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„Nachhilfe-Institut“ im Ruhestand

Ernestinum-Schulleiter Reinhold Lüthen humorvoll verabschiedet

RINTELN. Gelassenheit – das war ein Wort, welches besonders oft fiel in all den Reden zum feierlichen Abschied von Reinhold Lüthen aus seinem Amt als Schulleiter des Gymnasiums Ernestinum. Über 16 Jahre hatte er die Schule durch eine Zeit unzähliger Reformen geführt, ein Gymnasium, das Landrat Jörg Farr als „Aushängeschild Schaumburgs“ bezeichnete.

veröffentlicht am 25.01.2018 um 18:19 Uhr

Reinhold Lüthens Kollegen vom Personalrat inszenierten eine Art Fortbildungslehrgang und ließen den scheidenden Chef auf einem hölzernen „Hocker des Selbstvertrauens“ Platz nehmen. Foto: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. Dass nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer immer wieder schriftlich beurteilt werden, erst recht, wenn sie sich auf Führungspositionen bewerben, erfuhren die Gäste durch Roswitha Strickstrack-Garcia, die Dezernentin der Landesschulbehörde. Was sie aus Reinhold Lüthens Personalakte vortrug, zeichnete das Bild eines ungeheuer engagierten, leidenschaftlichen Pädagogen, der schon als Referendar unter seinen Kollegen herausragte, ständig Pläne schmiedete und umsetzte, schnell Verantwortung in der Lehrerfortbildung übernahm, Menschen an einen Tisch bringen konnte und sich durch besagte „Gelassenheit“ als geschickter Krisenmanager erwies.

Ursprünglich aus Schleswig-Holstein stammend, kam Lüthen 1991 als Deutsch- und Englischlehrer zunächst ans Stadthäger Ratgymnasium, um dann, im Jahr 2001, Wolfgang Foerstner als Schulleiter abzulösen. Als sich das neue Konzept der „eigenverantwortlichen Schule“ ankündigte, absolvierte er mal eben nebenbei in Kiel den Masterstudiengang „Schulmanagement und Qualitätssicherung“ – und die Qualität und das Angebot des sowieso schon gut aufgestellten Gymnasiums steigerte sich tatsächlich unter seiner Führung von Jahr zu Jahr bis hin zum Titel „Europaschule“, „Umweltschule“ oder auch dem Austausch mit China und den USA.

Ihn habe immer auch der „School-Spirit“ des Ernestinums angetrieben, sagte der manchmal sichtlich gerührte Schulleiter. Dass es diesen Lehrer, Schüler und Eltern verbindenden „Spirit“ wirklich gibt, war der gesamten Feier anzumerken, die, je länger sie andauerte, umso unterhaltsamer wurde.

Geht lachend vom Pult: Reinhold Lüthen. Foto: cok
  • Geht lachend vom Pult: Reinhold Lüthen. Foto: cok

Ein aus Eltern und Lehrern zusammengestellter Projektchor sang vom ständig Tee trinkenden „Käpt’n“, der nun Adieu sagt; die Kollegen vom Personalrat inszenierten eine Art Fortbildungslehrgang und ließen Lüthen auf einem „Hocker des Selbstvertrauens“ Platz nehmen, der sich dadurch in den „Chef-Hocker“ verwandelte; der Schulelternrat überreichte ihm einen randvoll mit Rinteln-Devotionalien gefüllten Korb, und das Team der Schulleitung kündigte an, sie hätten gesammelt, um ihm und seiner Frau ein Jägerhütten-Wochenende im Auetal zu schenken, luden ihn dann aber in die Hamburger Elbphilharmonie samt Luxus-Restaurantbesuch ein. Auch Rintelns Polizeichef Winfried Korte ließ es sich nicht nehmen, an die Zusammenarbeit im Präventionsrat und die vielen gemeinsam organisierten Veranstaltungen zu erinnern.

Als ihn schließlich die Bigband mit Frank Sinatras „I did it my Way“ überraschte, waren wohl alle Gäste so bewegt, dass es gut tat, Reinhold Lüthen in humorvoller Gelassenheit am Rednerpult stehen zu sehen. Er werde alle vermissen, sagte er. Doch immerhin habe seine Frau bereits für eine gewisse Auslastung im Ruhestand gesorgt und die Eröffnung eines Nachhilfe-Instituts auf der Insel Föhr vorbereitet, Name: „Lüthen für Lütte“. Nein, Scherz. Er werde die neue Freiheit genießen. „Ich bin dankbar für die Jahre, die ich ein bisschen am ‚School-Spirit‘ mitwirken durfte“, so sein Schlusswort.

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