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Raus aus der Kirche

„Dort sind wir noch nicht gut genug“

LANDKREIS. Das Reformationsjubiläum nutzt die Landeskirche auch für Selbstkritik. So hat Landesbischof Karl-Hinrich Manzke die Aufgabe an die hauptamtlichen Mitarbeiter ausgegeben, ihre Kirche häufiger zu verlassen, um dorthin zu gehen, wo die Menschen sich engagieren – in Vereinen und Feuerwehren beispielsweise.

veröffentlicht am 19.06.2017 um 14:12 Uhr

Autor:

Mira Colic
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„Dort sind wir noch nicht gut genug“, so Manzke.

Im Gegensatz zur Zeit der Reformation, als Staat und Kirche als die tragenden Säulen der Gesellschaft galten, sei die „Wirklichkeit heute viel pluraler geworden“. Darum müsse sich die Kirche darauf einstellen, diese gesellschaftliche Kontaktfläche konsequenter zu nutzen, denn „alle institutionelle Selbstgewissheit ist schädlich“. Manzke verdeutlicht: „Der Pastor sollte nicht nur zur Jahresversammlung der Feuerwehr gehen, sondern im besten Fall selbst Mitglied sein.“

Dafür biete das Schaumburger Land die besten Voraussetzungen, denn es gebe – anders als im städtischen Bereich – ein gutes Netzwerk, „man kennt sich“. Zudem seien auch die Kapazitäten gegeben, weil es auf 1500 Gemeindemitglieder eine volle Pfarrstelle gebe – in Hannover liege dieses Verhältnis bei 1:3500. Dadurch seien, so Manzke, die Pflichtbeanspruchungen der Pastoren geringer.

Kritik an seinen Äußerungen habe er nicht erfahren: „Ich sehe es als Landesbischof als meine Aufgabe an, solche Dinge anzusprechen und Debatten anzuschieben. Bisher habe ich nur Zustimmung erfahren.“ Sein Standpunkt sei auch nicht völlig neu. In der Ausbildung der Pastoren spiele dieses differenzierte gesellschaftliche Bild bereits seit Jahren eine Rolle. „Pastoren werden heute bei den Predigerseminaren rhetorisch geschult, wie sie ein kurzes Grußwort halten. Das war vor einer Generation noch undenkbar.“

Zudem gebe es seit 15 Jahren ein Projekt, bei dem Vikare ein Praktikum in einem Betrieb absolvieren und dort Erfahrungen sammeln, wie sich das Handeln der Kirche auf die Gesellschaft auswirkt. Profitiert habe die Landeskirche davon noch nicht in großem Ausmaß, „da bisher wenig junge Leute eingestellt wurden“. Das soll sich im nächsten Jahr ändern. Drei Diakone und ein Pop-Kantor kommen.

Zu den „jungen Wilden“ zählt sich Hans Angelus Meyer. Der 37-Jährige ist seit einem Jahr Pastor in Seggebruch. Für ihn seien Manzkes Worte „Anspruch und Ansporn“. Bereits während der Ausbildung sei jedoch vermittelt worden, nicht „in seinen Klostermauern zu bleiben“. So beteilige er sich auch aktiv an einem Feuerwehr-Zeltlager in Rinteln.

Auch für Pastor Wolf-Peter Koech (Stadthagen) gehört der Besuch öffentlicher Veranstaltung bereits jetzt zu seinem Alltag.

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