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Das Kulturzentrum hat sich verändert, weil die Welt sich verändert hat

Die Sumpfblume: 30 Jahre und kein bisschen leise

„Wir haben uns verändert, weil sich die Welt da draußen verändert hat.“ – Ein Satz wie in Stein gemeißelt. Gesagt hat ihn Dirk Wuschko, seit zehn Jahren Geschäftsführer der Sumpfblume, die Anfang der neunziger Jahre vom ehemaligen, leicht verruchten Domizil am Güterbahnhof in eine ehemalige Halle an der Weser umgezogen ist. Für viele Sumpfe-Gänger war das eine zähneknirschende Zäsur.

veröffentlicht am 29.08.2009 um 06:39 Uhr

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Es ist ja so. Die linke Szene, die die Sumpfblume gerne als ihr ,Pflänzchen’ gesehen hat, gibt es heute nicht mehr. Das waren andere Zeiten“, sagt Wuschko. Solche Besucher, die in den Anfangsjahren Stammgast im Hamelner Kulturzentrum waren, würden „immer mal wieder“ von den guten alten Zeiten sprechen „und sich über manche Veränderung ärgern, und sei es nur die Modernisierung des Thekenbereiches“, sagt Dirk Wuschko. Die Anfangsjahre, die bestimmt spannend und ohne Zweifel von einem starken Gemeinschaftsgeist beseelt und getragen worden waren, zu glorifizieren, sei völlig okay, würde der Entwicklung eines modernen Kulturzentrums, das die Sumpfblume im 21. Jahrhundert nun ist, aber nicht helfen. „Wir müssen sehen, wie wir was finanzieren. Große Sprünge sind in der Kultur nicht drin, die Ansprüche sind aber gestiegen“, so Wuschko. Diese Gratwanderung hinzubekommen, sei nicht einfach – aber möglich.

Neuer Thekenbereich und viel mehr Platz

Man stelle sich vor, die Sumpfblume trüge heute noch das Kleid der Endsiebziger Jahre. Hätte sie Erfolg? Würden die Jugendlichen zu den Disco-, Kino-, Theater- und Konzertveranstaltungen kommen? „Sie würden es nicht tun“, sagt Dirk Wuschko. Deshalb trägt die Sumpfblume an ihrem Standort am Stockhof ein neues Kleid. Deshalb seien im Jahre 2003 Saal und Café von Grund auf modernisiert worden. Deshalb sei auch jetzt, zum 30-jährigen Bestehen, der Thekenbereich im Saal vollkommen erneuert worden. Deshalb, ja deshalb sei man damals, Anfang der neunziger Jahre, überhaupt umgezogen an diesen Platz an der Weser. Das jetzige Gebäude, biete viel mehr Platz. Bis zu 800 Zuschauer könnten ein Konzert hier im Saal miterleben. Das eröffnet ganz andere Möglichkeiten in der Veranstaltungsplanung. „Manfred Man’s Earthband, Roger Chapman & The Shortlist, Midge Ure, Paul Young (siehe Zeitleiste) hätten den Weg nach Hameln sonst vielleicht niemals angetreten.

Auffrischung für ein altes Schätzchen also. Ein modernes Café mit Weserterrasse. Ein Saal mit ausgeklügelter Lichttechnik. Ein Tresen, der fast schon das Wort Designer-Bar verdient. Mit dem Umzug Mitte der neunziger Jahre ist die Sumpfblume erwachsener geworden. Erwachsen zu sein ist gut für ein Kulturzentrum. Nur weise werden sollte es nicht.

Ausnahmezustand: Beim Konzert von Revolverheld tobte der Saal. Das Sumpfe-Team bemüht sich stets, mehrere solcher Highlights zu bieten – und hat Erfolg.

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