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Exten ohne Poststelle?

Der Tresen für die Postangelegenheiten ist verschwunden

EXTEN. Exten ohne Poststelle? Das geht eigentlich gar nicht, sind sich Willi Mohrmann und Manfred Röhmeier vom Heimatverein einig. „Exten ist schon seit Jahrhunderten mit dem Postwesen verbunden, lag immer schon an einer wichtigen Postkutschenstrecke und hatte seit 1885 eine eigene Postanstalt“, weiß Röhmeier.

veröffentlicht am 31.10.2017 um 17:12 Uhr
aktualisiert am 01.11.2017 um 11:30 Uhr

Wo einst der Tresen der letzten Poststelle Extens stand, findet man heute ein Lebensmittelregal. Foto: cm
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Claudia Masthoff Reporterin
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EXTEN. „Genau, und vor der Gebietsreform 1974 gab es für eine Weile sogar ein richtiges Postamt im Dorf“, bekräftigt sein Vereinskollege. „Die Verantwortung für die Post blieb damals oft in der Familie. Sie war an den Eigentümer des Postgebäudes geknüpft“, berichtet Röhmeier im Gespräch mit unserer Zeitung. So hätten zum Beispiel die Wilhelm Stocks in drei Generationen das Gesicht der Extener Post geprägt.

Den ersten Knacks in der Beziehung zwischen Post und Exten habe es 1999 gegeben. Da wurde die Dienststelle aus dem ursprünglichen Gebäude ausgelagert und fand Zuflucht im damaligen Lebensmittelladen Maack. „Als jedoch beschieden wurde, dass der Postbankservice – der machte die Sache einigermaßen lukrativ – eingestellt werden sollte, kündigte Ladeninhaberin Viola Werner ihren Vertrag. Mit Willi Mohrmann und seinem kleinen Hofladen fand sich 2007 dann doch noch mal ein Retter für diesen wichtigen Teil dörflicher Infrastruktur, und alle waren froh, dass auch Mohrmanns Nachfolgerin, Olga Walther, 2015 nicht nur den Laden, sondern auch die Postannahmestelle mit übernahm.

Doch jetzt scheint endgültig Schluss zu sein mit dem Kapitel „Exten und die Post“. Der Hofladen wird voraussichtlich Ende November seine Türen schließen. Der Tresen für die Postangelegenheiten ist schon seit einigen Monaten verschwunden. „Als Poststellenbetreiber ist man verpflichtet, von Montag bis Samstag für mindestens zwei Stunden geöffnet zu haben“, erklärt Olga Walther. Das habe sie nach dem Weggang einer Angestellten einfach nicht mehr leisten können. „Und meine Suche nach einem neuen Mitarbeiter hat auch nicht gefruchtet“, fährt sie fort. Vor allem eine Bedingung hätte viele Bewerber abgeschreckt: „Man trägt als Subunternehmer die Verantwortung für Fehler selbst und muss diese aus eigener Kasse ausgleichen.“ Sie habe doch ziemlich gestaunt, wie wenig Mut Arbeitssuchende zeigen würden. Sie selbst würde Herausforderungen lieben und ihr hätte die Arbeit in der Poststelle immer viel Spaß gemacht.

Olga Walther, bisher letzte „Postlerin“ in Exten ist ein bisschen traurig, dass sie den Laden aufgeben muss. „Mir hat die Arbeit hier immer viel Spaß gemacht.“ Foto: cm
  • Olga Walther, bisher letzte „Postlerin“ in Exten ist ein bisschen traurig, dass sie den Laden aufgeben muss. „Mir hat die Arbeit hier immer viel Spaß gemacht.“ Foto: cm

Auch Willi Mohrmann, der die Abläufe ja aus eigener Erfahrung kennt, versichert, das Führen einer Dorfpoststelle sei nicht so schwer. „Man erfährt, was man wissen muss, auf einem Wochenendlehrgang und fuchst sich dann ein.“ Ganz hat Mohrmann und mit ihm die gesamte Dorfgemeinschaft die Hoffnung auf den Erhalt eines Ortes, an dem man Päckchen aufgeben und Briefmarken kaufen kann, noch nicht aufgegeben. „Ich würde mich sehr freuen, wenn jemand unseren Laden weiterführen und dabei auch die Poststelle wieder aufleben lassen würde“, meint der Bio-Bauer. Er sei dabei für alle möglichen Geschäftskonzepte offen.

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