weather-image
24°
Fastenbrechen setzt neue Maßstäbe

Es wird geteilt, was da ist

RINTELN. Das abendliche Fastenbrechen in der Zeit des Ramadan ist etwas Besonderes. Da werden Gäste geladen und oft trifft man sich in größerer Runde. Doch was die Türkisch-Islamische Gemeinde Rintelns da dieses Jahr auf die Beine gestellt hat, das setzt in Sachen Gemeinschaftsgeist ganz andere Maßstäbe.

veröffentlicht am 19.06.2017 um 14:45 Uhr
aktualisiert am 19.06.2017 um 18:30 Uhr

„Ihr glaubt, wir leiden, wenn wir bei Festen unter uns bleiben. Fragt uns doch mal selbst“, kontern die Frauen der islamischen Gemeinde, als sie in den lebendigen Gesprächen am Freitagabend mit typisch deutschen Sichtweisen konfrontiert werden. Foto:
Avatar2

Autor

Claudia Masthoff Reporterin
Weiterlesen mit Ihrem Digital-Abonnement
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Da treffen sich derzeit allabendlich Hunderte von Menschen. Nicht nur Menschen moslemischen Glaubens sind dann willkommen: Zur warmen Mahlzeit, die ab 21 Uhr ausgegeben wird, und zum süßen Imbiss um Mitternacht sind auch Freunde aller anderen Konfessionen und ganz ausdrücklich die Flüchtlinge, die in Rinteln leben, eingeladen. „Der Sinn von Ramadan, also vom Fasten tagsüber, liegt darin, auch den Wohlhabenden einen Eindruck vom Leben in Not und Armut zu vermitteln und so mehr Mitgefühl zu erzeugen“, erklärt Salih Alinak, Sprecher der Gemeinde im interreligiösen Dialog. „In diesen Wochen soll es den Menschen über alle sozialen Grenzen hinweg einmal genau gleich ergehen. Da wird dann abends mit anderen geteilt, was da ist.“

Um diese Idee im großen Stil verwirklichen zu können, hat die Islamische Gemeinde die Wochen des Ramadan von langer Hand vorbereitet. Zelte wurden aufgebaut (eines für die Männer, eines für die Frauen und ein rundes, orientalisches mit Teppichen und Sitzkissen ausgestattetes, das zu Gesprächsrunden einlädt), Bierzeltgarnituren in großer Zahl erstanden, eine professionelle Küche eingerichtet, Sponsoren unter den Gemeindemitgliedern gesucht, eine Köchin aus der Türkei eingestellt, riesige Töpfe und jede Menge Geschirr angeschafft. Und die Arbeit muss natürlich auch verteilt sein. Den ganzen Tag sind freiwillige Helferinnen in der Küche mit den Vorbereitungen beschäftigt. Abends bilden andere die kleinen Reihen hinter den Schalen und Töpfen und geben das Essen aus. Der Abwasch und das nächtliche Aufräumen müssen ja auch erledigt werden.

Bei diesen vielen Aufgaben, die zur Organisation des Fastenbrechens gehören, dürfte wohl bald die gesamte Gemeinde auf den Beinen sein. „Aber jeden Abend, wenn ich die einmalige Atmosphäre hier in den Zelten und in der Moschee erlebe, denke ich, das Ganze ist den Aufwand hundertprozentig wert“, schwärmt Alinak.

Die deutschen Gäste, die am Freitagabend der Einladung ihrer türkischen Freunde gefolgt sind, (man kennt sich von den Veranstaltungen im Haus der Weltreligionen) können das nur bestätigen. „So eine herzliche Gastfreundschaft“, „So viele offene Gespräche“, So ein schönes Miteinander“ und nicht zuletzt „So ein leckeres Essen!“, lauten die Kommentare. „Das war ein wirklich wunderbarer Abend.“

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare