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Standort wird am 1. April geschlossen

Die Fränkischen sind Geschichte

BÜCKEBURG. Demonstrationen auf dem Marktplatz oder aber das Aufstellen von Holzkreuzen waren vergeblich. Die Fränkischen Rohrwerke werden zum 1. April geschlossen. 35 Arbeitsplätze gehen verloren. Für die Belegschaft wurde ein Sozialplan ausgehandelt. Es wird eine Transfergesellschaft gegründet.

veröffentlicht am 09.02.2017 um 16:28 Uhr
aktualisiert am 09.02.2017 um 18:40 Uhr

Mit 35 gelben Holzkreuzen, für jeden Arbeitsplatz eins, hatten die Mitarbeiter der Fränkischen gegen den drohenden Verlust ihrer Arbeitsplätze demonstriert – vergeblich, am 1. April wird der Betrieb geschlossen. Foto: Archiv/rc
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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„Das Beste, was wir herausholen konnten“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Ralf Meier, der am Donnerstagmorgen den Sozialplan unterschrieben hatte, und die 1. Bevollmächtigte der IG-Metall Nienburg-Schaumburg gegenüber unserer Zeitung. Die Standortschließung sei beschlossene Sache gewesen. Insgesamt habe man ein „gutes Ergebnis“ für die Mitarbeiter erzielen können, auch wenn der Erhalt der Arbeitsplätze natürlich bei den Verhandlungen immer das Ziel gewesen ist. Am Donnerstagmittag wurde die Belegschaft informiert. „Eine emotionale und bedrückende Stimmung, es sind einige Tränen geflossen“, so Ralf Meier. Der Großteil hat 20 Jahre und länger für die Fränkischen gearbeitet.

Nach Angaben des Betriebsrats umfasst der Sozialplan gut drei Millionen Euro oder drei Jahreseinsparungen. „Vom Volumen nicht schlecht.“ Die maximale Abfindungshöhe beträgt nach Angaben der Fränkischen 130 000 Euro pro Beschäftigten, die sich aus den Faktoren Bruttomonatsentgelt, Dauer der Betriebszugehörigkeit und Alter des Beschäftigten errechnet. Vereinbart wurden zudem soziale Zuschläge für Schwerbehinderte und für Beschäftigte mit unterhaltspflichtigen Kindern. Mitarbeiter über 60 Jahre erhalten einen vollständigen Ausgleich der wirtschaftlichen Nachteile bis zum abschlagsfreien Renteneintritt.

Arbeitgeber und Betriebsrat haben sich außerdem darauf geeinigt, den Beschäftigten ab dem 1. April die Möglichkeit zu geben, für maximal zwölf Monate in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Aegidius Schuster, Geschäftsführer der Fränkischen: „Unser Ziel ist es, dass alle Beschäftigten möglichst ohne Zeiten von Arbeitslosigkeit in eine Anschlussbeschäftigung wechseln können.“ Die Transfergesellschaft soll die berufliche Neuorientierung erleichtern, bei der Suche nach geeigneten Stellen auf dem Arbeitsmarkt unterstützen und die Einkommenssituation bis zu einem gewissen Grad sichern.

Deshalb stockt die Fränkische den Bezug der Transferleistung auf 80 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens auf. Beschäftigte, die in die Transfergesellschaft wechseln, haben ebenso Anspruch auf die Sozialplanabfindung. Außerdem stellt das Unternehmen 50 000 Euro zur Finanzierung von Qualifizierungsmaßnahmen bereit. Auch ein Verbleib bei den Fränkischen an den Standorten Königsberg oder Schwarzheide ist möglich. Während einer dreimonatigen Testphase haben Mitarbeiter dann die Möglichkeit, sich noch anders zu entscheiden, also nachträglich in die Transfergesellschaft zu wechseln und/oder die Sozialplanabfindung zu wählen.

Die Fränkischen Rohrwerke hatten im September des vergangenen Jahres angekündigt, den Standort Bückeburg aus Rentabilitätsgründen zu schließen und Produktion der Drainrohre und die Logistik an den Stammsitz Königsberg und die zweite Produktionsstätte Schwarzheide in Brandenburg zu verlegen.

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