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„Eisen Brandt“ schließt zum 1. Juni

BÜCKEBURG. Bückeburg verliert eines seiner (heimlichen) Wahrzeichen: Mit der Firma „E. Brandt Inh. H.-U. Später e.K.“ schließt zum 1. Juni eins der letzten nostalgisch anmutenden Eisenwaren- und Haushaltsfachgeschäfte der Region.

Breites Sortiment, viel Teile auch einzeln erhältlich: Später weiß genau , was vorrätig hat.
Michael_Werk

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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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Ein bisschen Wehmut schwingt schon mit, als Hans-Ulrich Später im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt, dass er sein Fachgeschäft zum 1. Juni dieses Jahres schließen wird. Denn eigentlich hätte er den in der Langen Straße 1b gelegenen, als „E. Brandt Inh. H.-U. Später e.K.“ firmierenden Eisenwaren-, Haushaltswaren- und Modelleisenbahn-Laden gerne noch länger geführt. Aber weil es seiner Ehefrau gesundheitlich nicht gut geht, er selbst inzwischen 79 Jahre alt ist und weil auch nicht mehr so viele Kunden kommen wie früher, ist es halt an der Zeit, dieses Kapitel abzuschließen.

Der Stadt geht damit ein Traditionsgeschäft verloren, dass es in dieser Art in der regionalen Einzelhandelslandschaft kein zweites Mal gibt und das vermutlich auch im weiteren Umland seinesgleichen sucht. Klar, Schrauben, Nägel und Werkzeuge, Töpfe und Pfannen sowie Modelleisenbahnen nebst Zubehör bekommt man in Bückeburg auch anderswo, doch eben nicht alles bei einer Adresse.

Mausefallen und

Einkochautomaten

Zudem hat Späters Geschäft einen urigen Charme, der allein schon den Blick ins Schaufenster und Ladeninnere lohnt. Ein paar alte Nähmaschinen aus der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders finden sich hier ebenfalls, wie Wasserkessel im „Oma“-Design, Einkochautomaten, Camping-Essbestecke, Fliegengitter und Mausefallen. In einem mehrere Meter breiten, deckenhohen Schubladenschrank lagert neben den bereits erwähnten Schrauben und Nägeln auch noch eine Vielzahl an Dübeln, Magneten und Metallbeschlägen. Und an einer anderen Stelle des Geschäftes stapeln sich in Regalen Kartons mit kleinen Lokomotiven und Waggons, Autos, Figuren und anderen Accessoires aus dem Bereich der Modelleisenbahnen, Spurweite HO. Und obwohl der Winter inzwischen vorbei ist, sind bei „E. Brandt Inh. H.-U. Später e.K.“ noch etliche neue Rodelschlitten vorrätig, wie auch Gartengeräte und Vogelnistkästen zum Sortiment gehören, das damit allerdings noch lange nicht erschöpft ist. Fast möchte man meinen, dass es wohl nichts gibt, was es hier nicht gibt.

Auch ohne computergesteuertes Warenwirtschaftssystem weiß Hans-Ulrich Später ganz genau, was er so alles in seinem nostalgisch anmutenden Fachgeschäft vorrätig hat. Zum 1. Juni wird er schließen. Fotos: wk
  • Auch ohne computergesteuertes Warenwirtschaftssystem weiß Hans-Ulrich Später ganz genau, was er so alles in seinem nostalgisch anmutenden Fachgeschäft vorrätig hat. Zum 1. Juni wird er schließen. Fotos: wk
Das in der Langen Straße 1b ansässige Traditionsgeschäft „E. Brandt Inh. H.-U. Später e.K.“ ist in Bückeburg auch als „Eisen Brandt“ bekannt.
  • Das in der Langen Straße 1b ansässige Traditionsgeschäft „E. Brandt Inh. H.-U. Später e.K.“ ist in Bückeburg auch als „Eisen Brandt“ bekannt.
Blick ins Schaufenster: Zum Sortiment gehören auch ein paar aus einer privaten Sammlung stammende Nähmaschinen.
  • Blick ins Schaufenster: Zum Sortiment gehören auch ein paar aus einer privaten Sammlung stammende Nähmaschinen.

Von „Ladenhütern“ wolle er zwar nicht sprechen, aber die freilich ebenfalls erhältlichen Ofenrohre würden heutzutage nicht mehr so stark nachgefragt wie früher, berichtet Später. Gleiches gelte für die Teppichklopfer und die zum Einlegen von Sauerkraut gedachten, speziellen „Steintöpfe mit Deckel und Wasserrand“. Wobei auch diese Dinge immer wieder mal gekauft werden. Allerdings, räumt er ein, die zunehmende Konkurrenz durch Online-Shops sei mittlerweile „schon spürbar“.

Seine Kunden kommen übrigens nicht nur aus Bückeburg, sondern auch aus Rinteln, Stadthagen und etwa Minden – junge Leute sind ebenso dabei wie ältere Menschen: Ein Grund dafür sei, dass sie bei ihm zudem eine „gute Beratung“ erhalten, erklärt der 79-Jährige.

Noch einmal zurück zur Historie: Eröffnet wurde das in Bückeburg auch als „Eisen Brandt“ bekannte Traditionsgeschäft im Jahr 1935 von Ernst Brandt. Standort war zunächst ein Gebäude in der Oberntorstraße. Wie es dann genau weiter ging, weiß Später nicht im Detail. Allerdings kann er berichten, dass Ernst Brandt als Soldat im Zweiten Weltkrieg gefallen ist und dass das Geschäft danach von dessen Bruder Friedrich Brandt fortgeführt wurde.

1953 als Lehrling im

Betrieb begonnen

Er selbst, Später, fing 1953 als Lehrling für den Beruf des Einzelhandelskaufmanns in dem Laden an und blieb dort nach erfolgreichem Abschluss seiner Ausbildung als Angestellter. Nach dem Tod von Friedrich Brandt übernahm er zum 1. Juni 1965 das Geschäft, um dies in eigener Regie zu betreiben.

Urlaub hat er sich seitdem nicht in großem Maße gegönnt – nur „eine Woche Urlaub pro Jahr“ sei drin gewesen. Denn schließlich konnte er den Laden ja nicht einfach für längere Zeit zumachen, nur um selbst mal ein paar Wochen frei zu machen, so Später.

Tatkräftig unterstützt wurde er im Geschäft bis vor rund zehn Jahren von seiner Ehefrau Irmgard, bevor diese aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste und seine Tochter Claudia ersatzweise einsprang. Diese ist seitdem ebenfalls Tag für Tag als Verkäuferin während der Öffnungszeiten in dem Laden präsent.

Übernehmen möchte die Tochter das Fachgeschäft indes nicht. Also wird dies definitiv zum 1. Juni aufgegeben, wobei bis dahin aber noch das gesamte Warensortiment mit „entsprechenden Rabatten“ abverkauft werden soll. Viele Kunden sind traurig: „Sie können alles machen, nur nicht zumachen“, sei ihm von mehreren Stammkunden gesagt worden, verrät Hans-Ulrich Später.

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