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Neu im Standesamt: Gaby Bühne

Ein schönes Amt

OBERNKIRCHEN. Seit Januar komplettiert Gaby Bühne das Standesamt-Quartett, nach 23 Jahre ist sie aus dem Auetal nach Obernkirchen gewechselt. Der Grund: Hier gibt es ein Klinikum.

veröffentlicht am 05.03.2018 um 11:21 Uhr

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Direkt auf ihrem Schreibtisch im Rathaus steht ein Bonbonglas, ein bisschen Schokolade findet sich auch darin, und es sind schöne Moment und Begegnungen, wenn junge Eltern mit dem Maxi-Cosi die Geburtsurkunden der neuen Erdenbürger abholen und die Geschwisterkinder mit den berühmten fragenden Augen auf das Glas blicken: Dürfen wir? Natürlich dürfen sie, selbstverständlich.

Es mangelt Gaby Bühne nicht an diesen Begegnungen, die samt und sonders als bereichernd empfindet. Seit Januar komplettiert sie das Standesamts-Quartett, nach 23 Jahren im Auetal hat sie ihren beruflichen Standort gewechselt, und dies ist keine Entscheidung gegen das Auetal, sondern für Obernkirchen. Salopp formuliert: Wo es ein Klinikum gibt, da steppt aus Sicht des Standesbeamten der Bär.

Daher hat die Stadt das Standesamt aufgestockt, jetzt also noch Gaby Bühne. Denn die Eröffnung des Klinikums führt zu einer kräftigen Erhöhung der Geburtenzahlen und der Sterbefälle im Standesamtsbezirk Obernkirchen, zu dem das Klinikum gehört. Der Fachmann spricht von Personenstandsfällen, die nach dem Personenstandsgesetz beurkundet werden müssen – und zwar am Ort des Ereignisses.

Eheschließungen, Geburten, Sterbefälle werden im Standesamt bearbeitet, wobei in der alltäglichen Realität die Sterbefälle über die Bestattungsinstitute abgewickelt werden, trauernde Angehörige, die im Standesamt die notwendigen Formulare einreichen, sind die Ausnahme, Gaby Bühne hat daher in der Regel mit sehr glücklichen Menschen zu tun; Menschen, die den Lebensweg gemeinsam gehen wollen, oder Menschen, die Eltern geworden sind. Das Standesamt, sagt sie, ist ein schönes Amt.

Es ist ihre vierte Schaumburger Kommune, die sie kennenlernt, sagt sie: Nach der Ausbildung in Niedernwöhren hat die gebürtige Pollhagenerin acht Jahre in Eilsen gearbeitet, ehe das Auetal folgte: Standesamt, Friedhofsverwaltung, Bürgerservice. Jede Kommune sei etwas Besonderes, bedingt durch örtliche Strukturen, und natürlich die speziellen Bedürfnisse und Eigenarten der Menschen und ihrer Geschichte.

Und nun also Obernkirchen, Stadt mit Weitblick. Tatsächlich kann Gaby Bühne von ihrem Schreibtisch aus in die norddeutsche Tiefebene blicken, aber die Bergstadt hat aus ihrer Sicht noch deutlich mehr zu bieten als nur schönes Ausblicke: Sie liebt Menschen, Sprachen und Kulturen, und Obernkirchen, das bedeutet auch italienisches Essen und italienische Kultur, zudem lernt sie seit einiger Zeit die italienische Sprache, „mir gefällt die Infrastruktur“, sagt sie und lässt keinen Zweifel: Hier wird sie bleiben.

Die Stadt Obernkirchen gefällt ihr auch, weil sich hier zwei Wege finden. Der eine führt von Loccum nach Volkenroda, der andere ist der Sigwardsweg, „Obernkirchen ist ein altes geistliches Zentrum“, sagt sie, ihr gefällt die Symbolik, denn auch das Leben ist in ihren Augen eine große Pilgerreise, man bricht auf, man kommt an und baut sein Zelt auf, man lernt Menschen kennen, und dann kommt meistens die Zeit, in der man sein Zelt wieder abbaut und weiterzieht, aber wo zwei Pilgerwege sich begegnen, „da lässt es sich gut leben, wohnen und arbeiten“.

Seit 2003 ist Gaby Bühne als Prädikantin im Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg tätig, sie hat also das Recht der freien Wortverkündigung und vertritt viele Pastoren, nicht nur im Auetal, sondern auch im Wesertal.

Und dann kommt Gaby Bühne noch einmal auf ihren Beruf zu sprechen, zuerst ganz konkret, denn in Viererteam im Rathaus vereinen sich acht Jahrzehnte Standesamtserfahrung, die dem Bürger zugutekommen, und Gaby Bühne formuliert es so: „Wir sind ein Team aus Schamburg für Schaumburg.“ Die Arbeit in einem Standesamtsbezirk mit einem Klinikum ist noch einmal eine größere Herausforderung, und noch aus einem ganz anderem Grund ist ein Wechsel der Arbeitsstelle etwas sehr Schönes: „Das braucht Neugierde und die Bereitschaft, Altes loszulassen“, sagt sie, die Bereitschaft zur Veränderung, Offenheit, Toleranz, „und die Stärke, eigene Handlungsweisen zu hinterfragen und anzupassen.“ Soll heißen: Man gewinnt viel dazu, nicht nur einen schönen Weitblick.

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