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Eröffnung verzögert sich erneut

Exklusiv: Wasserschaden im neuen Klinikum

LANDKREIS. Mit schlechten Nachrichten geht der Klinikkonzern „Agaplesion“ nicht hausieren. Auf eine Presseanfrage der SZ/LZ antwortete die Pressesprecherin am Donnerstag: Die Umzugspläne laufen. Am gleichen Tag verschickte die Geschäftsführung ein internes Rundschreiben an Mitarbeiter und bekennt Farbe: „Heute müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass diese Planung hinfällig ist“.Es gab einen Wasserschaden. Das vertrauliche Schreiben liegt unserer Redaktion vor. Als unsere Redaktion die Geschäftsführung damit konfrontierte, reagierte diese sehr ungehalten. Und trat direkt danach zum PR-Gegenangriff an.

veröffentlicht am 08.09.2017 um 12:33 Uhr
aktualisiert am 08.09.2017 um 20:50 Uhr

Weitere Verzögerungen: Ein Wasserschaden sorgt für Ärger im Klinik-Neubau. Foto: tol
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Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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LANDKREIS. Mit schlechten Nachrichten geht der Klinikkonzern „Agaplesion“ nicht hausieren. Er baut gerade das neue Gesamtklinikum in Vehlen. Auf eine Presseanfrage der SZ/LZ, wann es denn endlich eröffne, antwortete die Pressesprecherin am Donnerstag: Die Umzugspläne laufen. Am gleichen Tag verschickte die Geschäftsführung ein internes Rundschreiben an Mitarbeiter und bekennt Farbe: „Heute müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass diese Planung hinfällig ist“. Das vertrauliche Schreiben liegt unserer Redaktion vor.

Daraus geht hervor: Im Technikraum des MRT gab es einen Wasserschaden. Wände müssen herausgerissen und sogar eine Brandschutzwand musste zurückgebaut werden. Ohne diese Brandschutzwand wird das Klinikum nicht am 1. Oktober – wie die Klinikleitung offenbar ursprünglich plante – eröffnen können. Allein der Wiederaufbau der entsprechenden Wände werde mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Die komplexe Planung – von der die Pressesprecherin am gleichen Tag noch schwärmte – ist also Makulatur. Noch sei nicht absehbar, wie lange die Sanierungsmaßnahmen tatsächlich in Anspruch nehmen werden. Sobald klar sei, wie lange die Arbeiten dauern, werde man mit dem Umzugsunternehmen einen neuen Termin vereinbaren. Noch wusste die Geschäftsführung allerdings nicht, dass der Redaktion das interne Schreiben vorliegt.

Denn der ganze Vorgang sollte – ginge es nach dem Klinikbetreiber – offensichtlich nicht an die Öffentlichkeit. In einem Telefonat zwischen der SZ/LZ und der Geschäftsführung bestätigte Rogge explizit, es „gibt keine maßgeblichen Probleme.“ Und: „Das läuft seinen geregelten Weg.“ Erst als unsere Redaktion ihn damit konfrontierte, dass der Wasserschaden bekannt ist,, schwenkte Rogge um, und erhöhte die Lautstärke. Ja, es habe einen Wasserschaden gegeben. Es sei nicht der einzige Wasserschaden, den man bereits behoben habe. Und: „Wir haben alle großen Verwerfungen immer kommuniziert.“ Tatsächlich waren in der Vergangenheit viele Probleme beim Klinikum erst auf Nachfrage unserer Zeitung ans Tageslicht gekommen.

Antworten auf konkrete Rückfragen bezüglich des Wasserschadens verweigerte Rogge. „Sie sind nicht unser Mitarbeiter, das geht Sie gar nichts an“, war die deutliche Ansage. Mit der Berichterstattung schade man lediglich dem Krankenhaus. Direkt nach dem Telefonat begannen Rogge und seine Pressesprecherin hinter den Kulissen offenbar mit Schadensbegrenzung.

Schon der erste Eröffnungstermin im Januar 2016 musste verschoben werden, der zweite Termin im April 2017 ebenfalls. Jetzt möchte die Geschäftsführung im Herbst 2017 das Klinikum eröffnen. Doch ein Wasserschaden sorgt für weitere Verschiebungen. Eigentlich sollte am 30. September das Umzugsunternehmen bereit stehen. Das wird sich nun um Wochen, vielleicht Monate verschieben. Geschäftsführer Rogge betont in einem Telefonat mit der SZ/LZ mehfach, im Herbst werde er eröffnen. Und der Herbst laufe noch bis zum 21. Dezember.

Direkt nachdem unsere Redaktion Rogge mit den Recherchergebnissen konfrontierte, griff dieser offenbar zum Telefon. Es folgten Gespräche mit hochrangigen politischen Vertretern im Landkreis. Sogar auf Facebook meldeten sich Vertreter der Kommunikationsabteilung von Agaplesion zu Wort, um das Bild zurechtzurücken. Sie sprechen von „Falschmeldungen“, bestätigen aber grundsätzlich den Wasserschaden. Nur verheimlicht habe Agaplesion nichts.

Nach dem Gespräch – bei dem unserer Redaktion noch gesagt wurde „Sie sind nicht unser Mitarbeiter, das geht sie gar nichts an“ – treten Rogge und die Presseabteilung plötzlich aktiv an andere Medien heran. Jetzt erzählen sie auch neue Details zu dem fatalen Wasserschaden: So habe ein defekter Schlauch an der MRT-Notkühlung zu dem Schaden geführt. Da das Problem an einem Wochenende auftrat, sei es zunächst nicht entdeckt worden. „Maximal 10 000 Euro“ betrage der Schaden. Die Verzögerung beim Umzug dürfte dem Klinikkonzern dagegen deutlich teurer zu stehen kommen.

Weiterhin wird Rogge nicht müde zu betonen, dass der Umzug im Herbst stattfinden werde. Herbst bedeutet für ihn: Bis inklusive 21. Dezember 2017. An dieser Zusage wird die Öffentlichkeit Agaplesion jetzt messen.

Denn in Öffentlichkeit scheint das Bild schon vor Eröffnung nachhaltig geschädigt. Eine Vorabmeldung unserer Zeitung auf Facebook provozierte zahlreiche Kommentare in Richtung: „Der Berliner Flughafen von Schaumburg“. Besonders empört viele Rintelner, dass das Kreiskrankenhaus der Weserstadt vor genau einem Jahr geschlossen wurde.

Damals mit der Begründung, man ziehe nur übergangsweise ins Bückeburger Krankenhaus – am 1. Januar eröffne dann ja der Neubau. Wenig tröstlich dürfte dabei sein, dass offenbar kaum jemand mit einer Eröffnung im Jahr 2017 rechnete. Einer schrieb: „für das Geld, dass da reinfloss, hätte man auch bestehende Krankenhäuser modernisieren können.“

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