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Vor Gericht: Viereinhalb Jahre Haft nach Überfall auf Getränkemarkt

Durch DNA-Spur überführt

RINTELN/BÜCKEBURG. Rund zwei Jahre nach dem Überfall auf einen Rintelner Getränkemarkt hat das Landgericht in Bückeburg einen der beiden Angeklagten zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, den anderen aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Männer sind Cousins.

veröffentlicht am 14.09.2017 um 18:03 Uhr

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Autor:

Stefan Lyrath
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RINTELN/BÜCKEBURG. Der verurteilte Räuber, ein 37-Jähriger aus dem ostwestfälischen Paderborn, hatte den Markt an einem Sonnabend im August 2015 kurz vor Geschäftsschluss mit einem Motorradhelm auf dem Kopf betreten. Er gab sich erst als Kunde aus, zog dann eine Waffe, erbeutete mehr als 20 000 Euro aus dem Tresor und ließ die beiden Angestellten, darunter sein Rintelner Cousin (32), mit Kabelbindern gefesselt zurück. Das Geld und die Waffe, möglicherweise ein Gasrevolver, sind bis heute nicht aufgetaucht.

Auf einer Pfandflasche im Markt waren DNA-Spuren des Täters gefunden worden. Deshalb hält das Gericht den einschlägig vorbestraften 37-Jährigen, der zudem kein Alibi hat, für überführt. Der Räuber hat „einen gravierenden Fehler gemacht“, so Richter Norbert Kütemeyer, Vorsitzender der 1. Großen Strafkammer. Vor der Tat gab er zwei Pfandflaschen ab, die offenbar später wieder mitgenommen werden sollten. Möglicherweise wollte der 37-Jährige dadurch unauffällig wirken und für einen normalen Kunden gehalten werden. Den Helm setzte er nicht ab, weil er angeblich krank war.

Fest steht: Auf einem Video aus der Überwachungskamera ist zu sehen, wie der Täter nach dem Überfall zwei Pfandflaschen aus der Tüte für Leergut mitnimmt, bevor er den Getränkemarkt verlässt. Ihm muss entgangen sein, dass ein Angestellter eine der von ihm abgegebenen Flaschen zwischenzeitlich in eine Kiste gestellt hatte. Es war die Flasche mit der Täter-DNA. Sie blieb zurück.

Aufatmen kann der Angeklagte aus Rinteln. Dass dieser den Tatort und die Abläufe im Markt gekannt habe, reiche nicht aus, um ihn zu überführen, hieß es. „Er mag seinen Cousin während der Tat erkannt haben“, so Kütemeyer. Angenommen, es war so: „Dann hat er sich dadurch, dass er ihn nicht verpfiffen hat, nicht strafbar gemacht.“

Belastet hatte den Rintelner eine Zeugin, die vor Gericht jedoch der Lüge überführt worden ist. Außerdem hatte sie plötzlich Erinnerungslücken. Für diesen Angeklagten spricht außerdem, dass es seinem Paderborner Cousin zunächst nicht gelungen war, aus dem Gebäude zu kommen – er musste nachfragen. „Hätten beide Männer die Tat gemeinsam ausgeheckt, hätten sie auch besprochen, wie man den Tatort sicher wieder verlassen kann“, so Kütemeyer.

Der Schuldspruch lautet auf schwere räuberische Erpressung. Hinzu kommt Körperverletzung, weil die Angestellten durch das Fesseln mit den Kabelbindern Striemen hatten. Gegen den Räuber sprechen die seelischen Folgen für einen Angestellten (19), der den Überfall bis heute nicht verarbeitet hat. Gegen beide Urteile ist noch Revision möglich.

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