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Palais wird auf Vordermann gebracht

Erheblicher Sanierungsstau

BÜCKEBURG. Auf den ersten Blick vermittelt das Herminenpalais einen eindrucksvollen und passablen Eindruck. Bei genauem Hinsehen offenbart das in den 1890er-Jahren von Fürst Georg für seine Mutter errichtete Gebäude aber erhebliche bauliche Mängel. Mindestens zwei Millionen Euro muss die Familie Blindow investieren, um das als Schule genutzte Gebäude auf Vorderrmann zu bringen.

Autor

Herbert Busch Reporter

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„Wir müssen sowohl innen als auch außen einen erheblichen Sanierungsstau konstatieren“, legte Oliver Schwarze vom Mindener Architektenbüro Esther & Schwarze gegenüber Bernd und Andreas Blindow sowie Dietrich Burkart von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz während eines Ortstermins dar. Über vier bis sechs Jahre verteilt müssen rund zwei Millionen Euro investiert werden. 100 000 Euro gibt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Das Haus befindet sich seit vier Jahren im Besitz von Bernd Blindow. Er hat das Mindener Büro beauftragt, die Schäden zu dokumentieren. Darüber hinaus sollte eine die Dringlichkeit der Maßnahmen verdeutlichende Prioritätenliste angefertigt werden, sodass Reparaturen und Sanierungen zeitnah in Angriff genommen werden können, um die Substanz des Gebäudes nicht zu gefährden. Burkart nahm den Termin wahr, weil die Stiftung den ersten Bauabschnitt (Dach- und Fassadensanierung auf der Westseite) mit 100 000 Euro fördert.

Wie Schwarze ausführte, zerstörte 1945 ein verheerender Brand nicht nur den gesamten Dachstuhl, sondern auch viele Sandstein-Zwerchgiebel. Diese wurden im Zug des Wiederaufbaus des Daches aus Holzkonstruktionen erstellt und mit Platten abgedeckt. Die Zement-Asbestplatten sind inzwischen derart marode und undicht, dass sie dringend ausgetauscht werden müssen. Die neue Dacheindeckung soll originalgetreu mit Schieferplatten erfolgen.

  • Andreas Blindow (von rechts), Bernd Blindow, Dietrich Burkart und Oliver Schwarze während der Überreichung des symbolischen Förderschecks. Fotos: bus
  • Aufwendig gefertigte Dachspeier leiten das Regenwasser ab.

Darüber hinaus erläuterte der Fachmann, dass viele Kupferabdeckungen und Bekleidungselemente ebenfalls marode sind. Schwarze: „Nach ersten optischen Überprüfungen der Flächen mit Hubsteigern muss auch hier davon ausgegangen werden, dass diese komplett abgängig sind und erneuert werden müssen.“ Außer am Dachstuhl seien zudem im Bereich der Dachgesimse, Fensterwände und Fensterstürze größere Schäden entstanden. Komme hinzu, dass viele Terrassen- und Balkonbrüstungen so stark angegriffen sind, dass sie dringend aufgearbeitet werden müssen.

„Die Umsetzung der gesamten Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen stellen eine enorme Herausforderung für den Eigentümer dar“, heißt es in einem Schreiben des Mindener Büros an die Kulturstiftung. Herr Blindow sei sich der kulturellen Bedeutung dieses einmaligen Objektes bewusst und möchte mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, die Maßnahmen zu realisieren. Für die Umsetzung aller Maßnahmen werde ein Zeitraum von bis zu sechs Jahren kalkuliert. Das vom Architekten Hermann Schaedtler (Hannover) geplante Palais ist 55 Meter lang und 33 Meter breit. Die Höhe des Hauptgebäudes misst von der Kellersohle bis zum Dachfirst 31 Meter. Der große Turm weist eine Höhe von 56 Metern auf.

Die Privatstiftung, die Angaben Burkarts gemäß seit der „Wende“ mehr als 500 Millionen Euro in die Erhaltung baukulturellen Erbes investiert hat, fördert insbesondere Schiefer- und Kupferdachdeckerarbeiten, Sanierungen am Nord-West-Turm und Zimmererarbeiten. „Es bereitet uns Freude, bei solchen Vorhaben mitzumachen“, erklärte der Leiter des Ortskuratoriums Hameln.

Bernd Blindow rechnet mit Jahresinvestitionen in Höhe von rund 400 000 Euro. Die Arbeiten an der Westfront sollen möglichst noch 2017 eginnen. Burkart ermunterte den Bauherren, weitere Förderanträge zu stellen. Die Aussichten auf Bewilligung stünden nicht schlecht. Die Deutschen Stiftung Denkmalschutz hat in Bückeburg bereits die Herrichtung der Westfassade der Stadtkirche (50 000 Euro) und der Von-Strauß-und-Torney-Villa (Georgstraße 5, 4000 Euro) finanziell unterstützt.

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