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Wer kannte Sophie Hölscher?

Die Suche nach der mysteriösen Spenderin

RINTELN. Kornelia Budde war früher Kämmerin der Stadt und hat in den letzten Monaten wahre Detektivarbeit geleistet. Sie suchte Informationen über die 2006 verstorbene Rintelnerin Sophie Hölscher. Sie hatte der Stadt knapp 170.000 Euro vererbt - und damit den Anstoß für die „Stiftung für Rinteln“ gegeben.

veröffentlicht am 14.09.2017 um 18:55 Uhr
aktualisiert am 15.09.2017 um 15:58 Uhr

Sophie Hölscher, wohl in den 40ern. Foto: Stiftung für Rinteln
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite

RINTELN. Das, was Kornelia Budde in den letzten Monaten geleistet hat, kann man gut und gerne als Detektivarbeit bezeichnen. Sie suchte Informationen zu einer Frau, einer Rintelnerin, Sophie Hölscher. Diese Frau hat nichts weniger geleistet als den Startschuss für die „Stiftung für Rinteln“ zu geben, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert, was am kommenden Mittwoch mit einem Stiftungsempfang gefeiert wird.

Hölscher, am 6. Juni 1909 geboren, verstarb am 20. Juli 2006. Sie hinterließ der Stadt 169 000 Euro in dem Vertrauen, dass das Geld gut eingesetzt werden würde. Sie erlebte nicht mehr, wie es Grundstein der Stiftung wurde.

Kornelia Budde war zu dieser Zeit Kämmerin und verwaltete das Geld. Karl-Heinz Buchholz war noch Bürgermeister und regte an, das Geld nicht in den städtischen Haushalt zu überführen, sondern es als Stiftungskapital zu nutzen. So würde das Geld erhalten bleiben, und von den Zinsen konnten wohltätige Zwecke unterstützt werden. So bleibt das großzügige Erbe als „ehrendes Andenken“ bewahrt, sagt Budde. Nach ihrer Pensionierung engagiert sie sich heute ehrenamtlich in der Stiftung – und hat so seit nun zehn Jahren mit Sophie Hölscher und dem Erbe zu tun.

Für das Jubiläum der Stiftung wollte sie Informationen über Hölscher zusammentragen. Das Problem: Ein großer Teil der Dokumente, die Budde im Jahre 2006 gesichert hatte, waren beschädigt.

Budde als Verwalterin des Geldes durfte einen Teil von Hölschers Nachlass aus ihrer Wohnung in der Ost-Contrescarpe vorübergehend zu sich nehmen; Dokumente und Fotos wurden im Keller des Rathauses gelagert. Und blieben dort. Und fielen so, unbemerkt, einem Wasserschaden durch eine defekte Heizung zum Opfer. „Als wir das bemerkten, war es schon zu spät“, erzählt Budde heute. Und so war ein Teil der Informationen über die großzügige Spenderin unbrauchbar geworden.

Für Budde begann damit eine monatelange Suche: Wer wusste etwas über die Rintelnerin? Einige Unterlagen konnte Dr. Stefan Meyer noch aus den Untiefen des Eulenburg-Archivs bergen. Es war bekannt, dass Hölscher Kirchenmitglied war – also wurde in der Gemeinde nachgefragt. Genauso wie bei anderen Personen der Stadt, die vielleicht etwas wissen könnten.

Die vielversprechendste Spur: Der Bruder Sophies, Alfons Hölscher, arbeitete beim Straßenverkehrsamt des Landkreises, als die Amtsleitung noch in Rinteln ansässig war. In Pension ging er im Jahr 1991. Budde schaffte es, ehemalige Arbeitskollegen zu finden.

Heraus kam das Bild einer Frau, die zurückgezogen und bescheiden lebte, und die stets eng mit Rinteln verbunden war. Sophie Hölscher war die Jüngste von zehn Kindern, von denen zwei im Kindesalter verstarben sowie ein Sohn im Ersten Weltkrieg fiel und heute in der Türkei begraben liegt. Über den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge fand Budde später sein Grab. Die Eltern waren Karl – geborener Todenmanner – und Sophie Hölscher, geborene Stolz und Rintelnerin.

Sophie Hölscher arbeitete als Buchhalterin und Sekretärin und lebte lange mit ihrem Bruder Alfons in der Wohnung in der Ost-Contrescarpe.

„Je mehr ich über sie weiß, desto mehr bewundere ich diese Frau“, sagt Kornelia Budde. Sie habe bescheiden gelebt und ihr Geld vererbt in der Überzeugung, Gutes damit zu tun. „Toll, dass es solche Menschen gibt!“

Buddes Suche ist jedoch noch nicht beendet: Sie hofft, weitere Menschen zu finden, die Informationen über Sophie Hölscher oder ihre Familie haben. Aus der Nachkriegszeit gebe es nur wenige Informationen und keinerlei Fotos. Wer Informationen hat, kann sich an Kornelia Budde unter (0 57 51) 403-303 wenden.

Feierstunde: Zu Ehren von Sophie Hölscher wird der Vorstand der Stiftung Rinteln am kommenden Mittwoch, 20. September, um 10 Uhr eine feierliche Kranzniederlegung durchführen. Die kleine Feierstunde ist für jeden Interessierten offen. Das Familiengrab der Hölschers befindet sich nahe der Trauerhalle.

Informationen über die Stiftung unter www.rinteln.de/stiftung-fuer-rinteln.

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