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Polizei bildet Ermittlungsgruppe

Erneut Brandanschlag auf „Kaffeestuben“

HAMELN. Erneut hat es in dem bekannten Hamelner Altstadt-Café „Kaffeestuben“ an der Wendenstraße gebrannt. Das Feuer wurde in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch entdeckt. Offenbar handelt es sich um einen erneuten Brandanschlag. Bereits am 21. Oktober hatten Brandstifter einen Molotow-Cocktail in das Lokal geworfen.

veröffentlicht am 08.02.2017 um 00:45 Uhr
aktualisiert am 08.02.2017 um 17:44 Uhr

Feuer Kaffeestuben 3
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Als „Kaffeestuben“-Inhaber Alfred Lange am frühen Mittwochmorgen vom Klingeln seines Telefons aus dem Schlaf gerissen wird, schwant ihm nichts Gutes. Erinnerungen an die Nacht vom 21. auf den 22. Oktober werden wach. Da hatten ihn drei Polizisten geweckt und ihm an der Haustür mitgeteilt, dass kurz vor Mitternacht zwei Brandstifter einen Molotow-Cocktail durch eine Glasscheibe in sein Lokal an der Wendenstraße geworfen haben. Die brennende Flasche landete seinerzeit  im sogenannten „Laden“ des 1736 erbauten Fachwerkhauses. Nun klingelt es wieder zu nachtschlafender Zeit. Alfred Lange hebt den Hörer ab. „Ich habe nur das Wort „Polizeiinspektion“ gehört und gedacht: „Nein, bitte nicht schon wieder…“, erzählt der Gastwirt. Wenig später schaut er in die von Flammen, Hitze und Ruß verwüstete Küche des beliebten Cafés. „Das ist ein schwerer Schlag für uns“, sagt Alfred Lange. Seine Frau hat Tränen in den Augen. Zwei Feuer in nur vier Monaten. Die Täter die den Brandsatz in die „Kaffeestuben“ geworfen haben, konnten bislang nicht gefasst werden. Jetzt das.

Zunächst geht die Polizei davon aus, dass eine Mikrowelle aus ungeklärter Ursache Feuer gefangen hat. Drei Stunden später sagt Hauptkommissar Jörn Schedlitzki: „Die Spurensuche hat ergeben: Es war schwere Brandstiftung. Wir gehen von einem Zusammenhang mit der Oktober-Tat aus.“ Die Inspektion gründet die Ermittlungsgruppe „Stube“, bittet um Hinweise aus der Bevölkerung (Telefon: 05151/933222).   


Es ist 23.55 Uhr als der erste Notruf aus der Altstadt in der Leitstelle an der Ruthenstraße eingeht. Kurz darauf gehen weitere Meldungen ein. Anwohner haben einen lauten Knall gehört und Feuerschein gesehen. Der Löschzug trifft wenige Minuten später an der Papenstraße ein. Wachabteilungsleiter Michael Wömpener lässt die zunächst unklare Lage erkunden: Auf der Rückseite des Gebäudes brennt es. Eine Glasscheibe ist zersplittert, Flammen schlagen aus einem Fenster im Erdgeschoss. Rauch steigt auf. Schon auf der Fahrt zum Brandort haben sich Feuerwehrleute mit schwerem Atemschutz ausgerüstet. Ohne kostbare Zeit zu verlieren, können die Männer mit der Bekämpfung des Brandes beginnen. Zunächst von außen, dann von innen. Freiwillige des 1. und 2. Zuges unterstützen die Wachbereitschaft, stellen weitere Atemschutz-Trupps. Brandoberamtsrat Andreas Zerbe, der den Einsatz leitet, lässt vorsichtshalber sämtliche Räume durchsuchen. „Wir wollen sicher sein, dass niemand im Gebäude ist.“

Das Feuer ist rasch gelöscht. Die Flammen haben jedoch die Küche verwüstet. Auch die Backstube im Nachbarraum ist rußgeschwärzt. Rauch hat sich im gesamten Café ausgebreitet. Mit einem Hochleistungslüfter, der an der Wendenstraße in Stellung gebracht wird, versucht die Feuerwehr Schlimmeres zu verhindern.

Ermittler der Tatort-Gruppe suchen nach Hinweisen auf die Brandursache, sichern Spuren. Die Beamten gehen davon aus, dass eine Mikrowelle Feuer gefangen hat und den Brand ausgelöst hat. Die Frage ist nur: Warum? Der Brandort wird beschlagnahmt. Am Vormittag setzen Brandursachen-Ermittler des Zentralen Kriminaldienstes die Nachforschungen fort. Sie befragen Nachbarn, sprechen mit Alfred Lange, schauen sich im Lokal um und kontaktieren  Experten der Brandursachen-Kommission des Landeskriminalamts Niedersachsen. Die Mitglieder der Kriminaltechnischen Einsatzgruppe verfügen über eine langjährige Spezialausbildung – sie können Brandverläufe rekonstruieren und systematisch Brand- und Explosionsursachen feststellen.

Eine junge Frau, die ganz in der Nähe der „Kaffeestuben“ wohnt, erzählt der Dewezet, sie habe sich gegen 23 Uhr die Zähne geputzt und zu dieser Zeit ein lautes Klirren gehört. „Das hat sich angehört, als habe jemand einen Fernsehapparat aus dem Fenster geworfen“, erinnert sie sich. Das Feuer in dem Lokal wurde jedoch erst 55 Minuten später entdeckt. Wie passt das zusammen? Gibt es überhaupt einen Zusammenhang? Die Brandursachen-Ermittler werden dem Hinweis nachgehen. Die siebenköpfige Ermittlungsgruppe „Stube“ ist für jede Information dankbar. Sie will die beiden Brandanschläge so schnell wie möglich aufklären. „Die Gefahr für Leib und Leben und die Altstadt ist bei solchen Taten immens hoch“, sagt Schedlitzki.
Das Feuer hat die Küche zerstört. Unklar ist noch, wie stark das Lokal durch Ruß und Rauch beschädigt wurde. Foto: ube
  • Das Feuer hat die Küche zerstört. Unklar ist noch, wie stark das Lokal durch Ruß und Rauch beschädigt wurde. Foto: ube
Feuer Kaffeestuben 6
  • Erneut hat es in den Kaffeestuben gebrannt. Foto: ube
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  • Erneut hat es in den Kaffeestuben gebrannt. Foto: ube
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  • Erneut hat es in den Kaffeestuben gebrannt. Foto: ube
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  • Erneut hat es in den Kaffeestuben gebrannt. Foto: ube
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  • Erneut hat es in den Kaffeestuben gebrannt. Foto: ube
Das Feuer hat die Küche zerstört. Unklar ist noch, wie stark das Lokal durch Ruß und Rauch beschädigt wurde. Foto: ube
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