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Steinberger Schule und Montessori-Gründung

Diskussionen im Schulausschuss

RINTELN. Der Schulausschuss hat am Donnerstag über die Zukunft der Steinberger Schule diskutiert - mal wieder. Und hat für die Schließung gestimmt - mal wieder. Doch die Diskussion wird inzwischen erweitert, um die Themen Inklusion und Montessori-Pädagogik. Das führt zu einiger Verwirrung.

veröffentlicht am 27.10.2017 um 18:15 Uhr

SPD und Grüne stimmen, wie schon im Mai, für die Schließung der Schule Steinbergen. CDU/FDP sind sichtlich anderer Meinung. Foto: mld
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite

RINTELN. Die Nerven in der Diskussion um die Zukunft der Steinberger Grundschule sind angespannt. Das zeigte sich zuletzt im Schulausschuss, der am Donnerstag tagte. Die Diskussionen entflammten bereits bei TOP 1, den Anmerkungen zur Tagesordnung.

Warum der Antrag des Ortsrates Steinbergen nicht auf der Tagesordnung stehe?, fragte Matthias Wehrung (CDU). Der hatte einstimmig den Antrag beschlossen, dass die Stadt das Schulgebäude einem „eventuellen freien Träger“ für drei Jahre mietfrei überlassen solle. Antwort von Bürgermeister Thomas Priemer: „Der Antrag ist nicht beratungsfähig.“ Die Verwaltung habe die entsprechende rechtliche Auffassung bereits als Antwort übersandt.

Weitere Frage Wehrungs: Warum stehe auf der Tagesordnung überhaupt der TOP 5, die Auflösung des Schulstandortes zum Schuljahr 2017/18? „Da gibt es keine neue Sachlage.“ Replik Heiner Bartling (SPD): Die Rechtslage „und reale Situation seien so weit, „dass wir entscheiden können.“ Hintergrund: § 106 des Niedersächsischen Schulgesetzes. In den Worten von Bildungsamtsleiter Hans-Georg Dlugosch: „Wir sind verpflichtet, zu schließen, wenn eine Außenstelle überflüssig geworden ist.“ (Wir berichteten.)

Ob durch die Schließung möglicherweise einem privaten Schulträger der Start im Gebäude erschwert werde, fragte Christoph Ochs, Grüne. Antwort Dlugosch: „Das sind zwei separate Schuhe.“ Vorsichtiger Vorschlag von Ralf Kirstan (FDP): Vielleicht sei ein Kompromissantrag möglich? Die Schule solle in privater Trägerschaft geführt werden, doch die Stadt solle keinesfalls die Umbaukosten tragen. Stille Zustimmung hier seitens der Grünen.

Die Mehrheit von SPD und Grünen entschied schließlich, dass TOP 5, Steinbergen, auf der Tagesordnung bleibt.

Weiter ging die Diskussion zunächst bei TOP 4, dem Antrag der Grünen: „Die Verwaltung wird beauftragt, die Errichtung einer Montessori-Schule zu ermöglichen.“ Pädagogische Entscheidungen stehen dem Schulträger allerdings nicht zu – die Stadt hat beispielsweise für bauliche Voraussetzungen oder die Ausstattung zu sorgen.

Das war auch Ochs bewusst, der nun noch das Thema Inklusion ansprach. Als die Wellen hierzu hochschlugen, sei dem Bürgermeister applaudiert worden, weil er wegen verbesserter personeller Ausstattung beim Landkreis nachgehakt habe. Sein Aufgabenbereich wäre das nach Gesetzeslage nicht gewesen. „Nicht nur um den eigenen Beritt kümmern“, das „betrifft auch pädagogische Konzepte“, so Ochs. Daher müsse die Verwaltung Gespräche mit den Grundschulen suchen: Sie sollen „ermutigt und unterstützt“ werden, einen Zug auf Montessori umzustellen. So könne die Stadt außerdem die Abwanderung von „leistungsstarken Kindern“ an reformpädagogische Schulen verhindern.

Da der Grünen-Antrag teils missverstanden worden sei, formulierte Ochs ihn in drei Punkten: Es sollte festgestellt werden, dass ein Montessori-Angebot eine Bereicherung für die Stadt sei. Punkt 2: Mit den Grundschulen solle die Bereitschaft ausgelotet werden, einen Zug auf Montessori umzustellen. Punkt 3: Wenn Bereitschaft bei einer Schule da sei, solle die Verwaltung durch Sachmittel unterstützen. Dieser Unterstützung, entgegnete Priemer, „kommen wir gerne nach“.

Die Einwände kamen jedoch prompt: Man dürfe „die Ebenen nicht durcheinander schmeißen“, so Joachim von Meien (CDU). Es sei nicht Aufgabe der Verwaltung, mit pädagogischen Konzepten an Schulen heranzutreten. Als „Geschmäckle“ bezeichnete dies gar Kirstan – das wirke, als sei die Stadt mit der Arbeit der Schulen nicht zufrieden.

„Ich bin irritiert“, zeigte sich Ochs merklich unzufrieden.

Hier musste auch Heike Schorling als Vertreterin der Lehrer einwerfen: Die Hauptsorge der Schulen sei derzeit, die Inklusion umzusetzen. Und: Die Schulen bestimmten eigenverantwortlich über pädagogische Konzepte.

Und warum, so von Meien, werde überhaupt nur von Montessori gesprochen? Also wurde zu „Schule mit reformpädagogischem Ansatz“ verallgemeinert.

Bis auf Punkt 1 fiel der Grünen-Antrag schließlich durch.

Als es zu TOP 5, der Entscheidung über Steinbergen, kam, hatte die Montessori-Diskussion die Ausschussmitglieder nicht losgelassen. Kirstan schlug einen Antrag vor, durch den die Verwaltung Schulen dabei unterstützen würde, ein reformpädagogisches Konzept zu erstellen.

Prompte Reaktion von Priemer: „Ich verstehe Ihren Antrag nicht. Wir entwickeln nichts!“ Dass aber die Stadt als Vermieter des Gebäudes auftrete, dagegen spreche nichts. Doch: „Das hängt nicht mit dem Thema zusammen.“

Der Schulausschuss stimmte mit sieben Ja-, drei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen für die Schließung des Schulstandorts Steinbergen. Erneut diskutiert wird das Thema im Rat am 30. November.

Mein Standpunkt
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Von Marieluise Denecke

Allmählich wird es bizarr in der Diskussion um die Steinberger Schule. Da werden Dinge in einen Topf geworfen, die nichts miteinander zu tun haben: Die Zukunft eines Schulstandortes, Inklusion, und die Frage, ob es in Rinteln reformpädagogischen Unterricht geben sollte. Grüne und FDP verlieren sich in abenteuerlichen Formulierungen. Konzentrierte Diskussionen wären dienlicher – und würden den Betroffenen Klarheit verschaffen.

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