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Familie Maatz lässt Puppen tanzen

Die große Welt der kleinen Bühne

BÜCKEBURG. Seit vielen Jahren ist die Puppenspielerfamilie Maatz immer mal wieder zu Gast in Bückeburg und verzaubert stets aufs Neue ihre kleinen und großen Zuschauer. Die Landes-Zeitung hat die Künstler kurz vor ihrer Aufführung im Bückeburger Ratskeller besucht.

veröffentlicht am 07.02.2017 um 16:41 Uhr
aktualisiert am 07.02.2017 um 18:20 Uhr

Henry Maatz mit „Rabe Socke“.
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Autor

Anja Hillmann Reporterin
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Vor einem kleinen Tisch mit Süßkram unterhalten sich zwei junge Männer. Henry Maatz und Sascha Schmitz treffen noch die letzten Vorbereitungen, bevor die ersten Zuschauer eintreffen. Beide stehen bereits seit Kindesbeinen auf – oder vielleicht besser: hinter – der Bühne.

In Konstanz am Bodensee durfte Henry Maatz als 14-Jähriger zum ersten Mal dem Kasper seine Stimme leihen. „Ich bin mit dem Puppenspiel aufgewachsen. Die Figuren haben mich schon immer begeistert. Sie waren meine Freunde von klein auf. Es hört sich vielleicht komisch an, aber die Puppen gehörten mit zur Familie.“ Man sieht dem 36-Jährigen an, dass das Puppenspiel seine ganze Leidenschaft ist.

Mit dem Tourneetheater seiner Eltern reisten er und seine Geschwister von Stadt zu Stadt. Ihr Zuhause war der Wohnwagen, ihr Leben die Bühne. In der Freizeit erkundete man die Umgebung oder half Bühnenbilder und Puppen zu gestalten. Sie lernten das Puppenspiel bis ins kleinste Detail, wurden Könner der Improvisation. Die Schulen hingegen haben er und seine Geschwister unzählige Male gewechselt. Freundschaften entstanden nur selten.

Sascha Schmitz der Hasenpuppe „Löffel“. Fotos: Hillmann
  • Sascha Schmitz der Hasenpuppe „Löffel“. Fotos: Hillmann

Heute weiß Henry Maatz, wie wichtig eine gute Schulbildung ist. „Wir sind Puppenspieler in der sechsten Generation. Ich selber werde mich für kein Geld der Welt von meinen Puppen trennen oder etwas anderes sein als ein Puppenspieler. Aber ob das für meine Kinder noch gilt, kann ich nicht sagen“, so der Vater einer fünfköpfigen Familie. Nicht zuletzt deswegen, ist die Familie „sesshaft“ geworden und führt nun bereits seit vielen Jahren in Hille ein relativ normales Leben. Henry Maatz reist mit seinen Puppen und der Bühne umher, aber in einem überschaubaren Umkreis von rund 250 Kilometern, sodass er abends wieder zu Hause ist. Seine Frau Anita stammt aus einer Zirkusfamilie und hat daher viel Verständnis für den Beruf ihres Mannes.

Manche Puppen der Familie Maatz sind über 100 Jahre alt und von unbezahlbarem Wert. Aber Puppenspieler müssen auch mit der Zeit gehen und die modernen Helden der Kinderzimmer auf die Bühne bringen. So hat die Familie mit viel Herzblut und Sachverstand „Rabe Socke“ und seine Freunde angefertigt. Mit ihnen touren sie derzeit durch die Lande. Es wird immer schwieriger, die computerbegeisterten Kinder aus ihren Zimmern zu locken. Umso wichtiger ist es den langjährigen Freunden Henry Maatz und Sascha Schmitz, ihre kleinen und großen Zuschauer zu fesseln, zu begeistern und in die Welt der Puppen zu entführen.

Noch ist es still im kleinen Saal des Ratskellers. Eine bunte Bühne, der Vorhang geschlossen, die Stühle leer. Aber nur noch wenige Minuten und die ersten Kinder werden eintreffen. Dann heißt es: „Vorhang auf für Rabe Socke!“

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