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Am Mittwoch feiert das Residenz Kinocenter Bückeburg die 1000ste Sneak Preview mit freiem Eintritt

Filmische Reise ins Ungewisse

BÜCKEBURG. Bereits 999 mal lud das heimische Residenz Kinocenter zu einer Sneak-Preview, einer filmischen Reise ins Ungewisse, bei der das Publikum erst nach Beginn der Vorstellung erfährt, welcher Film gespielt wird. Am kommenden Mittwoch steht die tausendste dieser ganz besonderen Vorstellungen an. Das will natürlich gefeiert werden, und das tut das „Resi“ mit einer Jubiläums-Sneak mit freiem Eintritt auf allen Plätzen.

veröffentlicht am 12.01.2018 um 12:09 Uhr
aktualisiert am 12.01.2018 um 15:30 Uhr

Als erster Film lief am 4. Dezember 1996 „Irren ist männlich“ in der Bückeburger Sneak. Foto: Verleih
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Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
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Denn sie wissen nicht, was sie sehen. Während kaum jemand im Restaurant ein völlig unbekanntes Überraschungsmenü bestellen oder sich eine Konzertkarte kaufen würde, um erst nach dem Einnehmen der Plätze zu erfahren, ob dort die New Yorker Philharmoniker oder die Kelly Family spielen, tun Bückeburgs Kinogänger dies seit nunmehr 21 Jahren in ungebrochener Begeisterung.

Es war am 4. Dezember 1996, als das heimische Filmtheater in der Bückeburger Fußgängerzone zum ersten Mal zu einem derartigen cineastischen Blind-Date einlud. „Irren ist männlich“ wurde damals gezeigt, eine deutsche Komödie mit Corinna Harfouch, Herbert Knaup und Richy Müller in den Hauptrollen. 999 Vorstellungen und 1074 Filme später hat sich die Bückeburger Sneak längst vom Geheimtipp zu einer Institution mit Kultcharakter und eingeschworenem Fanpublikum entwickelt. Ein Publikum, das nicht selten die ersten Sekunden des beginnenden Films beim Erkennen des Titels mit frenetischem Applaus quittiert, das in den zwei Jahrzehnten mit der Sneak durch alle Höhen und Tiefen cineastischer Unterhaltungsmöglichkeiten schritt, dabei grandiose Höhepunkte erlebte wie David Finchers „Fight Club“, Christopher Nolans „Memento“ oder Tim Burtons „Sleepy Hollow“ und seiner Kult-Veranstaltung selbst die himmelschreiendsten filmischen Gurken wie „Guesthouse Paradiso“ oder „Was nicht passt wird passend gemacht“ verzieh. Denn: Auch Reinfälle dürfen, wenn’s wirklich spannend sein und bleiben soll, nicht fehlen. Das ist bei einer Sneak Preview tatsächlich so wie bei der weltberühmten Pralinenschachtel aus Robert Zemeckis‘ „Forrest Gump“: Man weiß nie, was man kriegt.

Möglich ist praktisch alles: Ob rasanter Thriller, nervenzerrender Horror, romantische Komödie, oder alberner Slapstick – nahezu jedes Genre und jeder Filmgeschmack wurde und wird in der Sneak-Preview bedient. Nur eines haben alle Sneak-Filme gemeinsam: Sie werden grundsätzlich vor ihrem regulären Kinostart gezeigt, was ausschließt, dass irgendjemand im Publikum das filmische Überraschungsei bereits kennt. Zumeist dauert es anschließend ein bis zwei Wochen bis zum regulären Kinostart. Rekordhalter ist und bleibt dabei Roger Donaldsons „Mit Herz und Hand“, der sage und schreibe sechs Monate vor seinem offiziellen Start zu sehen war. Exklusivität besitzt dagegen „If only“: Der romantische Mystery-Thriller mit Jennifer Love Hewitt lief ausschließlich in der Bückeburger Sneak

So mancher berühmte, spätere Kultfilm erlebte seine Premiere vor Bückeburger Sneak-Publikum: Hier wettete Ryan Phillipe mit Sarah Michelle Gellar in „Cruel Intentions“ um die Unschuld der schönen Reese Witherspoon, hier machte sich Michael „Bully“ Herbig in „Der Schuh des Manitu“ über alle Schätze des Silbersees lustig, hier ging Tom Cruise in Michael Manns „Collateral“ als weißhaariger Profi-Killer auf die Jagd, hier machte der freundliche Oger „Shrek“ seiner Fiona die Aufwartung, und in M. Night Shyamalans unübertroffenen „The Sixth Sense“ erklärte Haley Joel Osment seinem von Bruce Willis gespielten Psychologen: „Ich sehe tote Menschen.“ Als ganz besonderes Event bot das „Resi“ zur Feier der 200. Sneak im Juli 2002 eine 80er-Jahre-Doppelvorstellung, bei der die Zuschauer aus fünf Klassikern zwei per geheimer Abstimmung auswählen durften. Die Gewinner hießen damals „Top Gun“ und „Indiana Jones 3“.

Robuste Nerven benötigten die Sneak-Gänger vergangene Woche, als im Rahmen der 999. Sneak-Preview der düstere, postapokalyptische Horror-Thriller „It comes at night“ gezeigt wurde. Ob das am kommenden Mittwoch, 17. Januar, bei der tausendsten Sneak auch so sein wird? Das wird natürlich nicht verraten. Fest steht nur: Der Eintritt für die um 22 Uhr beginnende Jubiläums-Sneak ist auf allen Plätzen frei. Daher besteht auch keine Möglichkeit, vorab Karten zu reservieren. Die gibt es an diesem Abend nur an der Abendkasse ab 19 Uhr.

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