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Schule wird ausgebaut: Die 19-jährige Lisa Kremling aus Bückeburg leitet ein Hilfsprojekt in Ghanas Hauptstadt Accra

„Die Menschen hier sind mit viel weniger zufrieden“

Bückeburg (jyj). Einer Schule im Westen Afrikas neue Klassenräume verschaffen – das ist das Ziel der 19-jährigen Bückeburgerin Lisa Kremling, die sich aus diesem Grund seit Anfang Juli in Ghana aufhält.

veröffentlicht am 19.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 05:21 Uhr

Ghanas Schulkinder haben Lisa Kremling in ihr Herz geschlossen &

Bevor Lisa diesen Weg antreten konnte, musste sie jedoch etliche Vorbereitungen treffen. Vom Beantragen eines Visums bis hin zu Gelbfieber- und Hepatitisimpfungen sowie einer Malariaprophylaxe hatte sie vieles zu erledigen, bis sie für die soziale Hilfsorganisation namens „Praktikawelten“ nach Afrika reisen konnte.

„Meine ersten Eindrücke waren zwiespältig“, erzählt die 19-Jährige bei einem Telefongespräch. Zwar sei sie mit gewissen Vorstellungen dort ankommen, doch die Armut und der Schmutz in Accra, der Hauptstadt von Ghana, habe sie überwältigt. „Die Stadt ist dreckig und stinkt, überall sieht man Müll und freilaufende Tiere, die Menschen dort besitzen kein Umweltbewusstsein“, ist die Bückeburgerin erschreckt. Die Lebensbedingungen der Einheimischen seien oftmals sehr schlimm, viele lebten in Containern oder einfachen Hütten am Straßenrand.

„Dennoch fühle ich mich behütet und wohl hier“, sagt Lisa. Die Menschen seien trotz ihrer Armut unerwartet freundlich, ungezwungen, offen und hilfsbereit. „Da wird man selbst offener!“, schwärmt Lisa. „Es ist einfach ein Unterschied zu der verschlosseneren Mentalität von uns Deutschen.“ Lisa hat oft Kontakt zu den Einheimischen, sitzt abends mit ihnen am Strand der Hauptstadt. Die Einheimischen seien sehr interessiert an Europäern. Jedoch „beschränken sich die Gespräche meist auf Oberflächliches, weil die Menschen vor allem damit beschäftigt sind zu überleben“, vermutet sie.

Die Sicherheitslage stellt kein Problem dar. „Kriminalität ist hier ebenso verpönt wie bei uns in Deutschland, nur ist sie wegen der Armut hier für viele der letzte Ausweg. Wenn doch mal etwas passiert, sind gleich viele Leute da, die helfen – hier schaut keiner weg! Die Menschen halten zusammen.“

Die meiste Aufmerksamkeit widmet sie der „His Grace Academy“, einer Schule in Accra, die Kinder von vier bis 15 Jahren aufnimmt. Hier unterrichtet sie selbst. Doch die Umstände haben sie dazu veranlasst, auch der Schule zu helfen. Die kleinsten Kinder werden unter einer wackeligen Holzkonstruktion mit einem undichten Dach unterrichtet. In der Regenzeit bedeutet dies, dass die Kinder, die schon nass zur Schule kommen, den gesamten Tag auch noch in nassen Klassenräumen sitzen müssen. Darin ist wegen dieser Umstände das Schreiben oder Malen nicht möglich. Diese „Räume“ sind nur durch etwa einen Meter hohe Pappen getrennt. Entsprechend hoch ist der Lärmpegel, der das Lernen und Lehren nahezu unmöglich macht.

Also führte die Bückeburgerin zusammen mit einer anderen Deutschen, Carolin Lehnen, Gespräche mit einem Architekten und rief vier Wochen nach ihrer Ankunft in Ghana per E-Mail Freunde und Bekannte zu Spenden auf. Mit Erfolg: Seit etwa einer Woche sind Bauarbeiten in vollem Gang. Die alte Konstruktion wurde abgerissen – und ein neuer Raum aufgebaut. „Dies passiert – anders als bei der üblichen Einstellung der Einheimischen zur Arbeit – sehr schnell und mit viel Freude.“ Die Kinder seien glücklich, würden die Bauarbeiten gespannt verfolgen und sich auf die neuen Räume freuen, erzählt die Bückeburgerin. „Und das alles ist nur dank des Engagements und der Spenden vieler Bückeburger, Freunde und Bekannter möglich gewesen, deren uneigennütziger Einsatz wirklich bedeutend ist!“, betont Lisa Kremling.

„Man kann das Land mit seiner Mentalität und seinem Denken nicht ändern, aber man kann ein paar Menschen mit der Arbeit hier sehr glücklich machen – und das ist es, was mich bewogen hat, hier her zu kommen“, ist Lisas Erfahrung.

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