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Handball-Landesligist HSG Exten-Rinteln setzt auf Qualität aus Litauen und auf den eigenen Nachwuchs

Es fließen keine Gelder

veröffentlicht am 08.10.2017 um 19:05 Uhr

Königstransfer: Rückraumspieler Lukas Jurys (links) wechselt vom litauischen Meister zur HSG Exten-Rinteln. Fotos: tol
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Sebastian Blaumann Redakteur Sport zur Autorenseite

RINTELN. Die Handballer der HSG Exten-Rinteln befinden sich aktuell auf der Überholspur. Das Herrenteam schaffte den Aufstieg in die Landesliga und strebt in der neuen Spielklasse einen Platz zwischen drei und sechs an. Die Damen stehen seit Jahren in der Regionsoberliga im gesicherten Mittelfeld. Im Nachwuchsbereich sind alle Mannschaften besetzt. Das Aushängeschild, die männliche C-Jugend, spielt in der Oberliga. So hoch, wie noch nie ein Jugendteam der HSG gespielt hat. Die Zukunftsaussichten der HSG sind rosig.

Aber die Macher um das Vorstandsteam mit Christian Winter und René Langejürgen sowie Trainer Saulius Tonkunas mussten im Sommer eine Grundsatzentscheidung treffen. Wohin soll die Reise der HSG Exten-Rinteln führen? Nach dem Aufstieg in die Landesliga verließen mit Tobias Albrecht (2. Herren), Tobias Wendt (beruflich in die USA), Justus Tebbe (Studium) und Rosvaldas Ramunis (zurück nach Litauen) vier Spieler den Aufsteiger. Als Neuzugänge standen nur Aivaras Lysenko, Marcel Quade und Daniel Burghardt fest. Zudem verletzte sich Burghardt schwer, sodass ein Wechsel nicht vollzogen wurde. Für die Landesliga war der Kader zu dünn besetzt und zudem fehlte ein Rückraumspieler, der die Mannschaft auf ein neues Niveau heben würde. „Es gab für uns drei Möglichkeiten. Erstens Verzicht auf den Aufstieg und weiter in der Regionsoberliga spielen, oder Verstärkungen aus dem Umfeld holen oder nochmals international tätig werden und einen weiteren Spieler aus Litauen an Land ziehen“, erklärt der 1. Vorsitzende Christian Winter.

Die erste Möglichkeit hätte die jahrelange Aufbauarbeit der Jugend über den Haufen geworfen. „Das wäre auch dem Team gegenüber nicht fair gewesen. Sie haben den Aufstieg geschafft und sollen dann auch Landesliga spielen“, meint Winter. Die zweite Alternative übersteigt die Mittel der HSG deutlich. In der Satzung der Spielgemeinschaft steht, dass weder Spritkosten noch Aufwandsentschädigungen gezahlt werden dürfen. „Ich habe mit sechs Rückraumspielern zusammen gesessen und keiner war dabei, der auf solche Zahlungen verzichtet hätte. Ein oberligaerfahrener Spieler wollte sogar 500 Euro pro Monat haben“, klärt Winter auf. Die HSG entschied sich für die dritte Möglichkeit. Trainer Tonkunas ließ seine guten Kontakte nach Litauen spielen. „Wir wollen unseren guten Jugendspielern eine attraktive Perspektive bieten“, stellt Winter klar. Deshalb holte die HSG mit Lukas Jurys einen Spieler aus der ersten litauischen Liga.

Kreisläufer Eimantas Grimuta (Mitte) spielt bereits die zweite Saison für die HSG.
  • Kreisläufer Eimantas Grimuta (Mitte) spielt bereits die zweite Saison für die HSG.
Aivaras Lysenko (links) ist nicht nur in der Deckung stark, der 19-Jährige belebt auch das Angriffsspiel.
  • Aivaras Lysenko (links) ist nicht nur in der Deckung stark, der 19-Jährige belebt auch das Angriffsspiel.
Der Vorsitzende Christian Winter sieht die HSG gut aufgestellt.
  • Der Vorsitzende Christian Winter sieht die HSG gut aufgestellt.

„Nach den Erlebnissen mit Ramunis hatte ich zunächst große Zweifel, noch einmal diesen Schritt zu gehen. Aber die Entwicklung von Eimantas Grimuta und das Loblied des Trainers auf Jurys, hat zu der Entscheidung beigetragen, es zu machen. Nun kann ich sagen, es war richtig“, ist Winter über die gute Integration erleichtert. Weder Jurys, noch Grimuta, noch Lysenko bekommen Geld für das Handballspielen bei der HSG. „Das Trio bekommt die Chance, sich in Deutschland eine berufliche Perspektive aufbauen zu können“, sagt Winter. Lediglich die Ablöse und Verbandsabgaben mussten von der HSG bezahlt werden. „Das waren für Jurys und Lysenko knapp 3000 Euro“, verrät der HSG-Vorsitzende. Das sei auch für unseren Verein noch viel Geld gewesen.

Mit viel Manpower schreitet die Integration der Litauer gut voran. Von Jobsuche, Wohnungssuche, Möbelsuche, Hausarztsuche, Krankenkassensuche und Sprachkurssuche, es fallen viele Aufgaben an. Neben dem Vorstand unterstützte Familie Tonkunas, Torsten Mischke und Alexander Ermakov die neuen Spieler hervorragend. Die HSG hat ein erstes Teilziel erreicht. „Eimantas, Aivaras, Lukas und seine Lebensgefährtin Erika haben einen Job und eine Unterkunft. Sportlich läuft es mit vier Punkten aus drei Spielen in der Landesliga auch gut“, freut sich Winter über die positive Entwicklung der HSG. Das gute Netzwerk aus Kontakten zu Spielern, Vereinen, Verbänden, Ämtern, Sponsoren und öffentlichen Einrichtungen hätte dazu beigetragen, dass die Integration der litauischen Spieler so gut funktioniert habe. Mit dem ehemaligen Jugendspieler Ronan Uhlig fand eine talentierte Nachwuchskraft von GWD Minden den Weg zurück zur HSG. Und mit Finn de Koekkoek schaffte ein Jugendspieler den Sprung in den Landesligakader.

Der Vorsitzende sieht die HSG für die nächsten Jahre gut aufgestellt. Man wolle sich in der Landesliga etablieren und im ersten Tabellendrittel beheimatet sein und dabei nie den eigenen Nachwuchs aus den Augen verlieren. „Wir können der Zukunft entspannt entgegensehen. Unsere Hausaufgaben haben wir erledigt. Jetzt freue ich mich auf das nächste Heimspiel am 22. Oktober gegen den Meisterschaftsfavoriten TuS GW Himmelsthür“, sagt Winter.

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