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Der Schöpfung den Frieden geben

Diskurs in der Pfarrscheune: Was Naturschutz im Christentum bedeutet

HOHENRODE. Am vergangenen Wochenende traf sich eine bunte Runde aus Naturschützern und Christen in der Pfarrscheune in Hohenrode, um sich über die Bewahrung der Schöpfung und die Bedeutung des Ökologischen im Christentum Gedanken zu machen. Eingeladen hatte der Pastor i. R. Klaus-Henning Dageförde. Er war Umweltbeauftragter des Kirchenkreises Ronnenberg und ist jetzt ehrenamtlicher Naturschützer im NABU Rinteln.

veröffentlicht am 05.02.2018 um 12:41 Uhr
aktualisiert am 05.02.2018 um 17:20 Uhr

Die Hohenroder Auenlandschaft. Foto: Kathy Büscher

Diese Doppelperspektive, einerseits Christ und andererseits Naturschützer zu sein, war bezeichnend für das Lektüreseminar, das sich zentral mit der bekannten alttestamentlichen Schöpfungsgeschichte aus dem ersten Kapitel der Bibel auseinandersetzte. Im Kern ging es neben einer textnahen Beschäftigung und Deutung um die Frage, welche Botschaft der über 2500 Jahre alte Text für die ökologische Krise heute bereithält.

„Interessant ist, dass die Schöpfungsperspektive einige Denkanstöße bereithält, die es wert sind, weiterverfolgt zu werden“, so Dageförde. Die Stimmigkeit und Ordnung, die in der Genesis im schöpferischen Wirken Gottes betont werde, verweise darauf, wie unabdingbar die Bewahrung dieser Schöpfung ist. Da Gott zunächst die Lebensräume geschaffen habe, beinhalte dies an sich bereits eine ökologische Perspektive. Die laut Genesis mehrfache Feststellung Gottes, „dass es gut war“, zeige die Vollkommenheit der Schöpfung insgesamt – ganz gleich, welchen Nutzen man den einzelnen Elementen der Schöpfung im Nachhinein zu- oder abspricht, sagte Dageförde. Der Mensch als Teil dieser Schöpfungsgeschichte dürfte sich demzufolge nicht anmaßen, diese infrage zu stellen. Vielmehr habe der Mensch die Aufgabe, so eine zentrale Aussage der Schöpfungsgeschichte, „nach dem Bilde Gottes“, und allein im Sinne des segensreichen Handelns Gottes, die verantwortungsvolle Aufgabe, diese Schöpfung zu bewahren.

In diesem Zusammenhang wies Dageförde auf ein eklatantes Missverständnis der Interpretation der Aufforderung hin: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer, die Vögel des Himmels, über das Vieh und alle Tiere, die auf der Erde sich regen!“ Nicht eine willkürliche oder gar gewalttätige Herrschaft sei damit gemeint, sondern vielmehr die Bewahrung der gleichermaßen von Gott gesegneten Schöpfung, welche namentlich die Tiere mit umfasst. Damit verbunden sei ein Schutzbefohlenenverhältnis, das auch heute noch Aufgabe der Kirchen sein sollte. Dageförde wies darauf hin, dass hierzu die Unterstützung von Maßnahmen des praktischen Naturschutzes wie beispielsweise die Bereitstellung von Brutplätzen für Schleiereule & Co. in Kirchtürmen wie auch die Verpachtung von Kirchenland nach ökologischen Kriterien gehört. Auch die unweit der Pfarrscheune gelegene Auenlandschaft Hohenrode gab dem Seminar Anlass dazu, über die Notwendigkeit eines ökologischen Bewusstseins für die Gesellschaft insgesamt nachzudenken.red

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