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Bundestagskandidaten im Porträt: Katja Keul (Grüne) ist in Algerien und Genf aufgewachsen – und in Nienburg zuhause

Fachanwältin, Mutter und Keyboarderin einer Rockband

Landkreis (jaj). In einem idyllisch gelegenen Einfamilienhaus direkt neben der Kirche lebt Katja Keul in der Gemeinde Marklohe, etwa fünf Kilometer von Nienburg entfernt. In der Einfahrt des Hauses stehen Fahrräder in den verschiedensten Größen – denn Katja Keul ist nicht nur Bundestagskandidatin der Grünen und Anwältin, sondern auch dreifache Mutter.

veröffentlicht am 27.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 00:41 Uhr

In der Gemeinde Marklohe lebt Familie Keul: die Eltern Katja und
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Seit Anfang des Jahres lebt die Familie in dem Fachwerkhaus, in dem die Fachanwältin für Familienrecht schon seit fast zehn Jahren ihre eigene Kanzlei hat. „Ganz fertig sind wir noch nicht“, erklärt sie, doch obwohl hier und da noch ein paar Kleinigkeiten gemacht werden müssen, ist es schon jetzt sehr gemütlich im Heim der Familie. „Es war die Lage des Hauses, die uns zu dem Umzug bewogen hat“, erzählt sie. Vorher wohnten die Keuls in einer anderen Gemeinde im Landkreis Nienburg, mit viel Platz mitten im Grünen. „Wir mussten jedoch jeden Weg mit dem Auto machen, der Umzug in den Ortskern hat viel neue Lebensqualität gebracht“, versichert sie.

Im Mittelpunkt stehen bei den Keuls die drei Kinder Svenja (13), Bruno (10) und Benno (5). Um die Familie und den Beruf unter einen Hut zu bekommen, wählte die Familie schon vor zehn Jahren einen Weg, der in der Öffentlichkeit erst in den letzten Jahren richtig publik wurde: Ehemann Michael (42) blieb als Hausmann zu Hause, während Katja als Anwältin Fuß fasste. „Ich habe mir immer eine Familie gewünscht“, erzählt die 39-Jährige, „ohne meinen Mann wäre das in dieser Form jedoch nicht möglich gewesen.“

Spannend ist Katja Keuls persönlicher Hintergrund: Ihre Kindheit und Jugend verbrachte die Kandidatin in den unterschiedlichsten Ländern. Ihr Vater war Lehrer und arbeitete zeitweise als Entwicklungshelfer in Algerien und an einer deutschen Schule in Genf. Dort wurde auch ihr Interesse an der Politik geweckt. „Ich interessierte mich schon damals sehr für den diplomatischen Dienst bei der UNO und das Völkerrecht“, erzählt sie. Nach einem Auslandsjahr in Amerika und dem Abitur in Nienburg kam dann das Jura-Studium in Heidelberg mit anschließendem Referendariat in Berlin.

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1996 kehrte sie kurz vor der Geburt ihrer Tochter in den Landkreis Nienburg zurück, wo sie im selben Jahr den Grünen beitrat. 1999 beendete sie jedoch als Reaktion auf den NATO-Einsatz im Kosovo vorübergehend ihre Mitgliedschaft. 2006 folgte der zweite Beitritt, schon ein Jahr später wurde sie Mitglied des Kreisvorstandes, 2008 dessen Sprecherin und Delegierte für die Bundesarbeitsgemeinschaft Frieden und Internationales.

Keul kandidiert auf Platz 5 der Landesliste. Sollte sie in den Bundestag kommen, will sie auch diesen Job familienkompatibel gestalten. „Es ist ja nicht jede Woche Plenumswoche“, versichert sie. Ihr Mann Michael unterstützt sie auch bei dieser neuen Herausforderung. „Es ist interessant und mal wieder etwas Neues. Sonst würde es ja langweilig werden“, kommentiert er mit einem Lachen. Und auch die Kinder wissen über den zukünftigen Job ihrer Mama Bescheid. „Besonders die Große findet den Wahlkampf total spannend“, erzählt diese.

Die meiste freie Zeit verbringt die dreifache Mutter mit ihrer Familie, doch es gibt einen wöchentlichen Termin, den sie bereits seit zehn Jahren wahrnimmt: Die Proben mit ihrer Rockband, in der sie Keyboard spielt und singt. Zusammen mit sechs anderen Frauen wird dort Musik gemacht, sowohl Stücke aus eigener Feder, als auch bekannte Hits. „Es gibt bereits einen Plan B für die Proben“, verrät sie. Denn man weiß ja nicht, was die Zukunft noch bringt.

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