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Kinder mit Behinderungen müssen beim IGS-Neubau berücksichtigt werden

Eine komplett barrierefreie Schule

RINTELN. Wird die neue Integrierte Gesamtschule (IGS) an der Burgfeldsweide wirklich komplett barrierefrei gebaut? Können dort dann Kinder mit den unterschiedlichsten Behinderungen unbeschadet zur Schule gehen? Der Behindertenbeirat Rinteln hatte Zweifel. Sind die Zweifel berechtigt?

Derartige Hürden für Menschen mit Behinderungen soll es im IGS-Neubau nicht mehr geben. Natürlich wird es Treppen geben, aber alternativ dazu auch Rampen und Fahrstühle. Foto: dpa
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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Der Behindertenbeirat Rintelns äußerte auf seiner letzten Sitzung die Besorgnis, der federführende Landkreis setze eventuell auf ein „Sparmodell“ anstatt die Chance zu nutzen, in der IGS die Bedingungen für eine vollständige Inklusion zu schaffen.

„Keine Sorge!“ sagt Ralf Mahnert, Schulamtsleiter beim Landkreis. „Selbstverständlich wird die IGS in jeder Beziehung barrierefrei gebaut werden. Wir haben da gar keine Wahl.“ Die UN-Behindertenrechtskonvention verlangt, dass sämtliche Regelschulen bis zum Jahr 2024 den Anforderungen der Inklusion von Kindern mit Behinderungen gerecht werden müssen. Andernfalls könnten Eltern dieses Recht einklagen. Schulische Altbauten haben also noch eine Umbau-Frist von fünf Jahren. „Bei Neubauten aber verlangt das Baurecht komplette Barrierefreiheit“, erklärt Mahnert.

Konkret bedeutet das: Gehbehinderte Kinder können jeden Raum, der für Schüler zugänglich sein soll, problemlos über Fahrstühle erreichen. Alle Treppen verfügen über Rampen, nirgends entsteht eine Barriere, die sie nicht eigenständig überwinden könnten, auch nicht im Bereich der sanitären Anlagen: Selbstverständlich wird es barrierefreie Toiletten und dazu auch einen Pflegeraum geben.

Wo sehbehinderte Kinder ertastbare Orientierungshilfen brauchen (solche Hilfen gibt es zum Teil auch am Fußboden), da sind sie so geplant, dass sie für Rollstuhlfahrer kein Problem darstellen. Kinder mit Hörbehinderungen können davon ausgehen, entsprechende Frequenzmodulationsanlagen vorzufinden.

Was den Sportunterricht der zukünftigen IGS-Schüler betrifft, so werden sie sich die Kreissporthalle mit den Ernestinum-Schülern teilen. Momentan ist die Halle alles andere als barrierefrei. Das muss aber bis zum Jahr 2024 anders werden. Dann sollen die Sporthalle, Umkleidekabinen und Duschen für Schüler mit Behinderungen problemlos nutzbar sein.

Auch das Gymnasium Ernestinum, das jede Menge Barrieren für gehbehinderte Schüler aufweist, muss bis dahin den Kriterien der Inklusion genügen. Bis es so weit ist, wird die geplante IGS, die möglicherweise bereits 2019 bezugsfertig ist, die vierte komplett barrierefreie weiterführende Schule im Landkreis Schaumburg sein. Die anderen drei Schulen, die bis 2024 als sogenannte „Schwerpunktschulen“ fungieren, sind die IGS Schaumburg, die Oberschule Stadthagen und das Stadthäger Wilhelm-Busch-Gymnasium. Rintelner Eltern eines Kindes mit Behinderung haben das Recht, ihr Kind an einer dieser Schulen beschulen zu lassen.

Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert Inklusion nicht nur für körperlich, sondern auch für geistig behinderte Kinder. Diese brauchten allerdings kaum spezielle architektonische Vorgaben. „Diese Kinder in das Unterrichtsgeschehen der Regelschulen einzubinden, ist eine pädagogische Angelegenheit“, so Mahnert. Wie das flächendeckend mit entsprechendem Personal bis 2024 auf sinnvolle Weise ermöglicht werden kann, das ist ein anderes, weites Feld.

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