. Um die Mitglieder der Jakobi-Gemeinde zu besuchen, musste Sebastian Schrap im ganzen Landkreis herumfahren, bis hin nach Bad Nenndorf. Jede anstehende Pfarrkonferenz bedeutete immer auch eine kleine Reise, nach Hannover oder nach Hildesheim.

Ob er aber in Ostfriesland auf so ungewöhnliche und lebhafte Persönlichkeiten treffen wird wie Pastor Heiko Buitkamp, der nie einem Scherz oder wie Theologin Karin Gerhardt, die nie einer Diskussion aus dem Weg geht? Die Ostfriesen sind ja bekannt dafür, dass sie jemanden schon für einen Schwätzer halten, wenn er mehr als zweimal „Jo“ sagt. Und Sebastian Schrap selbst erschien der Rintelner Gemeinde zunächst auch als geradezu schüchtern zurückhaltend. „Ja, das war ich irgendwie auch“, meint er dazu. „Aber ich habe mich schon einigermaßen angepasst.“

An seiner Seite ist immerhin seine Lebensgefährtin Alissa Kramer. Die stammt aus Süddeutschland und hat ein entsprechendes Temperament mitgebracht. Kennengelernt haben sich die beiden in Münster, sie Jurastudentin, er Theologiestudent an einer der größten evangelischen-theologischen Fakultäten mit bedeutsamem reformiertem Seminar.

Dass sie sich begegneten, ist fast ein Wunder. Die ersten Studienjahre war Sebastian Schrap von morgens acht Uhr an fast nur mit intensivem Sprachenlernen beschäftigt, neben Griechisch und Hebräisch ging es für ihn auch noch um das Latinum.

Zur spannendsten Erfahrung während des Vikariats zählt er die Konfirmandenfreizeit in der Partnerstadt Kendal – „der Höhepunkt, ein echtes Abenteuer“. Die Gruppe war diesmal nicht wie sonst immer nach England geflogen, sondern mit Bullis, Pkws und der Fähre unterwegs, um dann in einem Hostel zu übernachten und sogar einen englischsprachigen Gottesdienst zu gestalten. Was den Vikar besonders beeindruckt hatte: Als einer der Bullis auf dem Rückweg in Rotterdam einen Schaden hatte, rief Pastor Buitkamp kurzerhand ostfriesische Kollegen zur Hilfe. So etwas hätte der junge Vikar allein niemals gewagt.

Der Klippenturm gehört nun zu Sebastian Schraps Vergangenheit. Aber ganz ohne Turm muss er auch in der Gemeinde Hinte nicht auskommen. In der Nähe steht nämlich der gelb-rot gestreifte Leuchtturm von Pilsum, bekannt aus dem Film „Otto – der Außerfriesische“. Um zum Leuchtturm zu kommen, wandert man freilich über flaches Land.

Aber dann kann man immerhin an die zwölf Meter hochsteigen.

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