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Die SPD-Landtagskandidaten für den Wahlkreis 38 stellen sich vor

Es kann nur einen geben

RINTELN. Bernd Wübker hatte den richtigen Riecher, als er für die Vorstellung der drei SPD-Landtagskandidaten Dirk Adomat, Wilfried Binder und Fabian Zörkendörfer den kleinsten Saal im Hotel „Stadt Kassel“ ausgewählt hatte. Denn wer kommt ausgerechnet an einem Freitagabend zu einer Politikrunde?

veröffentlicht am 20.03.2017 um 14:28 Uhr
aktualisiert am 20.03.2017 um 18:10 Uhr

Die Delegierten haben drei Kandidaten zur Auswahl. Foto: la
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Hans Weimann Reporter
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RINTELN. Bernd Wübker hatte genau den richtigen Riecher, als er für die Vorstellung der drei SPD-Landtagskandidaten Dirk Adomat, Wilfried Binder und Fabian Zörkendörfer den kleinsten Saal im Hotel „Stadt Kassel“ ausgewählt hatte. Denn wer außer ihm war konkret an den Kandidaten interessiert, kommt ausgerechnet an einem Freitagabend zu einer Politikrunde? Außerdem, kein Rintelner ist in der Kandidatenrunde dabei, nicht einmal ein Schaumburger. Zumindest nicht im Wahlkreis 38 Rinteln-Hameln.

Alle drei, die ihre nähere berufliche Zukunft im Leineschloss sehen, kommen aus dem Nachbarkreis Hameln. Alle drei bemühten sich zwar redlich, ihre Verbindungen zur Weserstadt aufzuzeigen, vom Tourismus bis zur Wirtschaftspolitik, doch nicht immer klang das überzeugend.

Das Interesse am Smalltalk mit möglichen künftigen Mandatsträgern im Landtag dürfte auch gedämpft haben, dass die Genossen des Stadtverbandes an diesem Abend in dieser Sache nichts zu entscheiden hatten.

Wer letztlich als Landtagskandidat der SPD für den Wahlkreis 38 gekürt wird, darüber befinden die Delegierten am Freitag, 24. März, in Fischbeck im Schaumburger Hof. Es kann nämlich „nur einen geben“, frei nach der Filmsaga „Highlander“.

So wurde es dann auch eine gemütliche Plauderrunde. Osterhasen auf den Tischen stimmten schon mal auf das Fest ein. Und Wübker begrenzte die persönliche Vorstellung der Kandidaten auf zehn Minuten. Eine kluge Entscheidung.

Alle drei Kandidaten sind bereits in der Kommunalpolitik tätig und kennen sich aus mit den parlamentarischen Spielregeln. Vor allem Adomat wie Binder haben ihr eigenes Netzwerk innerhalb der Partei aufgebaut. Adomat als Fraktionsvorsitzender und auf allen Parteiebenen vom Ortsverein bis Unterbezirk. Binder als Ratsherr. Dass alle drei dafür stehen, was SPD-Landespolitik ausmacht, versteht sich von selbst. Ebenso, dass sie das aus der Perspektive des ländlichen Raumes interpretieren, was heißen soll, wir sind für die Sicherung ärztlicher Versorgung, für bessere Mobilität, schnelle Anbindung ans Internet, Ausbau der Infrastruktur. Nichts, was man nicht irgendwo schon einmal gelesen oder gehört hätte.

Alle Kandidaten fordern, Kommunen und Eltern von den Kita-Kosten zu entlasten. Längst seit Januar Stand der Dinge: Die Niedersachsen-SPD will im Falle eines Wahlsieges die Elternbeiträge für Kinder ab drei Jahren abschaffen. Das hatte Ministerpräsident und SPD-Landesvorsitzender Stephan Weil bereits im Januar anlässlich der SPD-Jahresauftaktklausur in Celle angekündigt.

Was bleibt an Unterschieden? Dirk Adomat, beruflich Leiter der zentralen Vollstreckungsbehörde, war immer in der Kommunalverwaltung tätig, ist der Fachmann fürs Kommunale. Und was da machbar ist, wird oft in Hannover mitentschieden.

Wilfried Binder kann sicher auf Top-Managementqualitäten verweisen – auch in Krisensituationen. Was er in der Bundeswehr bei Einsätzen im Kosovo und Afghanistan und zuletzt als organisatorischer Leiter der Flüchtlingserstaufnahme in Hameln hinlänglich bewiesen hat.

Fabian Zörkendörfer ist schon von Berufs wegen als Oberstudienrat und Mitglied im Schulentwicklungsteam Experte für Schulpolitik. Die war an diesem Abend dann auch sein Thema, vorgetragen mit Leidenschaft.

Adomats Sohn ist bei der Polizei, ebenso wie der Bruder von Binder. Damit stehen beide für den Aspekt Sicherheit.

Während Adomat und Binder routiniert sich und ihre Vorstellungen von Landespolitik präsentierten, absolut optimistisch, wohl getragen auch vom Schulz-Effekt, warnte Zörkendörfer, das Ergebnis im Januar 2018 könnte knapp werden. Ganz falsch liegt der Mann da sicher nicht. Denn ob der Schulz-Effekt, der die Partei zurzeit auf Wolken schweben lässt, dann noch wirkt, bleibt abzuwarten.

Da sind ja noch die Landtagswahlen an der Saar, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Entweder ist Schulz am Ende rot-rot-grüner Bundeskanzler (worauf Demoskopen zurzeit nicht wetten wollen) oder sitzt in einer Großen Koalition. Hier gilt, was schon Donald Trump prophezeit worden ist: Die Realität beißt zurück.

Und die Landtagswahl hat noch eine weitere Besonderheit, denn eine Schaumburger Identität gibt es in diesem Fall nicht. Der Landkreis ist vielmehr in drei Wahlkreise gesplittet: in den Landkreis 38 (Rinteln-Hessisch Oldendorf-Hameln), in den Wahlkreis 37 (Schaumburg) – hier ist Kars-ten Becker amtierender Landtagsabgeordneter – und in den Wahlkreis 39 (Nienburg-Schaumburg mit den Samtgemeinden Lindhorst, Niedernwöhren und Sachsenhagen). Dort kandidiert der amtierende Landtagsabgeordnete Grant Hendrik Tonne. Entscheidung ist am 27. März in Stolzenau.

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