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Projekt aus dem Lipper Land

Dorf-App und Vernetzung: Den Anschluss nicht verpassen

EXTERTAL-BREMKE. Es ist eine Frage, die viele Menschen auf dem Lande umtreibt: Wie kann Digitalisierung das Leben im Dorf fördern?

veröffentlicht am 05.11.2017 um 12:07 Uhr
aktualisiert am 05.11.2017 um 16:30 Uhr

Auf dem Weg von der Telekommunikations-Steinzeit in die digitale Zukunft (v. li.): Dr. oec. Klaus Schafmeister, Projektleiter Smart Country Side des Kreises Lippe; Boris Ortmeier, Leader-Manager; Ann-Kathrin Habighorst M.A., Projektmanagerin, sowie A
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Autor

Werner Hoppe Reporter
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EXTERTAL-BREMKE. Surfen im Internet, Einkaufen im Online-Shop, das Buchen von Flugtickets oder Bahnfahrkarten, die Steuerung kompletter Produktionsprozesse oder nur bloßes Telefonieren – allein schon das Smartphone eröffnet den Zugang zu bislang ungekannten Welten. Die Überschrift darüber lautet Digitalisierung, und die scheint zurzeit wie eine Welle deutschlandweit sämtliche Regionen und alle Lebensbereiche der Menschen zu überschwemmen. Die Welle hat auch die Bergdörfer in Lippes Norden erreicht, aber sie trifft die Menschen nicht völlig unvorbereitet. Die Dorfkonferenz im Bremker Bürgerhaus im Rahmen des Kooperationsprojektes „Smart Country Side“ erbrachte eine Fülle von Anregungen dafür, wie sich die Bewohner von Bremke und Rott die Möglichkeiten der Digitalisierung für die Gestaltung und Erleichterung ihres täglichen Lebens vorstellen können.

Die Dorfkonferenz in Bremke war die dritte Veranstaltung im Rahmen des Kooperationsprojekts der Kreise Lippe und Höxter. Boris Ortmeier, Leader-Manager des Kreises Lippe und Moderator der Bremker Dorfkonferenz, sagte, wie schon bei den beiden anderen zuvor werde die „aktive Mitarbeit erwartet“, und zwar hauptsächlich bei der Diskussion über die Frage: „Wie kann Digitalisierung das Leben im Dorf fördern?“

Ortmeier steckte den weit gefassten Rahmen: „Smart Country Side“ ist darauf ausgelegt, „bedarfsgerechte, nutzerfreundliche Inhalte mit den Bürgern zu entwickeln“. Einschließlich Bremke und Rott erstreckt sich das Projekt auf 16 Modellorte, von denen elf eigene Projekte umsetzen. Ortmeier: „Geld für die Umsetzung ist vorhanden.“

Mit dieser stimulierenden Aussage startete die Diskussion in Kleingruppen. Zusätzlichen Schub hatte zuvor die Präsentation der Ergebnisse der Einwohnerbefragung in Bremke und Rott geliefert. Grundlage und Anregung dafür waren großteils die Daten und Meinungsäußerungen, die das Zukunftsbüro des Kreises Lippe in den vorausgegangenen Wochen in den Bergdorf-Haushalten gesammelt hatte. Dazu verdeutlichte Ann-Kathrin Habighorst M.A., Projektmanagerin von Smart Country Side: Einerseits sei es die landschaftliche reizvolle Topografie und das ruhige Umfeld, was die Menschen in und an Lippes Bergdörfern schätzten. Aber die Kehrseite davon sei geprägt von Mobilitätsproblemen. Denn so gut wie alle Berufstätigen erwirtschaften ihren Lebensunterhalt außerhalb ihrer Wohnorte und müssen dafür täglich Entfernungen zwischen 12,5 sowie von 25 und noch mehr Kilometern bewältigen.

Weil der öffentliche Personennahverkehr nicht mit befriedigender Taktung unterwegs ist, bauen die (befragten) Einwohner auf den eigenen Pkw, der bei Einkäufen zu 100 Prozent genutzt wird und zu 80,8 Prozent, wenn es darum geht, zu Freizeitaktivitäten zu gelangen. Insgesamt wird das Busangebot von der überwiegenden Mehrheit (75,5 Prozent) als unzureichend beurteilt. Dagegen scheint die Mehrheit der Menschen in den Bergdörfern (87,8 Prozent) insgesamt mit dem Erscheinungsbild ihrer Wohnorte zufrieden bis sehr zufrieden zu sein. Dabei nehmen sie als ortsbildprägende Gebäude vor allem das alte und das neue Feuerwehrgerätehaus (einschließlich Bürgerhaus) wahr sowie die ehemalige Gaststätte „Bremker Krug“.

Als überwiegend positiv werden gewertet: der Zusammenhalt und das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Dorfgemeinschaft, in der Nachbarschaft und im Vereinsleben. Denn man hilft sich gegenseitig unter anderem bei praktischen Arbeiten und Besorgungen wie auch bei Fahrten zum Arzt oder zum Einkaufen. Dagegen empfinden die meisten der Befragten das Freizeitangebot für alle Generationen als mangelhaft. Unter anderem deshalb, weil auch dafür Auto-Mobilität die Voraussetzung ist sowie geeignete Treffpunkte, weshalb auch die Schließung des Bremker Kruges als letzte Gastronomie bedauert wird.

Die Verbesserung von Mobilität und Kommunikation beziehungsweise die Vernetzung von beidem war letztlich einer der Hauptschwerpunkte der Ergebnisse der Kleingruppendiskussion. Darum wies ein Großteil der Vorschläge in dieselbe Richtung: Es sollten zum Beispiel Informationsplattformen wie Dorf-Apps geschaffen werden für die Suche nach Mitfahrgelegenheiten, praktischer Hilfeleistung, regionalen Angeboten landwirtschaftlicher Produkte oder Veranstaltungstipps, die auch den Blick über die nahe Landesgrenze ermöglichen sollten.

Allerdings solle „das Digitale nicht die persönliche Kommunikation ersetzen“, zog Leader-Manager Boris Ortmeier ein Teil-Resümee des Abends. Eines Abends, von dem er „erschlagen von der Breite und Fülle der Themen“ sei, stand für Projektleiter Dr. oec. Klaus Schafmeister als Fazit. Jetzt gehe es darum, die Wünsche nach Prioritäten zu verwirklichen.

Geplant sei, die Umsetzung erster Lösungen im Jahr 2018 nach Durchführung sämtlicher Dorfkonferenzen und Nacharbeiten. Dabei konnte er schon jetzt feststellen: „Der Wunsch nach einer Dorf-App kommt in allen Orten hoch.“

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