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Infoabend zur Medienerziehung stößt auf großes Interesse

„Eltern sind technisch überholt“

RINTELN. Wer kennt es nicht? Da sitzt man morgens mit der Familie am Frühstückstisch und gerade die Jüngsten können ihre Finger nicht vom Smartphone lassen. Dauernd blinkt, piept und vibriert es und das Essen ist nur noch Nebensache. Doch wie sollen Eltern damit umgehen?

veröffentlicht am 09.03.2017 um 17:32 Uhr
aktualisiert am 09.03.2017 um 18:40 Uhr

Ralf Willius während seines Vortrags im Familienzentrum Rinteln. Foto: Mona

Autor:

Mona Ohms
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RINTELN. Wer kennt es nicht? Da sitzt man morgens mit der Familie am Frühstückstisch und gerade die Jüngsten können ihre Finger nicht vom Smartphone lassen. Dauernd blinkt, piept und vibriert es und das Essen ist nur noch Nebensache.

„Kinder und Jugendliche sind heute ständig mit dem Internet verbunden, ob mit dem Computer oder dem Handy. Es kann durchaus vorkommen, dass sie schon kurz nach dem Aufstehen 120 Whats- App-Nachrichten aus ihrer Schulklassengruppe haben. Dass es wichtigere Dinge gibt, als diese Nachrichten sofort zu lesen – ja, dass man das Handy sogar ausschalten kann –, müssen Kinder erst lernen“, erklärte Ralf Willius am Mittwochabend im Familienzentrum Rinteln.

Der Sozialpädagoge ist im Auftrag von Smiley e. V. unterwegs, einem Verein aus Hannover, der sich der Förderung von Medienkompetenzen widmet. In seinem Vortrag zum Thema „Digitale Welten – was spielt Ihr Kind?!“ klärte der Referent interessierte Eltern über die Mediennutzung der heutigen Jugend auf – und gab ihnen Tipps und Ratschläge an die Hand, wie damit umzugehen ist.

„Was spielt denn mein Kind da?“ Bei der Nutzung Neuer Medien geht es vor allem um die Inhalte. Foto: Mona
  • „Was spielt denn mein Kind da?“ Bei der Nutzung Neuer Medien geht es vor allem um die Inhalte. Foto: Mona

Dabei machte er allerdings von vornherein klar: „Eltern sind technisch überholt. Sie werden nie auf den gleichen technischen Stand kommen wie Ihre Kinder. Aber das müssen Sie auch gar nicht.“ Denn es gehe gar nicht so sehr um die Technik, sondern um die Inhalte Neuer Medien. „Und die können Sie als Eltern durchaus besser einschätzen als Ihre Kinder“, betonte Willius.

Das gemeinsame Anschauen von Videos, Internetseiten oder Computerspielen könne hier besonders helfen: Denn es kommt nicht nur auf den Inhalt auf dem Bildschirm an, sondern auch auf die Reaktion der Kinder. „Als Eltern muss man entscheiden, ob das, was sich mein Kind dort anschaut, in die Erziehung passt und wie es das Kind beeinflusst. In jedem Fall sollte man aber darüber reden, statt die Nutzung einfach zu verbieten“, rät der Sozialpädagoge.

Genauso wichtig sei es allerdings, dass die Kinder und Jugendlichen auch außerhalb der Onlinewelt Erfolgserlebnisse haben. „In Spielen wie ‚World of Warcraft‘ bekommt man ganz schnell Anerkennung und hat Erfolg. Damit das nicht zu wichtig im Leben der Kinder wird, sollte es auch im realen Leben solche Glücksgefühle geben. Denn wenn das nächste Fußballspiel mit den Freunden ansteht, dann ist es auf einmal nicht mehr so schlimm, wenn der Computer auch mal aus ist.“ Eltern stehen heute vor der großen Herausforderung, ihren Kindern den Umgang mit etwas beibringen zu müssen, mit dem sie selbst nicht aufgewachsen sind.

Trotzdem ist es wichtig, schon mit den Kleinsten über genau diese Themen zu sprechen: „Woher sollen die Kinder denn wissen, dass es auch in YouTube-Videos Produktplazierungen gibt? Wie sollen sie denn wissen, dass ein falscher Klick in einem Spiel echtes Geld kosten kann? Früher haben uns unsere Eltern den Umgang mit Werbung und Geld erklärt. Das müssen die Eltern von heute auch tun – auch im Zusammenhang mit dem Internet.“ Und dafür müssen sie sich eben auch etwas mit der Welt ihrer Kinder auseinandersetzen.

Dass das Interesse daran durchaus groß ist, zeigten die zwei Vortragsveranstaltungen von Ralf Willius in Stadthagen und Rinteln. „Es scheint ein sehr gefragtes Thema zu sein. Wir hatten rund 60 Anmeldungen, das ist schon eine Menge“, erzählte Sabine Simon von der Diakonie Schaumburg-Lippe erfreut. Sie organisierte den Abend zusammen mit Stefanie Kittel von der Jugendpflege Schaumburg und Carola Schiemann vom Familienzentrum Rinteln und durfte sich über sehr positive Rückmeldungen freuen. „Den Eltern hat der Infoabend wirklich sehr gut gefallen und sie haben auch sehr viel daraus mitnehmen können“, sagte Simon.

Und tatsächlich war am Ende des Vortrages vor allem ein Punkt sehr deutlich herausgearbeitet geworden: So gefährlich wie häufig angenommen, ist das Internet vielleicht doch nicht – wenn man denn verantwortungsvoll damit umzugehen lernt.

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